https://www.faz.net/-gzg-vx4h

Wasserpreise : Versorger: Rhiel handelt willkürlich

Wasser wird in Frankfurt zu teuer verkauft, meint Minister Rhiel Bild: F.A.Z.

Wirtschaftsminister Rhiel will die Wasserpreise in Frankfurt um 40 Prozent senken lassen. Das stößt in der Kämmerei auf Unverständnis. Kämmerer Uwe Becker teilte mit, durch eine derartige Preissenkung würde die Mainova „in ein Minus laufen“.

          2 Min.

          Die Ankündigung des hessischen Wirtschaftsministers Alois Rhiel (CDU), die Mainova AG und andere Wasseranbieter mit Hilfe des Kartellrechts zu Preissenkungen zu zwingen, stößt bei Anbietern und der Frankfurter Kämmerei auf Unverständnis. Ein Unternehmenssprecher der Mainova sagte, das Ministerium erwecke mit der Forderung nach Preissenkungen von 40 Prozent den Eindruck, die Mainova AG „ziehe Kunden über den Tisch“. Sein Haus könne aber sehr genau nachweisen, wie die Preise für Wasser gebildet würden – und dass sie keineswegs überhöht seien.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Frankfurter Kämmerer Uwe Becker (CDU) teilte auf Anfrage mit, eine Senkung der Mainova-Wasserpreise um 40 Prozent sei „kaum darstellbar“. Das Unternehmen, das zu drei Vierteln der Stadt gehört, würde in der Wassersparte sonst „strukturell in ein Minus laufen“. Er rechne damit, dass die von Rhiel verlangte Preissenkung die Stadt Frankfurt einen zweistelligen Millionenbetrag kosten würde. Die Mainova AG habe noch bis Ende Oktober Zeit, die jetzigen Preise ausführlich zu begründen.

          Wasserpreise „nicht kurzfristig“ senkbar

          Becker wies darauf hin, dass das städtische Unternehmen Verträge mit Wasserlieferanten bis zum Jahr 2020 abgeschlossen habe; diese Vereinbarungen hätten feste Konditionen. Deshalb seien die Wasserpreise in Frankfurt „nicht kurzfristig“, etwa im nächsten Jahr, zu senken. Die Mainova, die ihr Geld nicht nur mit Wasser, sondern vor allem mit Gas und Strom verdient, hatte im vergangenen Jahr mit ihrer Wassersparte laut Jahresabschluss 2006 einen Umsatzerlös von rund 77 Millionen Euro erwirtschaftet. Von ihrem Gewinn führt die AG einen Gutteil an die Stadtwerke Frankfurt Holding GmbH ab, die damit unter anderem den defizitären Busverkehr und die Bäder finanziert.

          Kritisiert wird Rhiel nicht nur von der Mainova. Auch die ebenfalls vom Wirtschaftsminister ins Visier genommenen Städtischen Werke Kassel AG fühlen sich zu Unrecht angeprangert. Beispielsweise würden die geologischen und topographischen Bedingungen bei den Vergleichen nicht oder nicht hinreichend berücksichtigt. Das Ergebnis sei ein willkürliches Vorgehen, äußerte ein Sprecher.

          Rhiel äußert sich nicht zum weiteren Vorgehen

          In Kassel liegt der Preis je Kubikmeter 0,2 Cent unter dem der Mainova. Diese fordert 2,29 Euro je Kubikmeter Trinkwasser bei einem Jahresverbrauch von 150 Kubikmetern – inklusive Grundpreis, Steuern und Abgaben (netto 2,14 Euro). Der Wasserpreis der Energieversorgung Offenbach AG liegt ebenfalls 0,2 Cent unter dem der Mainova. Im Gegensatz zu anderen Wasserversorgern hat sich das Offenbacher Unternehmen aber schon vor drei Jahren mit Rhiel darauf geeinigt, den damaligen Preis in drei Stufen um jeweils sieben Cent zu senken, der letzte Schritt wurde in diesem Sommer vollzogen. Nun ist der Preis genauso hoch wie in Kassel. Mit neuen Forderungen aus dem Wirtschaftsministerium rechnen die Offenbacher deshalb nicht.

          Von Kunden der Wiesbadener Eswe Versorgungs-AG werden sogar rund 2,69 Euro je Kubikmeter verlangt, wie ein Sprecher bestätigte. Das liege daran, dass Wiesbaden sein Trinkwasser aus dem Rhein, aus dem Ried und aus Stollen im Taunus gewinne. Unter der Stadt selbst gebe es lediglich Thermalwasser, wie der Sprecher weiter ausführte. Zudem brächen wegen häufiger Erdbewegungen überdurchschnittlich viele Rohre, hinzu komme, dass viele Pumpen nötig seien, um die in einem Kessel liegende Stadt zu versorgen. Post aus dem hessischen Ministerium befürchtet der Wiesbadener Wasserversorger daher nicht. Minister Rhiel wollte sich nicht zum weiteren Vorgehen äußern.

          Weitere Themen

          Die neue Führung zeigt Härte

          Neuanfang für Awo : Die neue Führung zeigt Härte

          Nach dem Skandal wählt der Awo-Kreisverband Frankfurt ein neues Präsidium. Bereits bei seiner ersten Sitzung verkündet das Gremium eine gravierende Entscheidung.

          Topmeldungen

          In Karlsruhe wird ein Verdächtiger am Samstag abgeführt.

          Zerschlagene Terrorzelle : Sie planten Bürgerkriegsszenarien

          Eine überregionale rechtsextreme Terrorzelle stand offenbar kurz davor, einen schweren Anschlag zu verüben. Die Mitglieder fanden sich wohl im Netz und radikalisierten sich. Nun kam heraus, welche Pläne sie hatten und wie sie gestoppt wurden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.