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Spitzenposition aus Tradition : Was Kronberg für Unternehmen so attraktiv macht

Stadt der Millionäre: Kronberg Bild: Oliver Rüther

Früher Rittersleute und Maler, heute Musiker, Marken und Millionäre: Kronberg ist kein sehr großes, aber ein besonderes Städtchen im Rhein-Main-Gebiet. Wo es so gut läuft, tun sich Politiker und Bürger mit Veränderungen schwer.

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          Hier wären viele gern, Kronberg ist schon lange ein Sehnsuchtsort im Rhein-Main-Gebiet. Die Maler, die seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts dem Vorbild Anton Burgers und Jakob Fürchtegott Dielmanns in den Taunus folgten, waren angezogen vom „unverfälschten Landleben“, das sich unweit der großen Handelsstadt bewahrt hatte. Die Frankfurter Großbürger, die es den Künstlern nachmachten, schwärmten für die Natur, die Luft und die spektakulären Ausblicke. Die Villen, die sie sich als Sommersitze oder Wohnhäuser rund um das mittelalterliche Dörfchen mit seiner Burg errichten ließen, sind es heute, die manchen von Kronberg träumen lassen.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Nachbarschaft aus Romantik und Millionären ist das typische Kronberg-Klischee. An dem Wahres dran ist. Über Schönheit lässt sich auf den Höhenlagen mit Frankfurt-Blick kaum streiten. Und nur im Nachbarort Königstein, so berichtet es das Statistische Landesamt, leben in Hessen anteilig zur Bevölkerung noch mehr Einkommensmillionäre als in Kronberg. Überhaupt wohnen so viele Gutverdiener in der Stadt, dass sie gemeinsam so viel Einkommenssteuer zahlen, dass diese die städtischen Einnahmen aus der Gewerbesteuer übersteigt. Die Kaufkraftziffer liegt mit 183 Punkten (Stand 2018) fast doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt, all das zeigt, dass die Kommune nicht nur auf dem Zertifikat ein „Ausgezeichneter Wohnort für Fach- und Führungskräfte“ ist.

          Aber in der Stadt hat man nicht nur Geld, dort wird auch viel davon erwirtschaftet. Weltbekannte Unternehmen haben in Kronberg ihren Sitz, Vermögensverwalter und Fonds schätzen die namhafte Lage, natürlich auch Anwälte und Berater. Die Unternehmensberatung Accenture ist mit 3000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber. Der Mietvertrag für das gläserne Gebäude unweit des S-Bahnhofs Kronberg Süd wurde jüngst verlängert und das Unternehmen hat die Zahl der in Kronberg stationierten Mitarbeiter erhöht. Wobei die Mehrheit davon nur im Taunus gebucht sind, tatsächlich arbeiten die Leute in der Republik verstreut in ihren Projekten.

          Rasierer und Zahnbürsten

          In Sichtweite zu den Beratern, auf der anderen Seite der Bahnlinie, führt Procter & Gamble den Produktionsstandort der legendären Firma Braun fort. Braun hatte seinen Sitz im Frankfurter Gallus und Anfang der sechziger Jahre eine Niederlassung mit Produktion im Taunus eröffnet. Erst in den Jahren nach dem Verkauf des für sein Produktdesign bekannten Herstellers von Rasierern, Küchengeräten und Unterhaltungselektronik an die Gillette-Company im Jahr 1967 wurde der Taunus zu deren Hauptsitz. 2007 ging Gillette wiederum im US-Konzern Procter & Gamble auf.

          Dieser hat seinen deutschen Hauptsitz formal im benachbarten Schwalbach, die Standorte dort und in Kronberg betrachtet der Konzern aber als einen. In den Laboren auf der Kronberger Seite werden in erster Linie Geräte für die Marken Oral-B und Gillette entwickelt und getestet. Werden sie nach Dauereinsatz und Optimierung für gut befunden, beginnt die Serienfertigung an anderen Standorten, danach werden die Güter designed in Kronberg in der ganzen Welt vertrieben.

          Noch näher, nämlich im selben Gebäudekomplex wie Accenture, sitzt eine weitere Weltmarke: Der Auto-Konzern Jaguar Land Rover hat seine Deutschland-Zentrale jüngst dorthin verlegt.

          Investoren werden abgewiesen

          Rund 12300 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze hat Kronberg, das macht die Stadt, deren S-Bahn-Verbindung in 20 Minuten zum Frankfurter Hauptbahnhof führt, zu einer wahren Pendlerhochburg: Etwa 5000 Menschen machen sich morgens von dort auf den Weg zur Arbeit nach Frankfurt, Wiesbaden oder München. 11250 Menschen wiederum reisen täglich an, um ihrem Beruf nachzugehen. Im Verhältnis ein Saldo, der in etwa dem des großen Nachbarn Frankfurt entspricht.

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