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Raiffeisenbank Oberursel : Die etwas andere Bank aus dem Taunus

Lässt sich von den Großen nicht unterkriegen: Achim Brunner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Oberursel Bild: Michael Kretzer

Die Raiffeisenbank Oberursel fällt auf: mit ungewöhnlichen Kontomodellen, neuen Ideen und provokantem Marketing – inklusive kleinen Sticheleien gegen die Konkurrenz. Das dürfte nicht jedem in der Region gefallen.

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          Die Grußbotschaften an die Konkurrenz kamen prompt, und sie steckten voller Ironie. Nachdem die Taunus-Sparkasse und die Frankfurter Volksbank kürzlich voller Selbstbewusstsein verkündet hatten, dass die Idee gemeinsam betriebener Filialen ein Fortschritt sei, schaltete die Raiffeisenbank Oberursel in regionalen Tageszeitungen provokante Image-Anzeigen. „Wir sind hundert Prozent pur und null Prozent gemischt“, war darin zu lesen, und auch: „Wir sind übrigens sechsmal in der Woche für Euch da.“

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Stichelei dürfte die Adressaten erreicht haben. Denn während sich die Volksbank aus Frankfurt und die Taunus-Sparkasse mit Sitz in Bad Homburg künftig zahlreiche Geschäftsstellen teilen und dort nur noch je zwei Tage in der Woche für ihre jeweiligen Kunden da sein werden, kommt für die Raiffeisenbank Oberursel ein ähnliches Vorgehen nicht in Frage.

          Im Gegenteil. Achim Brunner blickt kurz über die Schulter durch das bodentiefe Fenster zur Zentrale der Taunus-Sparkasse, die nur 250 Meter entfernt ist. Brunner ist Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Oberursel, die vor einem Jahr aus dem Ortsteil Oberstedten in die Kreisstadt Bad Homburg umgezogen ist. „Dass zwei Unternehmen einmal Wettbewerber, einmal Partner sein sollen, geht für mich als Unternehmer nicht zusammen“, sagt er.

          Die Raiffeisenbank Oberursel bietet unentgeltliche Girokonten

          Brunner will seinen eigenen Weg gehen, auch mit ungewöhnlichen Schritten. Einer davon ist die Anzeigenkampagne, die „ein kleiner Gruß“ gewesen sein soll, wie Brunner sagt: nach nebenan zur Taunus-Sparkasse, aber auch nach Frankfurt zur Volksbank, die in den vergangenen Jahren immer wieder durch Fusionen mit kleineren Instituten gewachsen ist. Für Brunner ist ein Zusammenschluss mit einem anderen genossenschaftlichen Geldinstitut keine Option. Als er Anfang 2008 bei der Raiffeisenbank Oberursel antrat, hatte er den festen Willen, die kleine Bank so aufzustellen, „dass wir nicht in der Börsenstraße 1 in Frankfurt anklopfen müssen“ – dort hat die Frankfurter Volksbank ihren Sitz.

          Stattdessen macht das Unternehmen anderweitig auf sich aufmerksam. Zum Beispiel mit einem unentgeltlichen Girokonto, einem aussterbenden Produkt, das in ganz Deutschland gerade noch drei Dutzend Kreditinstitute anbieten. Dass ausgerechnet die Raiffeisenbank, die bis vor einem Jahr in einem kleinen Gebäude aus dem Jahr 1904 im 6000-Seelen-Dorf Oberstedten zu Hause war, dazu gehört und auf diesem Feld mit Branchengrößen wie der ING und der Commerzbank konkurriert, mag überraschen.

          Eine strikte Teilung zwischen Online- und Filialkunden

          Das Angebot folgt einer Logik, die im Bankenmarkt kaum verbreitet ist: der strikten Trennung von Online- und Filialkunden. Brunner öffnet eine Präsentation und zeigt mit Schaubildern, dass sein Haus zwischen diesen beiden Säulen des Unternehmens eine Art Firewall aufgebaut habe, also eine unüberwindbare Mauer. Wer seine Bankgeschäfte nur noch digital abwickelt, zahlt keine Gebühren. Wer aber weiter regelmäßig die klassische Filiale nutzen will, muss laut Brunner das aufbringen, was derlei Betreuung eben kostet. Und so bietet die Raiffeisenbank für Filialkunden mit einer monatlichen Gebühr in Höhe von 30 Euro eines der teuersten Girokonten Deutschlands an. Doch Brunner findet diese klare Trennung zwischen Online- und Filialkunde nur fair. Denn das sei eben der Preis, wenn man die teuren Geschäftsstellen erhalten wollel. „Andere Banken schließen Filialen oder legen sie zusammen“, kritisiert Brunner. „Wir hingegen haben unsere Kunden gefragt, ob sie bereit sind, den Preis für Filialen zu zahlen.“

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