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Boni trotz Stellenabbaus : Warum die Deutsche Bank eine Chance vertan hat

Erklärungsbedarf: Deutsche-Bank-Chef Sewing steht weiter in der Kritik, nicht zuletzt in Sachen Boni Bild: Wolfgang Eilmes

Der radikale Umbau der Deutschen Bank verschlingt viel Geld. Tausende Mitarbeiter müssen gehen. Vor diesem Hintergrund wäre der komplette Verzicht auf Vorstands-Boni der einzig richtige Weg gewesen.

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          Der Verlust der Deutschen Bank in Höhe von gut fünf Milliarden Euro im vergangenen Jahr ist keine Überraschung. Der radikale Umbau des Frankfurter Konzerns verschlingt viel Geld. Dieses Argument führt auch Vorstandschef Christian Sewing ins Feld, um das Milliarden-Minus zu verteidigen.

          Doch wenn Tausende Menschen entlassen werden und Aktionäre seit Jahren leer ausgehen, dann sollte die Unternehmensführung den Konzernumbau nicht nur als Entschuldigung für ein schlechtes Ergebnis anführen, sondern auch persönlich daraus Konsequenzen ziehen und auf Gehalts-Boni verzichten.

          Von Worten und von Handeln

          Der Frankfurter Konzern hat in der Bankenwelt und am Finanzplatz den Ruf, jahrelang über die eigenen Verhältnissen gelebt zu haben. Nun gilt es für Sewing und seine Truppe, nicht nur Kosten zu sparen und die Erlöse zu steigern, sondern auch, neues Vertrauen aufzubauen. Sewing sagte bei der Bekanntgabe der Bilanzzahlen, ihm, der seit drei Jahrzehnten bei der Bank arbeite, schmerze der Stellenabbau sehr. Doch die durchaus glaubwürdigen Worte werden durch sein Handeln in Sachen Bonuszahlungen konterkariert.

          Mag sein, dass die Sonderzulagen dem Vorstand vertraglich zustehen, mag sein, dass Boni wichtig sind, um gute Leute zu finden und zu halten, und mag sein, dass die Führung ganz freiwillig auf die Hälfte dieser versprochenen Boni verzichtet hat. Dennoch: Um Vertrauen in einer schwierigen Transformationsphase zurück zu gewinnen, in der die Bank auch eine neue, bescheidenere Kultur entwickeln will, wäre der komplette Verzicht auf Vorstands-Boni der einzig richtige Weg gewesen. Dass man sich dazu nicht durchringen konnte, ist das falsche Signal.

          In Organisationen gilt stets: Die Führung muss mit gutem Beispiel voran gehen. Das tun Sewing und seine Vorstandskollegen aber nicht. Sie haben damit eine wichtige Chance, den Aktionären, Mitarbeitern und Kunden den echten Willen zur Transformation zu einem ganz neuen Unternehmen auch durch symbolisches Handeln zu unterstreichen, verpasst. Wieder einmal.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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