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Werkzeughersteller Walter : „Frankfurter Betriebsrat kann Schließung nicht verhindern“

Soll geschlossen werden: Walter-Fabrik in Frankfurt Bild: thwi.

Vor zwei Tagen hat die Walter AG das Aus für ihre Frankfurter Fabrik angekündigt, nun stehen kurzfristig Betriebsversammlungen an. Wie das Management meint, kann der Betriebsrat die Schließung nicht verhindern.

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          Noch ist der Schock für die Belegschaft der Frankfurter Fabrik der Walter AG frisch. Der Werkzeug-Hersteller will den 200 Beschäftigte zählenden Standort bis zum Frühjahr 2021 aufgeben und damit „geänderten Marktanforderungen gerecht“ werden, wie es zu Wochenbeginn hieß. An diesem Mittwoch stehen kurzfristig anberaumte Betriebsversammlungen an, die erste beginnt um 5 Uhr, wie zu hören ist. Solche Runden können für Mitarbeiter eine Quelle sein, um mehr Klarheit über die Lage zu erlangen und Hoffnung zu schöpfen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die IG Metall wird in den nächsten Tagen mit Sachverständigen die Erfolgszahlen des Betriebs untersuchen und die „Plausibilität der unternehmerischen Maßnahme prüfen“. Ziel ist, die Beschäftigung am Ort zu sichern. Darüber will sie mit der Geschäftsführung sprechen und erwartet „Offenheit“. In der nächsten Woche wird sich dem Vernehmen nach auf Konzernebene der Wirtschaftsausschuss, dem Vertreter von Arbeitgeber und Arbeitnehmern angehören, mit der geplanten Schließung befassen und sich anhören, wie die Chefetage das Vorhaben begründet. Das Management hat aber vorab schon seine Sicht der Dinge klargemacht.

          Verlagerung an mehrere Standorte

          In einem umfänglichen Frage-Antwort-Katalog, der der F.A.Z. vorliegt, wird zum Beispiel die Frage aufgeworfen: „Kann der lokale Betriebsrat die geplante Schließung abwenden?“ Die Antwort: „Nein.“ Das Betriebsverfassungsgesetz berechtige den lokalen Betriebsrat dazu, seine „Meinung beratend einzubringen“. Er dürfe einen Interessenausgleich und einen Sozialplan mit dem Unternehmen aushandeln, „bevor die Schließung umgesetzt wird“. Den Mitarbeitern wolle die Firma bei der Suche nach neuen Stellen helfen.

          Für eine Prognose, was dabei im Einzelnen möglich sei, sei es noch zu früh. Und: „Eine mögliche Abfindung ist eines der Themen, die wir mit dem lokalen Betriebsrat beraten und verhandeln werden.“ Das Management rechnet dem Schreiben zufolge mit mehrere Monate dauernden Gesprächen.

          Wie es weiter heißt, will das Unternehmen die Produktion an verschiedene Standorte der Walter AG und des schwedischen Eigentümers Sandvik verlagern. Darunter sind Fabriken in China und Brasilien sowie Tschechien, aber auch in den Vereinigten Staaten und Frankreich.

          Nach momentanem Stand wolle Walter keine weiteren Fertigungsstandorte schließen. „Walter ist ein kerngesundes Unternehmen“, lässt die Firma wissen. Die Produktion schrittweise zurückzufahren, „hätte keinen Kosten-Einspareffekt“.

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