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Vor der „Gamescom“ : Spieleentwickler hoffen auf Kölner Messe

Massenveranstaltung: die bisherige „Games Convention” in Leipzig Bild: ZB

Die Region ist Deutschlands Zentrum für Computerspieleentwickler. Pünktlich zur Leitmesse kommt nun aber auch bei ihnen die Wirtschaftskrise an.

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          Bei Keen Games in Sachsenhausen hat sich in den vergangenen Monaten alles um Darwin, Blaster und Juarez gedreht - drei Meerschweinchen. Sie sind die Stars des neuen Disney-Films „G-Force“, der in Deutschland im Oktober in die Kinos kommt. Die Computerspieleentwickler von Keen Games haben die drei Meerschweinchen-Agenten für die Spielekonsolen von Nintendo und Sony fitgemacht. In Großbritannien und den Vereinigten Staaten, wo der Film bereits zu sehen ist, verkaufen sich auch die Spiele schon gut, wie Jan Jöckel, Geschäftsführer der Keen Games GmbH & Co. KG, sagt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch die Lage ist nicht so rosig, wie sie auf den ersten Blick scheint. Zwar haben die rund 50 Keen-Entwickler mit „Anno“ für die Nintendo-Konsole Wii aktuell noch einen zweiten internationalen Erfolg zu vermelden. Doch das ist noch der Nachlauf aus Zeiten vor der Krise, wie Jöckel es nennt. Schon seit Anfang des Jahres sei die Auftragslage „nicht so fürchterlich gut“, berichtet er.

          Keine Krise dank „durchfinanzierter Projekte“

          Computerspieleentwickler arbeiten meist im Auftrag sogenannter Publisher, also von Unternehmen wie Nintendo oder Konami, die die Spiele in den Handel bringen und vermarkten. Wenn ein solcher Publisher von einer Idee überzeugt ist, bezahlt er dem Entwickler im Voraus die Ausarbeitung des Spiels. Für die neun bis achtzehn Monate, die dies in der Regel dauert, sind die Mitarbeiter dann also in Lohn und Brot.

          „Wer an durchfinanzierten Projekten arbeitet, merkt noch gar nichts von der Krise“, sagt Jörg Weber, der die Standortinitiative „Gamearea FRM“ leitet, in der sechzig Unternehmen der Spielebranche aus Frankfurt und Umgebung vereint sind. Doch die Verkaufszahlen der großen Publisher seien inzwischen weit schlechter als noch vor einem Jahr. Und den Aufträgen, die derzeit abgearbeitet würden, folgten wenige neue. Nach Jahren des Wachstums müssten einige Unternehmen bereits Mitarbeiter entlassen. Kleinere Firmen, von denen es in dieser Branche eine Reihe gebe, kämen schnell in die Klemme, wenn sie eine Zeitlang ohne Aufträge auskommen müssten.

          In die Branchenmesse „Gamescom“, Nachfolger der Leipziger „Games Convention“, die in einer Woche in Köln beginnt, werden daher große Hoffnungen gesetzt. Frankfurt wird hier stark vertreten sein. Das Unternehmen Crytek, das mit „Crysis“ und „Farcry“ schon mehrere Kassenschlager von der Hanauer Landstraße in die Computer der Welt gebracht hat, gehört mit einem Umsatz von 20 Millionen Euro zu den größten der Branche. Aber auch kleinere Frankfurter Unternehmen wie Deck 13 oder Metricminds zählen zu den angesehenen Adressen. Am Gemeinschaftsstand der „Gamearea FRM“ zeigen sich elf kleinere Unternehmen aus der Region mit der Wirtschaftsförderung Frankfurt.

          Gut 200.000 Besucher erwartet

          Auch Keen Games ist dabei. Geschäftsführer Jöckel hofft auf neue Aufträge während der Messe, zu der die Veranstalter mehr als 200.000 Besucher erwarten. Allerdings hätten sich weniger internationale Publisher angekündigt als in früheren Jahren, sagt Jöckel. Um seine Mitarbeiter halten zu können, setzt er derzeit auf die Entwicklung von Online-Spielen, die direkt über Plattformen von Hardware-Herstellern wie Sony den Endkunden angeboten werden. Die Publisher, die derzeit offenbar das Geld zusammenhalten, werden dadurch umgangen.

          Weber weiß, dass die meisten Unternehmen der Branche viel daransetzen, ihre Mitarbeiter zu halten. Denn gute Spieleentwickler sind ein rares Gut. Und Frankfurt ist zwar in Deutschland neben Hamburg der wichtigste Entwicklerstandort, doch die internationalen Gameszentren liegen anderswo, in Toronto zum Beispiel.

          Nicht nur der Spieleverkauf bringt Geld in die Kassen

          Und so richtig kann die Krise den Optimismus der Branche auch nicht brechen. Eine Studie, die die Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers jetzt vorstellte, sieht das Umsatzwachstum in Deutschland zwar derzeit abgeschwächt, jedoch weiter auf hohem Niveau. Erstmals seit Jahren ist die Wachstumsrate nicht mehr zweistellig, sondern liegt bei fünf Prozent. Auf längere Sicht, bis 2013, erwarten die Berater, dass sich in Deutschland mit Software und Online-Spielen 2,6 Milliarden Euro umsetzen lassen, nach 2,04 Milliarden in diesem Jahr.

          Dabei bringt nicht nur der Verkauf der Spiele Geld in die Kassen. Auch in neueren Einnahmequellen sieht Pricewaterhouse Coopers Potential. Mit dem Ingame-Advertising zum Beispiel. Dabei wird zum Beispiel ein virtuelles Autorennen nicht einfach in irgendeinem Gefährt gewonnen, sondern etwa in einem BMW. Und auch mit kostenlosen Online-Spielen verdient die Branche inzwischen gut. Der Spieler kann solche Spiele zwar unentgeltlich herunterladen. Um dann aber nicht ständig zu verlieren, muss er sich schon mit ordentlichen Waffen ausstatten - gegen echtes Geld.

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