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Von Frankfurt nach Berlin : Verband der Automobilindustrie zieht um

Der Lobbyistenverband gibt seinen Sitz im Westend auf. Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Der Verband der Automobilindustrie zieht von Frankfurt nach Berlin. Die Lobbyistenorganisation will der Bundespolitik näher sein. Die IAA soll hingegen am Main bleiben.

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          Die Mainmetropole verliert eine weitere große Lobbyistenorganisation. Wie der Verband der Automobilindustrie mitteilte, wird er seinen Sitz aus dem Westend nach Berlin verlagern. Der frühere Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU), der der Organisation seit 2007 vorsitzt, äußerte, der Vorstand habe beschlossen, die politische und strategische Präsenz in der Bundeshauptstadt zu verstärken.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Ein Sprecher sagte, der Verband müsse näher an der Politik sein; Berlin locke wegen der kurzen Wege. Deshalb sei vor wenigen Wochen auch die bisherige Niederlassung in Berlin vom Stadtteil Schmargendorf zum zentral gelegenen Gendarmenmarkt verlegt worden. In diesen Räumen werde nun der gesamte Verband untergebracht.

          Zahl der Verbände mit Sitz in Frankfurt verringert sich

          Die Organisation beschäftigt nach Angaben des Sprechers derzeit in Frankfurt etwa 70 Frauen und Männer, in Berlin zehn. Außer den Arbeitsplätzen aus Frankfurt würden auch die zwölf Mitarbeiter aus der Dependance in Oberursel in die Bundeshauptstadt umziehen. In dem Taunusort ist das Qualitätsmanagement-Center des Verbands untergebracht. Allen Mitarbeitern im Rhein-Main-Gebiet werde angeboten, nach Berlin zu wechseln, sagte der Sprecher weiter. Wissmann hob hervor, dass der Verband der Automobilindustrie ohnehin schon seit dem Jahr 2000 seinen juristischen Sitz in Berlin habe.

          Auf den Standort der Internationalen Automobil-Ausstellung hat die Entscheidung nach Auskunft des Sprechers keinen Einfluss. Frankfurt sei ein hervorragender Messestandort, schon wegen der guten Verkehrsanbindung, namentlich mit dem Flughafen. Wie die Buchmesse wird auch die Automobil-Ausstellung nicht durch die Messe Frankfurt organisiert, sondern durch den Branchenverband selbst. Die Messegesellschaft vermietet lediglich die Hallen für diesen Zweck. Der Automobilverband hatte 2005 einen Vertrag mit der Messe Frankfurt darüber geschlossen, dass die Automobil-Ausstellung bis einschließlich 2011 in der Stadt am Main bleibt. Danach wird abermals verhandelt. Die Berliner Messe hatte sich in früheren Jahren interessiert gezeigt, war allerdings nicht zum Zuge gekommen.

          Frankfurt hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Verbänden verloren. 2007 veröffentlichte der Hoppenstedt-Verlag eine Statistik, wonach sich allein seit 2002 die Zahl derartiger Organisationen mit Sitz in Frankfurt von 443 auf 417 reduzierte. In Berlin stieg die Zahl im gleichen Zeitraum von 706 auf 989. So ging 2001 der Deutsche Reisebüroverband in die Bundeshauptstadt, 2004 der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge und 2005 der Verband Deutscher Rentenversicherer.

          Die meisten Verbände sind europäisch aufgestellt

          Der Verband der Elektrizitätswirtschaft, der sich inzwischen umbenannt hat, zog in zwei Etappen 2001 und 2005 vom Main an die Spree. Durchweg wurde wie beim Automobil-Verband auf die Notwendigkeit der Nähe zur Bundespolitik verwiesen; in die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn war eine Reise von Frankfurt aus kürzer.

          Geblieben sind Frankfurt außer dem Olympischen Komitee, das 2003 allerdings auch über einen Umzug nachgedacht hatte, die Verbände der chemischen Industrie, der Elektrotechnik- und Elektroindustrie sowie des Maschinen- und Anlagenbaus. Diese Organisationen verweisen darauf, dass Frankfurt für die Besucher, die aus ganz Deutschland kämen, einfacher erreichbar sei. Unabhängig von der Frage, ob Berlin oder Frankfurt als Sitz besser geeignet ist, unterhalten die meisten Verbände längst auch eine Niederlassung in Brüssel.

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