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Nahe an der Vollbeschäftigung : Hessen hat geringe Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote in Hessen sinkt – der Fachkräftemängel intensiviert sich: Eine Chance für Langzeitarbeitslose? Bild: Picture-Alliance

Die Arbeitslosenquote in hessischen Landkreisen sinkt an immer mehr Orten unter vier Prozent. Das klingt gut, bringt jedoch auch wirtschaftliche Probleme mit sich.

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          Was vor dreizehn Jahren noch undenkbar schien, ist nun offenbar Wirklichkeit geworden – und womöglich bald ein Problem: Erstmals liegen die Arbeitslosenquoten in 14 der 26 hessischen Landkreise und kreisfreien Städte unter vier Prozent. Vor zwölf Monaten waren es nur acht gewesen. Landesweit waren im September 148 300 Menschen arbeitslos gemeldet, das entspricht einer Quote von 4,4 Prozent aller Erwerbstätigen.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          2005 waren es noch knapp zehn Prozent. Die Marke von vier Prozent hat einen gewissen Symbolwert, da viele Ökonomen dann von Vollbeschäftigung sprechen – wobei einige Volkswirtschaftler sie auch erst bei drei Prozent erreicht sehen, andere wiederum schon bei fünf Prozent. Bei Vollbeschäftigung hat nahezu die gesamte erwerbsfähige Bevölkerung eine Stelle. Null Prozent zu erreichen gilt als unmöglich, da es stets Menschen gibt, bei denen der Übergang von einem alten zum neuen Job nicht nahtlos erfolgt, oder weil es zu Schwankungen wegen saisonaler Beschäftigungen kommt, etwa im Bau, in der Landwirtschaft und im Gastgewerbe.

          Eine Vollbeschäftigung führt jedoch teilweise dazu, dass es Firmen immer schlechter gelingt, freie Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen. Aufträge können dann nicht oder erst später bearbeitet werden. Allerdings ist diese Gefahr für die gesamte Wirtschaft noch vergleichsweise gering: Die Unterbeschäftigtenquote ist zwar so tief wie noch nie, aber mit 6,2 Prozent noch deutlich über der Vier-Prozent-Marke. Als „unterbeschäftigt“ gelten aktuell 212.300 Hessen. Dazu zählen neben den Arbeitslosen auch jene, die gerade eine Weiterbildung oder ein Jobtraining machen, sowie Personen, die sich krankgemeldet haben.

          Chance für Langzeit-Arbeitslose?

          Bei der hessischen Arbeitsagentur sind derzeit 58 900 offene Stellen gemeldet Diese Zahl gebe den Bewerbermangel aber unzureichend wieder, sagte gestern Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. „Mehr als die Hälfte der offenen Stellen werden über Internet- und Zeitungsannoncen oder persönliche Kontakte besetzt.“

          Tatsächlich könnten 120.000 Arbeitsplätze in Hessen derzeit nicht besetzt werden. Pollert rief Langzeitarbeitslose dazu auf, „jetzt die Gelegenheit beim Schopfe zu packen“ und sich stärker anzustrengen, eine Beschäftigung zu finden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund nutzte die aktuelle Statistik, um die sogenannte sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen zu kritisieren und ihre Abschaffung zu fordern – wobei diese am stärksten im öffentlichen Dienst und im Hochschulsektor anzutreffen ist.

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