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Zur IAA in Frankfurt : Viel Feind, viel Reichweite

Testlauf: An Anlass der IAA will die Autobranche auch mit Autokritikern reden Bild: EPA

Die angekündigten Proteste belegen, wie relevant die IAA in Frankfurt ist. Umweltverbände können nur damit rechnen, viele zu mobilisieren, weil sie die Schau für bedeutender halten als irgendwelche Online-Kampagnen.

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          Verräterisch sind bei Rednern oft jene Momente, in denen sie von ihren wochenlang vorbereiteten und mit Experten abgestimmten Skripten abweichen. „Dafür braucht man nicht nach Las Vegas“, entfuhr es gerade etwa Bernhard Mattes, dem Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), als er das Programm der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt vorstellte. Oder auch: Entscheidend sei doch nicht die Zahl der Aussteller, sondern dass „wieder viele aus dem Ausland kommen“.

          Der oberste Repräsentant der Autolobby hat offenbar das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Denn dem IAA-Veranstalter wird derzeit kräftig zugesetzt: Von eigenen Mitgliedern und von jenen Umweltbewegten, für die eine Weltmesse mit Konzern-Selbstdarstellung, Autokonsumenten-Gedränge und Kanzlerinnen-Besuch ein lohnendes Angriffsziel zu sein scheint. Beide bedrohen die Zukunft der IAA in Frankfurt.

          Debatte im fernen Berlin besänftigen

          Dass der Verband geglaubt hatte, die Umweltaktivisten mit einer Debatte im fernen Berlin zu besänftigen, ließ an seinen PR-Fähigkeiten zweifeln. Es spricht für ihn, dass er seinen Fehler korrigiert und nun eine weitere Diskussion in Frankfurt plant – auch wenn er die Kritiker vom Messegelände fernhalten will und obwohl Verbandspräsident Mattes von der IAA behauptet, es werde dort einen „offenen Dialog mit zum Teil provokanten Fragen und Teilnehmern“ geben.

          Weitaus gefährlicher als ein paar hoffentlich friedliche Demonstrationen ist für den Messestandort Frankfurt die Kritik der Verbandsmitglieder. Sie zahlen letztlich die Standgebühren, investieren in millionenteure Auftritte, locken Hunderttausende Käufer und Zehntausende Fachbesucher an. Die Autohersteller rütteln am Grundkonzept solch einer riesigen, alle zwei Jahre ausgetragenen Motorschau. Sie bezweifeln, dass es tatsächlich noch nötig ist, teure Präsenz in Frankfurt zu zeigen, während Internetmarketing scheinbar effizienter die Zielgruppen erreicht. Und sie fragen sich, ob Frankfurt noch mithalten kann mit Autoausstellungen in Detroit, Tokio, Genf oder Technikmessen in Barcelona und eben Las Vegas.

          Gerade die angekündigten Proteste der Autokritiker aber belegen, wie relevant die IAA in Frankfurt ist. Umweltverbände können nur damit rechnen, viele Demonstrierende zu mobilisieren, weil sie diese Motorschau an einem zentralen Ort für bedeutender halten als irgendwelche Online-Kampagnen. Viel Feind, viel Ehr, sagte man dazu in weitaus kriegerischeren Zeiten. Ins Heute übersetzt heißt das: große Gegner, große Reichweite.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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