https://www.faz.net/-gzg-y7wd

Versicherungen und Naturereignisse : Keine Ruhe nach dem Sturm

Nicht zu übersehen: Die Sparkassenversicherung an der Bahnhofstraße in Wiesbaden. Bild: Marcus Kaufhold

Naturereignisse bringen die Sparkassenversicherung in Wallung. Dann nimmt zusätzliches Personal die Schadensmeldungen entgegen.

          2 Min.

          Wenn der Wetterdienst einen größeren Sturm ankündigt, ist man bei der Sparkassenversicherung gleich doppelt alarmiert. Denn sobald der Wind die Pfannen von den Dächern fegt, erhöht sich nicht nur die Schadensquote der Jahresbilanz. Auch die Zahl der Kunden, die ihre Ansprüche geltend machen, steigt plötzlich sprunghaft. Damit deren Anrufe nicht in einer Warteschleife enden, sind in den Tagen nach solchen Naturereignissen sehr viel mehr Telefone mit Gesprächspartnern besetzt als sonst.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Mit solchen Ideen glaubt Stefan Korbach so etwas wie die Quadratur des Kreises geschafft zu haben. Seit mehr als fünf Jahren ist er im Vorstand der Sparkassenversicherung für den Kundenservice verantwortlich. Am Dienstag zeigte er sich bei der Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2010 sehr zufrieden: „Wir haben den Service verbessert und gleichzeitig unsere Kosten gesenkt.“

          332 Mitarbeiter an sechs Standorten

          Das Geheimnis des Erfolges besteht den Schilderungen zufolge in der Arbeitsteilung. Die Experten in den einzelnen Sparten können sich ungestört ihren inhaltlichen Aufgaben widmen, während ihre Kollegen ausschließlich für den Kontakt mit den Kunden zuständig sind. Dass die Anrufer auf Befragen Bestnoten vergäben, unterstreicht der Vorstandschef Wolff von der Sahl. Im Call-Center sprächen sie nämlich nicht etwa mit ungelernten Kräften, sondern mit versierten Versicherungskaufleuten.

          In Korbachs Ressort sind 332 Mitarbeiter beschäftigt. Dass sie sich auf sechs Standorte verteilen, liegt an der besonderen Struktur des Unternehmens. Es entstand im Jahr 2004 aus der Fusion der Sparkassenversicherer in Baden-Württemberg, Thüringen, Teilen von Rheinland-Pfalz und Hessen.

          Bei weitem größter Gebäudeversicherer

          Während Stuttgart zum Hauptsitz erkoren wurde, bekam Hessen als Trostpreis die bei weitem größte Niederlassung und einen Sonderstatus, den Korbach verkörpert. Als Vorstandsmitglied für den Kundenservice hat er ein Büro in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Als Hesse residiert er in Wiesbaden.

          Das Domizil an der Bahnhofstraße wurde schon 2009 für etwa 30 Millionen Euro saniert. Weitere zehn Millionen flossen in die benachbarte Immobilie. Sie gehört ebenfalls der Sparkassenversicherung und macht mit seiner dunkelroten Fassade seit ein paar Monaten im Stadtbild auf sich aufmerksam. Gegenwärtig rücken die Mieter an. Hinter den großen Schaufenstern im Erdgeschoss richtet sich ein Küchenausstatter ein. In den Büros der oberen Geschosse eröffnet demnächst eine größere Anwaltskanzlei. Nach Korbachs Angaben waren in Wiesbaden im vergangenen Jahr 647 Mitarbeiter beschäftigt, einer mehr als 2009. Mit einem Marktanteil von zwei Dritteln sei die Sparkassenversicherung nach wie vor der bei weitem größte Gebäudeversicherer in Hessen. Korbach lobte die Zusammenarbeit mit den Sparkassen. Deren Anteil an der Summe der abgeschlossenen Verträge sei deutlich gestiegen.

          Unwissenheit bei den Kunden

          Das ganze Unternehmen habe sein Neugeschäft um 16,2 Prozent gesteigert, berichtete Wolff. Die Schadenquote sei leicht auf 72,7 Prozent gesunken, obwohl im Februar der Orkan „Xynthia“ gewütet habe. Der Vorstandschef wies auf einen auch aus Sicht der Kunden fundamentalen Unterschied zwischen den Bedingungen in den Geschäftsgebieten Baden-Württemberg und Hessen hin: Als die Sparkassenversicherung in den frühen sechziger Jahren noch Monopolist gewesen sei, habe die Landesregierung in Stuttgart ihr vorgeschrieben, dass sie auch für Elementarschäden wie Sturm, Überschwemmungen und Erdbeben aufkommen müsse. Diese Leistung garantierten die Verträge der baden-württembergischen Kunden bis heute.

          In Hessen aber habe es solche Regelungen bis heute nie gegeben. Die meisten Kunden seien sich nicht darüber im Klaren, dass sie durch die Natur verursachte Elementarschäden selbst tragen müssten – wenn sie nicht eine Versicherung für solche Fälle abgeschlossen hätten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          CDU-Parteitag : Revolte abgesagt

          Annegret Kramp-Karrenbauer hält auf dem CDU-Parteitag keine Verteidigungsrede gegen ihre Kritiker, sie geht in die Offensive und stellt die Machtfrage. Und Friedrich Merz betont, die CDU sei „loyal zu unseren Vorsitzenden“.
          Guter Auftritt: Christine Lagarde während des European Banking Congress in der Frankfurter Alten Oper.

          Neue EZB-Präsidentin : Guter Start für Lagarde

          Nach acht Jahren Mario Draghi hat kürzlich Christine Lagarde die Führung in der Europäischen Zentralbank übernommen. Noch ist nicht klar, welchen Kurs sie inhaltlich verfolgen wird. Im Stil hat sie allerdings schon erste Zeichen gesetzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.