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Verkehr : Von Frankfurt aus schneller in Köln-Bonn als im Hunsrück

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Für Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet soll der frühere Regierungsflughafen Konrad Adenauer mit der neuen ICE-Anbindung eine Alternative zum Billigflieger-Airport Hahn werden. Das zumindest hoffen die Flughafenbetreiber in Köln.

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          Eigentlich sollte der Bundeskanzler kommen, wenn am Samstag am Flughafen Köln-Bonn mit einer großen Party der neue ICE-Bahnhof von Stararchitekt Helmut Jahn eröffnet wird. Doch weil Gerhard Schröder wegen der Beerdigung von Ronald Reagan in Amerika weilt, müssen die Kölner mit Verkehrsminister Manfred Stolpe vorliebnehmen. Für Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet soll der frühere Regierungsflughafen Konrad Adenauer mit der neuen ICE-Anbindung eine Alternative zum Billigflieger-Airport Hahn werden. Das zumindest hoffen die Flughafenbetreiber in Köln. Mit der neuen ICE-Anbindung kann man Köln-Bonn vom Frankfurter Hauptbahnhof aus in einer Stunde und 16 Minuten erreichen. "Wir sprechen auch vom Halven Hahn", witzelt Walter Römer, der Pressesprecher des Flughafens: Die Kölner Bezeichnung für eine Lokalspezialität, ein Brötchen mit Käse, werde auf die Anreisezeit von Frankfurt zum Kölner Flughafen übertragen, die angeblich nur noch gut halb so lang sei wie die mit dem Bus nach Hahn.

          Doch es gibt einen Wermutstropfen: Die Bahn hat entschieden, zunächst nur einen direkten ICE-Zug am Tag in jeder Richtung zwischen Frankfurt und dem Kölner Flughafen anzubieten. Und beide fahren auch noch zu mehr als ungünstigen Zeiten, nämlich um 23.20 Uhr ab Köln-Bonn und um 19.26 Uhr ab Frankfurt. Das soll aber von Dezember an etwas besser werden, dann sollen alle zwei Stunden ICE-Züge von Köln Richtung Süden fahren - von denen aber wiederum nur ein vergleichsweise kleiner Teil am Frankfurter Hauptbahnhof halten dürfte. Jetzt von Samstag an gibt es aber diverse Möglichkeiten, mit einmaligem Umsteigen von Frankfurt zum Flughafen Köln-Bonn zu fahren. Die wohl günstigste ist die Fahrt mit dem ICE von Frankfurt zum Kölner Hauptbahnhof und von dort weiter mit der S-Bahn zum Flughafen. Das dauert etwa eine Stunde und 35 Minuten. Etwas schneller geht es, wenn man mit dem ICE nur bis zum Bahnhof Bonn-Siegburg fährt und von dort aus mit der S-Bahn zum Flughafen. Diese Variante hat allerdings den Nachteil, daß man in Troisdorf noch einmal umsteigen muß, von der S 12 auf die S 13, weil eine durchgehende S-Bahn-Trasse zwar geplant, aber noch nicht gebaut ist.

          Die ICE-Fahrkarte für die Direktverbindung kostet hin und zurück in der 1. Klasse 158 Euro, in der 2. Klasse 104 Euro. Wer mindestens drei Tage im voraus bucht und einen der begehrten Plätze im Programm "Sparpreis 50" bekommt, kann in der 2. Klasse für 52 Euro hin- und zurückfahren. Dasselbe gilt für Inhaber der Bahncard 50. Wer eine Bahncard 25 hat oder einen Sitzplatz mit "Sparpreis 25", zahlt 78 Euro.

          Der Flughafen Köln-Bonn sieht sich bei den Billigfliegern inzwischen als Nummer 2 in Europa nach London-Stansted. 2003 ist die Passagierzahl um 43 Prozent auf 7,84 Millionen gestiegen. Die Hälfte davon entfiel auf Billigflieger, die andere auf Lufthansa-Linienverbindungen und Charterflüge der traditionellen Ferienflieger. "Am Anfang hatte Hahn mit Ryanair in Deutschland ja praktisch ein Monopol und die halbe Republik als Einzugsgebiet", sagt Römer. Von Köln aus flogen zuerst vor allem Germanwings und die Hapag-Lloyd-Tochter HLX. Heute nimmt außerdem die wohl größte Ryanair-Konkurrenz Easyjet den Betrieb in Köln auf und fliegt Nottingham East Midlands in England an. Seit April bietet die polnische Linie Air Polonia dreimal die Woche Flüge von Köln nach Kattowitz an. Die Air Baltic fliegt von 49 Euro an nach Vilnius in Litauen. Und die DBA, früher Deutsche British Airways, bietet ein Mischprogramm aus Billigfluglinie und Linienflügen an. Inzwischen verfüge Köln-Bonn über 55 fast tägliche Verbindungen im "Low-cost-Bereich", sagt Römer.

          Auch der Flughafen Hahn hat einen gewaltigen Aufschwung genommen, in erster Linie durch Ryanair. Diese Fluggesellschaft sowie Air Polonia, Amadeus Flugdienst und Volareweb.com fliegen zusammen 26 Ziele in zwölf Ländern an. Mit 2,4 Millionen Passagieren im vergangenen Jahr bleibt er jedoch weit hinter Köln-Bonn zurück. Das größte Manko des Airports im Hunsrück ist die schlechtere Verkehrsanbindung. Egal, ob man mit dem Auto oder mit dem Omnibus fährt - weite Teile der Fahrt führen über Landstraßen.

          Zwar fährt der Bus vom Frankfurter Hauptbahnhof aus durch, doch werden gerade einmal 14 Fahrten angeboten je Tag angeboten. Eindreiviertelstunde dauert die Fahrt. Das ist länger als die Verbindung mit dem Zug nach Köln-Bonn, wenn man eine gute Verbindung bekommt; doppelt so lange, wie man dort meint, dauert es immerhin nicht. Immerhin ist der Bus deutlich billiger als das Bahnticket nach Köln-Bonn: Für die einfache Fahrt zum Hahn werden lediglich zwölf Euro fällig. Auf der Schiene ginge es sicherlich schneller. Doch die Pläne der Landesregierungen für eine solche Verbindung kommen nicht voran. Die Deutsche Bahn AG hält die Reaktivierung einer Güterzugstrecke für nicht rentabel, geschweige denn den Bau einer ganz neuen, geradlinigen Verbindung. CHRISTIAN SIEDENBIEDEL/MANFRED KÖHLER

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