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Kampf um Handelstarif : Verdi versucht es bei Amazon unverdrossen mit Streiks

Dauerstreit um Tarifvertrag: Streik bei Amazon in Bad Hersfeld Bild: dpa

Seit Mitternacht streiken wieder Mitarbeiter von Amazon in Bad Hersfeld. Der Ausstand reiht sich an die ungezählten Aktionen, mit denen die Gewerkschaft für den Handelstarif kämpft - mittlerweile im siebten Jahr.

          Wieder einmal streiken Mitarbeiter des Versandhandels-Riesen Amazon in Bad Hersfeld für einen Tarifvertrag. Die Gewerkschafter haben darin Übung. Denn der Tarifstreit befindet sich mittlerweile im siebten Jahr. Es dürfte mithin einer der längsten seiner Art überhaupt hierzulande sein.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf: Wird es das sprichwörtliche verflixte siebte Jahr für Verdi bei Amazon oder kann die Gewerkschaft ihr Ziel doch noch erreichen? Verdi will Amazon zu Lohnerhöhungen und vor allem in den Handelstarif drängen.

          Ziel: Gleiche Wettbewerbsbedingungen

          Die Streiks haben mit Beginn der Nachtschicht eingesetzt. „Der Ausstand wird über alle Schichten bis Dienstagnacht fortgesetzt“, hat Verdi angekündigt. Die Gewerkschaft rufe im Rahmen der laufenden Tarifrunde des Einzel- und Versandhandels Hessen auch Beschäftigte in nicht tarifgebundenen Unternehmen wie eben Amazon Bad Hersfeld zu Aktionen.

          Dabei geht es aber nicht um nur eine Lohnerhöhung. Verdi hat Grundsätzliches im Sinn: Die Gewerkschafter wollen für die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen Druck machen. Landesfachbereichsleiter Bernhard Schiederig erklärte im Gespräch mit FAZ.NET den Grund. Verdi wolle im Handel gleiche Wettbewerbsbedingungen sicherstellen. Dies gelte sowohl für den Wettbewerb zwischen stationären Händlern und Online-Händler als auch jenen, den sich reine Internetfirmen wechselseitig machten.

          „Alles wird teurer – Wir auch!“

          Schiederig verwies auf die zunehmende Tarifflucht. So nennen Gewerkschafter den Abschied von Unternehmen aus einem Flächentarifvertrag. Zuletzt sei Kaufhof mit seinen Warenhäusern aus dem Flächentarif ausgestiegen und fahre sie ohne Tarifbindung. Ziel sei, Arbeit immer billiger sicherstellen zu können. Dagegen hält Verdi das Motto: „Alles wird teurer – Wir auch!“

          Die für Amazon zuständige Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke meint: „Amazon ist ständig bestrebt, unproduktive Zeiten zu minimieren, für den einzelnen Mitarbeiter bedeutet das mehr Druck und Leistungsverdichtung.“ Der Konzern zahle weniger als von Verdi gefordert. Allerdings habe er In den vergangenen Jahren „Lohnerhöhungen gewährt, die sich an den an den Tarifsteigerungen im Einzelhandel orientiert haben“.

          Amazon verweist auf Aktien

          Amazon sieht sich auch ohne Tarifbindung als verantwortungsvollen Arbeitgeber an. „In Bad Hersfeld beginnen die Mitarbeiter mit einem Lohn von umgerechnet 11,18 Euro brutto pro Stunde. Nach 24 Monaten sind es in Bad Hersfeld im Durchschnitt 2.266 Euro brutto im Monat, inklusive leistungsbezogener Boni und Jahressonderzahlung“, heißt es. Mitarbeiter könnten auch über Aktien und Zusatzleistungen wie Sonderzahlungen für Überstunden, betrieblicher Altersvorsorge und einem Aufsteiger-Programm profitieren.

          Dem hält Gewerkschafterin Middeke entgegen, ein Kommissionierer als typischer Mitarbeiter eines Logistikzentrums bekomme nach Handels-Tarif 2278 Euro im Monat brutto.Der Stundenlohn belaufe sich auf 13,98 Euro. Hinzu komme ein Weihnachtsgeld in Höhe von 62,5 Prozent des jeweiligen Novemberlohns sowie ein Urlaubsgeld von 1290 Euro.

          Für diesen Dienstag hat Verdi eine Demonstration in der Bad Hersfelder Innenstadt angekündigt. Und während einer Kundgebung will Schiederig zu den streikenden Beschäftigten sprechen. „Wir wollen an der Tarifbindung festhalten“, hebt er hervor.

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