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Veranstalter in der Krise : „Die Insolvenzen nehmen zu, und es gibt schon Suizide“

Hybride „Pfade in die Zukunft“: Eindrücke von der Luminale 2020 in der Frankfurter St. Katharinenkirche (März 2020) Bild: Francois Klein

In der Corona-Krise gibt es immer noch kein Aufatmen für die Messe-, Kongress- und Kreativbranche. Veranstalter in Wiesbaden setzen nun auf hybride Angebote – auch für die Zukunft.

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          Die Lage der Veranstaltungswirtschaft ist ernst. „Die Insolvenzen nehmen zu, und es gibt schon Selbstmorde“, sagte Helmut Bien vor der Eröffnung eines „Gipfeltreffens“ mit Vertretern der Messe-, Kongress- und Kreativbranche. Bien, der unter anderem als Macher des Lichtfestivals Luminale in Frankfurt bekannt ist, hat die zweitägige virtuelle Tagung zusammen mit der Stadt und dem Kongresszentrum Wiesbaden organisiert und deklariert sie als „Antidepressivum“ für die Branche. Denn das Treffen will vor allem eines: „Pfade in die Zukunft“ weisen, wie es im Subtitel heißt.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Zukunft werde auch in diesem Feld deutlich digitaler werden, ist man sich im Kreis der Organisatoren einig. „Es wird keinen internationalen Kongress mehr ohne virtuelle Begleitung geben“, sagte Wiesbadens Wirtschaftsdezernent Oliver Franz. Der CDU-Politiker, der gleichzeitig Gesundheitsdezernent ist, sprach von einer „Zeit zwischen den Pandemien“ und einer Normalität, die anders werde. Dafür gelte es, Konzepte zu finden, denn die Bedeutung der Veranstaltungen für die Stadt sei hoch, und das nicht nur, weil Wiesbaden hohe Summen in sein neues Kongresszentrum investiert habe und der einzige Publikumsmagnet seit einem Jahr dort das Impfzentrum sei. Sondern vor allem, weil das Tagungs- und Kongressgeschäft nach einer Studie 51 Millionen Euro in Hotels, Gastronomie und Einzelhandel der Stadt bringe und damit 900 Jobs sichere.

          Schon deshalb sei es essentiell, dass solche Veranstaltungen wieder stattfinden könnten, sagte Franz. Dass dies trotz der von vielen vorgelegten Hygienekonzepte vorläufig noch nicht möglich sein werde, ist seiner Ansicht nach unausweichlich. Man könne schließlich im Fall einer Infektion beispielsweise nicht 1000 Theaterbesucher und all deren Kontakte aus der Woche zuvor nachverfolgen. „Dafür bräuchte man ganze Bataillone“, sagte er, das sei bei einem Friseur nun einmal leichter.

          „Digitalisierung eröffnet uns Reichweiten“

          Wenig Hoffnung darauf, bald wieder Konzerte, Bälle, Kongresse und Messen veranstalten zu können, machte auch Philipp Nimmermann (Die Grünen) dem Auditorium von mehr als 400 virtuellen Teilnehmern – jedenfalls nicht vor Ende des Sommers. In Vertretung des hessischen Wirtschaftsministers versprach der Staatssekretär in seiner Eröffnungsrede aber, weiter intensiv nach Lösungen für die Branche zu suchen. Es sei unter anderem den Einlassungen der hessischen Landesregierung zu verdanken, dass die vielen kleinen Unternehmer und Selbständigen aus der Branche nun bei den Hilfen bessergestellt seien.

          In der Branche wünscht man sich vor allem mehr Planungssicherheit. Denn größere Veranstaltungen benötigten eine gewisse Vorlaufzeit, sagte Martin Michel, der als Chef der Wiesbaden Congress- und Marketing GmbH als Gastgeber und Leidtragender zugleich auftrat. So könne es auch nach dem Ende des Lockdowns nicht gleich wieder losgehen. Die Zeit aber müsse genutzt werden, um sich der Herausforderung der Digitalisierung zu stellen. Denn sie biete der Branche gute Chancen: „Digitalisierung eröffnet uns Reichweiten, von denen wir nur träumen konnten.“

          So könnten im Kongresszentrum beispielsweise 1000 Teilnehmer bei einer Veranstaltung zusammenkommen und alle Vorzüge der Präsenz genießen und gleichzeitig ein Vielfaches an Besuchern in Online-Formaten zugeschaltet werden. Das könne einen wertvollen Nebeneffekt haben: „Kongresse, die unseren Kapazitäten entwachsen waren, melden sich wieder zurück, weil sie unsere Atmosphäre und unseren Service schätzen und hier ihre verkleinerten Live-Veranstaltungen durchführen können, die sie ins Netz übertragen. Dafür haben wir die Kapazitäten und Kompetenzen aufgebaut“, sagte Michel. Die persönliche Begegnung aber bleibt nach Einschätzung aller Redner das entscheidende Plus analoger Veranstaltungen.

          Dem Kongress kann man auch am Freitag noch folgen unter www.wiesbaden.de


          Hilfe bei Suizidgedanken

          Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.

          Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

          Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
          Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

          Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

          Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

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