https://www.faz.net/-gzg-a6q4p

Unternehmer aus Rhein-Main : Autoren im Chefsessel

Der Gründer und Chef der Deutschen Familienversicherung Stefan Knoll hat schon mehrere Bücher geschrieben, dies hier ist sein jüngstes. Bild: Lucas Bäuml

Mehrere Unternehmer und Manager aus Rhein-Main haben 2020 eigene Bücher verfasst. Darin geht es viel um die Digitalisierung, das Verhältnis von Privatleben und Geschäft - und um Elefanten in Porzellanläden.

          4 Min.

          Zeit, ein Buch zu schreiben, hat eigentlich niemand, der ein Unternehmen führt, für Mitarbeiter verantwortlich ist, seinen Fokus auf den Kunden hat. Aber wer im Wirtschaftsleben seine Erfahrungen sammelt, wird nebenbei zum Experten oder Vordenker und hat etwas zu sagen. Wer die Neuerscheinungen des vergangenen Jahres durchforstet, findet darum im Buchhandel auch Namen, die er sonst aus der Wirtschaftsberichterstattung kennt: Marie Luise Wolff, Vorstandschefin des Darmstädter Energieversorgers Entega, Stefan Knoll, Gründer und Chef der Deutschen Familienversicherung, Michael Groß, Unternehmensberater und früherer Schwimmweltmeister, Günter Hinkel, langjähriger Geschäftsführer des Getränkeherstellers Hassia.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es sind mal dünne, mal dicke und immer schön analoge Bücher, in denen mehrheitlich ein Thema steckt: die Digitalisierung und was sie mit uns macht. Natürlich, es gibt kein Unternehmen, um welches dieser Wandel einen Bogen macht, er muss jene, die heute Entscheidungen für die Zukunft fällen, stark beschäftigen. Interessant ist der Schluss, zu dem die Chef-Autoren trotz ihrer sehr unterschiedlichen Blickwinkel allesamt kommen: Vergesst das Menschliche nicht und verlernt bloß das Denken nicht!

          So bezeichnet Entega-Chefin Wolff ihr Buch selbst als „Gewinnwarnung für das Digitale“, es ist ein Appell dagegen, die neuen Technologien und die großen Konzerne, die sie am besten beherrschen, über alles zu stellen; das Wirtschaften, aber auch das eigene Verhalten unkritisch auf ein System auszurichten, das nur wenigen und nicht wie versprochen der gesamten Welt Fortschritt und Wohlstand bringen werde. Ihre Skepsis zeigt sich auch in Ratschlägen wie „Beenden Sie die Macht des Smartphones“ und „Widmen Sie sich komplizierten Fragen“.

          Militärtaktik statt Managementmoden

          Im Buch „Das Beste kommt zum Schluss„, das Michael Groß mit seiner Frau Ilona, von Beruf Fitnesstrainerin und Coach, verfasst hat, liest sich das so: „Meine eigene Zeit frei planen„ oder „Nein zu sagen ist wichtiger denn je„. Dem Paar, das nach 30 Jahren Partnerschaft gezögert hat, gemeinsam ein Buch zu schreiben (der Vorschlag kam vom Verlag), will seinen Lesern einerseits Mut machen, das Lebensmaß auch mit 50 Jahren und älter als prallgefüllt zu erkennen, und gibt zugleich eine Anleitung, was es jenseits von Social Media, Whatsapp und Netflix zu erleben und zu erledigen gibt. „Man muss sich nicht freiwillig zum Roboter machen“, sagte Ilona Groß dazu einmal.

          Das würde Stefan Knoll im Leben nicht einfallen. Das jüngste Werk des Juristen, der in seinem Leben mehrere erfolgreiche Unternehmen aufgebaut hat, trägt seine Forderung gleich im Titel: „Denken und Führen in Zeiten der Digitalisierung“. Eines der Kapitel ist überschrieben mit „Warum man sich gerade in Zeiten der Digitalisierung des eigenen Verstandes bedienen sollte“. Knoll ist auch erfahrener Reserveoffizier und geschichtsinteressiert, weswegen er grundsätzlich lieber das alte Preußen als das Silicon Valley betrachtet - und vielen Managementmoden skeptisch gegenübersteht. Sein Führungsstil ist von der im Militär entwickelten Auftragstaktik abgeleitet: Man solle seinen Mitarbeitern nicht die Details vorgeben, wie eine Aufgabe zu erledigen ist. Chefsache sei allein das Abstecken der Handlungsgrenzen.

          Der Internet-Pionier Harald Summa dagegen, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Internetknotens De-Cix, ist der digitalen Welt naturgemäß positiv gegenüber eingestellt. Aber auch er glaubt nicht an das selbstverständlich Gute in Maschinen. Im „Digitalen Ökosystem“, so der Titel seines Buches, seien die wichtigste Ressource nicht Daten, das bleibe der Mensch. Der müsse etwas dafür tun, dass die Zukunft eine gute wird, dafür solle er sich mit diesen Fähigkeiten wappnen: Zuversicht, Voraussicht, Effizienz, Resilienz, Integrität, Agilität und Souveränität. Vieles von dem, was er niedergeschrieben hat, erzählt Summa, sei in Diskussionen mit Kollegen und Geschäftspartnern entstanden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimaaktivisten von Fridays for Future auf einer Demonstration im September in Frankfurt

          Hanks Welt : Mehr Diktatur wagen?

          Sollen wir unsere ordnungspolitischen Prinzipien über Bord werfen und den Klimawandel so autoritär bekämpfen wie die Pandemie?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.