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Unternehmenskultur : Längst nicht jede AG legt Manager-Gehälter offen

Jahresgehalt im Internet nachlesbar: Altana-Chef Schweickart Bild: Altana

Was der Chef der Bad Homburger Altana AG verdient, darf jeder wissen. Auch Flughafenbetreiber Fraport, Arzneimittelhersteller Stada und Chemiekonzern Celanese legen die Manager-Gehälter offen. Andere Aktiengesellschaften sind verschlossener.

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          Was der Chef verdient, darf bei der Altana AG in Bad Homburg jeder wissen. Nikolaus Schweickart läßt schon seit 2002 sein Jahressalär im Geschäftsbericht des Pharma- und Spezialchemiekonzerns und somit auch im Internet veröffentlichen. Dort steht auch, was seine drei Vorstandskollegen und die Mitglieder des Aufsichtsrats in Euro und Cent erhalten. Damit wird Altana dem Deutschen Corporate-Governance-Kodex gerecht, der unter Leitung des Aufsichtsratschefs von Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, erarbeitet worden ist. In diesem Regelwerk sind Leitlinien für eine gute Unternehmensführung enthalten. Unter anderem sieht der Kodex eben vor, Managergehälter freiwillig zu veröffentlichen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allerdings halten sich längst nicht alle der börsennotierten Unternehmen an diese Vorgabe. Nur knapp ein Drittel der im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne legt die Manager-Gehälter offen (F.A.Z. vom 3. August). Deshalb ist von einem Schweigepakt die Rede. Auch einige im Rhein-Main-Gebiet ansässige Unternehmen weisen nicht nach, was die einzelnen Vorstände überwiesen bekommen.

          Wall Street verlangt Offenlegung

          Die Spitze der Altana AG hat sich schon im Oktober 2002 zum Corporate-Governance-Kodex bekannt: „Dieses neue Regelwerk für börsennotierte Gesellschaften ist eine gute Grundlage, die Informationspolitik der Unternehmen internationalen Standards anzupassen und die Transparenz zu erhöhen“, hob Schweickart seinerzeit hervor und verwies darauf, daß das Unternehmen nicht nur im Dax, sondern auch an der New Yorker Börse an der Wall Street gelistet ist. Und folglich die Höhe der Bezüge veröffentlicht. Demnach hat der Vorstandschef im vergangenen Jahr 1,7 Millionen Euro verdient, Altana-Pharmavorstand Hans-Joachim Lohrisch 1,26 Millionen Euro, Finanzvorstand Hermann Küllmer eine Million Euro und der für die Chemiesparte verantwortliche Matthias Wolfgruber 700.000 Euro.

          Verheimlicht sein Salär ebenfalls nicht: Fraport-Chef Bender

          Mit der Linde AG ist ein anderes im Dax gelistetes Unternehmen verschlossener. Der in Wiesbaden ansässige Konzern teilt der Öffentlichkeit nicht mit, wer an der Spitze wieviel verdient. Linde beläßt es dabei, die Gesamtvergütung für die fünf Vorstandsmitglieder mit Wolfgang Reitzle an der Spitze zu nennen: 6,9 Millionen Euro bekam das Quintett nach Angaben eines Sprechers im vergangenen Jahr. „Damit liegen wir im Dax-Vergleich im unteren Drittel“, sagte der Sprecher dieser Zeitung.

          D.Logistics: Debatte überspitzt

          Er führte zwei Argumente an, nur die Gesamtvergütung zu publizieren: zum einen die Gesamtverantwortung des Vorstands, auf die auch BASF verweist, und zum zweiten die Möglichkeit, daß die Vergütung nivelliert werden könnte, falls sie für jeden Einzelnen genannt würde. Und anders als etwa bei Daimler-Chrysler, wo Mercedes-Mitarbeiter gerade auf Gehaltsbestandteile verzichten mußten, sei bei Linde eine höhere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich oder ähnliches kein Thema. Damit sei bei dem Autobauer eine klare Verbindung zur Corporate-Governance-Debatte gegeben, bei Linde indes nicht.

          Auch der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck in Darmstadt, D.Logistics in Hofheim und der Headset-Hersteller Ceotronics in Rödermark veröffentlichen die Bezüge der Konzernspitze nicht individuell. Bei dem Unternehmen wird die aktuelle Debatte in Deutschland als „überspitzt“ angesehen. Zu sagen, wer was verdiene, bringe „keinen starken Zusatznutzen für die Aktionäre“, meinte ein Sprecher.

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