https://www.faz.net/-gzg-9nvmg

Serviceware : Europameister aus dem Kinderzimmer

Beste Laune beim Börsengang 2018: Die beiden Serviceware-Gründer Harald Popp (links) und Dirk Martin. Bild: Serviceware

Ein Jahr nach dem Börsengang will das Bad Camberger Unternehmen Serviceware mit einer Plattform zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen noch schneller wachsen. Doch das bringt einige Schwierigkeiten mit sich.

          Wieso eigentlich Bad Camberg? Es ist ja nicht so, dass die 15.000-Einwohner-Gemeinde zwischen Frankfurt und Limburg eine echte Wirtschaftsmetropole wäre. Trotzdem will Dirk Martin mit seiner Firma Serviceware von Bad Camberg aus sein Geschäft nach ganz Europa ausdehnen. Dass das seit einem Jahr an der Börse notierte Unternehmen seinen Sitz dort hat, sei eher Zufall, erzählt Martin. Nicht, dass er es bereuen würde, schließlich liegt das Städtchen direkt an der Autobahn 3, ist damit sowohl von Frankfurt wie auch von Köln aus gut erreichbar, und der Gewerbesteuer-Hebesatz ist auch niedrig. Doch der Hauptgrund, warum Serviceware in Bad Camburg ansässig ist und nicht in Darmstadt (wo Martin studierte) oder Karlsruhe (wo Mitgründer Harald Popp studierte), ist viel banaler: „Dort konnten wir mein Kinderzimmer als Büro nutzen.“

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Geschichte von Martins Kinderzimmer ist eine jener Gründerstorys, die man sich gerne erzählt, auch noch Jahre später: Man denke nur an die Garage, in der Apple gegründet wurde. Mit Apple sollte man Serviceware zwar nicht vergleichen, das wäre vermessen. Und doch hat der Börsengang die Firma in eine andere Liga katapultiert, findet Martin.

          Das Geschäftsmodell der Serviceware SE lässt sich mit Hilfe eines Kunden gut erklären. Dabei geht es um eine Immobiliengesellschaft, die 30.000 Wohnungen besitzt und täglich mit Hunderten von Mails und Anrufen von Mietern umgehen muss. Früher wurde jeder Auftrag einzeln abgewickelt, mit Zettelchen, ohne fest vorgeschriebenen Prozess, und die entstandenen Kosten wurden in Excel-Listen eingetragen. Serviceware verkauft sogenannte Enterprise-Service-Management-Software, was so viel heißt wie: Die Bad Camberger haben eine Plattform entwickelt, in der solche Prozesse digital gesteuert, vereinheitlicht und abgerechnet werden.

          „Service wird immer wichtiger“

          „Service wird für Unternehmen immer wichtiger und stellt zunehmend einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz dar“, sagt Martin, der auch Vorsitzender des hessischen Verbandes der Familienunternehmer ist. Vor dem Hintergrund des Drucks, der durch die Digitalisierung in Unternehmen entstehe, lasse sich auf diese Weise nicht nur die Effizienz, sondern auch die Qualität von Serviceprozessen verbessern. Zudem sänken die Kosten.

          Dass die Nachfrage nach solchen Produkten wächst, wie Martin sagt, ist Fluch und Segen zugleich: Einerseits offenbart es das Wachstumspotential für Serviceware, andererseits ruft es Wettbewerber auf den Plan. In dieser Gemengelage ist auch die Entscheidung für den Börsengang entstanden. Denn obwohl die Firma schon zwei Jahrzehnte alt ist, spürten die Gründer, dass sie nun das Wachstum beschleunigen müssen. „Wenn wir dann nicht da sind, sind es andere.“ Es gelte, so schnell wie möglich Signifikanz und Größe zu erreichen, wie es Martin formuliert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.