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Serviceware : Europameister aus dem Kinderzimmer

60 Millionen Euro hat der Börsengang auf das Konto von Serviceware gespült. Mit dem Geld will sich das Unternehmen weiter ausbreiten, zunächst in Europa. In Großbritannien und Schweden wurden jüngst neue Tochtergesellschaften gegründet, in den Niederlanden und in Spanien ist man schon länger vertreten. „Wir konzentrieren uns zunächst auf Europa, weil der Markt noch nicht verteilt ist“, sagt Martin. „Und als Europameister zur Weltmeisterschaft zu fahren ist besser, als wenn man nur Deutscher Meister ist.“

10 bis 20 neue Kollegen pro Monat

An Selbstbewusstsein mangelt es den Gründern also nicht. Dabei eröffnet schnelles Wachstum viele neue Baustellen. Denn mit dem frischen Geld und neuen Zielen wächst zwangsläufig auch die Zahl der Mitarbeiter. Hatte das Unternehmen vor gut einem Jahr noch 285 Angestellte, sollen es Ende 2019 schon rund 500 sein. „Jeden Monat kommen zehn bis 20 neue Kollegen dazu“, berichtet Martin.

Ein solches Wachstum mag zwar gut klingen, ist für jede Organisation aber ein Kraftakt. Denn neue Kollegen müssen eingearbeitet werden und sollten zu der zuvor über Jahre hinweg gewachsenen Kultur passen. Deshalb investiert Serviceware eigenen Aussagen zufolge viel Zeit in die Auswahlgespräche. Und wenn die Beschäftigten da sind, werden sie von einem der beiden Gründer persönlich begrüßt. Die zehn Regeln für das Miteinander bei Serviceware, die den Kern der Kultur bilden, sind wichtiger Bestandteil der Begrüßung. Dazu gehört es, Fehler zu akzeptieren und sich stets als Dienstleister des Kunden zu verstehen. Zudem hat Serviceware den Anspruch, am Markt immer die Nummer eins zu sein.

Ob sich das auszahlt, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen. Bis dahin, so hofft die Führung des Unternehmens, soll sich der Aktienkurs erholt haben. Mit 24,51 Euro war Serviceware im April 2018 gestartet, am Freitag war das Papier, nach einem Zwischentief bei 15 Euro, noch 17,15 Euro wert. Martin ist nicht glücklich darüber, „es würde uns freuen, wenn es anders wäre.“ Die tägliche Arbeit und die langfristige Strategie jedoch beeinflusse das nicht.

Umsatz um 24,4 Prozent gestiegen

Zumal die Ergebnisse eigentlich gut sind. Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2017/2018, das am 30. November endete, um 24,4 Prozent auf 55,2 Millionen Euro. Zugleich ging jedoch der Gewinn vor Steuern deutlich zurück, von 5,4 auf 2,5 Millionen. Serviceware veröffentlichte für das jüngste Geschäftsjahr allerdings noch einen „bereinigten“ Vorsteuergewinn in Höhe von 3,8 Millionen, bei dem die Kosten des Börsengangs berücksichtigt wurden, bei dieser Rechnung fällt der Rückgang also weniger deutlich aus.

Das Unternehmen bleibt auf Wachstumskurs. Von Dezember bis Februar erhöhte sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,6 Millionen auf 16,4 Millionen Euro. Gerade erst hat Serviceware die Softwarefirma Cubus aus Baden-Württemberg übernommen. Neue Mitarbeiter sucht das Unternehmen derweil in ganz Europa, übrigens besonders gern am Standort Palma auf der Ferieninsel Mallorca. Was nach einem PR-Gag klingt, will Martin anders verstanden wissen. In Spanien finde man ambitionierte Talente, berichtet er. Und für Meetings sei die Stadt eben auch gut geeignet, schließlich sei sie gut erreichbar – Meerblick inklusive. Letzteres zumindest hat sie Bad Camberg voraus.

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