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Umzugspläne : Stadt nennt Ersatzstandorte für Radeberger

Blick in die Flaschenabfüllung bei Binding: Die Radeberger-Gruppe will ihren Standort an der Darmstädter Landstraße aufgeben und sucht nach Ersatz Bild: Frank Röth

Die Radeberger-Gruppe will ihren Standort an der Darmstädter Landstraße aufgeben. Jetzt hat die Stadt Frankfurt dem Unternehmen eine Liste von möglichen neuen Standorten vorgelegt. Drei Areale befinden sich im Westen der Stadt, ein weiteres am Bad Homburger Kreuz.

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          Die Stadt Frankfurt hat der Radeberger-Gruppe eine Liste von möglichen neuen Standorten im Stadtgebiet vorgelegt. Das hat eine Sprecherin des in Sachsenhausen ansässigen Getränkekonzerns gestern auf Anfrage bestätigt. Zur genauen Anzahl, der Lage der Areale und ihrer möglichen Eignung für das Unternehmen wollte sie keine Angaben machen. Nach Informationen dieser Zeitung befinden sich drei geeignete Standorte im Westen der Stadt, ein weiterer im Norden am Bad Homburger Kreuz.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Radeberger-Gruppe, zu der außer Radeberger Pilsener und Schöfferhofer unter anderen die Frankfurter Traditionsmarken Henninger und Binding zählen, will ihren Standort an der Darmstädter Landstraße aufgeben. Das Unternehmen befürchtet, dass die geplante Wohnbebauung auf dem benachbarten früheren Henninger-Areal zu Beschränkungen im Betrieb führen werde. Die künftigen Nachbarn, so die Befürchtung, könnten gegen die Lärmbelastung durch die Produktion und zahlreiche Lastwagen klagen. „Wir werden lauter, sollen aber leiser werden“, meint Geschäftsführer Ulrich Kallmeyer dazu. Er hatte Mitte Juli die Absicht geäußert, man wolle möglichst weiterhin in Frankfurt ansässig zu bleiben. Die Stadt hatte er aufgefordert, bei der Suche nach einem rund 15 Hektar großen Areal behilflich zu sein. „Ich erwarte, dass wir im August Resultate bekommen“, fügte er seinerzeit hinzu.

          Eine Logistikdrehscheibe für die gesamte Gruppe

          Der neue Standort soll nach den Vorstellungen Kallmeyers dreimal so groß sein wie derjenige in Sachsenhausen, weil Radeberger nicht nur eine Braustätte errichten will. Vielmehr plant der zur Bielefelder Oetker-Gruppe zählende Konzern auch ein Verwaltungsgebäude, eine Bier-Markenwelt und nicht zuletzt eine Logistikdrehscheibe für die gesamte Gruppe; derzeit nutzt Radeberger für seine in Frankfurt gebrauten Biere noch sein drei Hektar umfassendes Logistikzentrum in Maintal-Bischofsheim. Radeberger plant mit einer Investitionssumme von „brutto mehr als 100 Millionen Euro“

          Dem Vernehmen nach hat die Stadt fast ein Dutzend Standorte vorgeschlagen. Ein Areal, das die Anforderungen – gute Verkehrsanbindung, günstiger Preis – vollständig erfüllt, ist allerdings nicht dabei. Nach Informationen dieser Zeitung steht der Industriepark Höchst auf der Liste, und zwar mit einem Gelände südlich des Mains. Allerdings ist fraglich, ob Radeberger als Lebensmittelunternehmen die Nähe zu Chemiebetrieben und Arzneimittelherstellern als attraktiv empfindet. Da die Bier-Markenwelt öffentlich zugänglich sein soll, müsste das Brauereiareal zumindest teilweise aus dem stark gesicherten Industriepark herausgelöst werden. Grundsätzlich ist auf dem Gelände der ehemaligen Hoechst AG genug Platz für eine Großansiedlung wie die Radeberger-Zentrale. Nach Angaben des Industrieparkbetreibers sind noch etwa 50 Hektar frei. Allerdings stehen Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, zu der auch Brauereien zählen, bei Infraserv nach eigenen Angaben „nicht im Hauptfokus“. Vielmehr liebäugelt der Industrieparkbetreiber mit weiteren Betrieben aus der Pharma- und der Chemieindustrie sowie aus der Biotechnologie.

          Schlechte Verkehrsanbindung

          Als weiteres Areal hat die Stadt offenbar das Gewerbegebiet in Sossenheim zwischen dem Nordwestkreuz, dem Westkreuz und dem Eschborner Dreieck ins Spiel gebracht. Dort hat bisher IBM seinen Sitz. Wie zu hören ist, sind die Preisvorstellungen der Eigentümer allerdings sehr ambitioniert, obwohl die Entwicklung des Gewerbegebiets bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, wohl auch wegen der Nähe zu Eschborn.

          In Rödelheim befindet sich zwischen Eschborner Landstraße und Westerbachstraße eine weitere große Fläche, die frühere „Rödelheim Ordnance Facility“ der amerikanischen Streitkräfte. Die Fläche erfüllt mit ihrer Größe von 15 Hektar genau die Anforderungen von Radeberger. Allerdings ist das Areal schlecht an das Verkehrsnetz angebunden, obwohl es direkt an der Autobahn liegt. Schon Ende der neunziger Jahre war die Verlagerung der Großmarkthalle nach Rödelheim daran gescheitert, dass die Lärmbelastung der Bewohner des Stadtteils zu groß geworden wäre. Zudem ist der Boden zum Teil kontaminiert, da das Areal unter anderem von einer Druckerei genutzt wurde. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ein Teil der Fläche unter der Zwangsverwaltung einer Bank stehen soll.

          Weitere Areale auch im Osten des Stadtgebiets

          Als weiterer Standort kommt das Gewerbegebiet Am Martinszehnten am Bad Homburger Kreuz in Frage. Da die Stadt Eigentümerin der Flächen in Kalbach ist, kann sie in diesem Fall der Radeberger-Gruppe konkrete Angebote machen und muss sich nicht auf die Rolle des Vermittlers beschränken. Allerdings kann die Stadt hier keine zusammenhängende Fläche von 15 Hektar mehr anbieten. Radeberger müsste also einer Aufteilung seiner Anlagen zustimmen.

          Die genannten vier Standorte haben bei allen Einschränkungen den Vorteil, dass nicht erst Planungsrecht geschaffen werden müsste. Wie zu hören ist, schlägt das Planungsdezernat weitere Areale auch im Osten des Stadtgebiets vor, die jedoch bisher nicht als Gewerbeflächen ausgewiesen sind. Die Stadt muss dafür den Flächennutzungplan ändern lassen, wozu sie die Zustimmung des Planungsverbandes benötigt. Bis sie von Radeberger genutzt werden könnten, würde also mehr Zeit verstreichen.

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