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Umstellung zum 1. August : Dieses Mal wird es ernst mit Sepa

  • -Aktualisiert am

Zahlenkolonne: Für die meisten Bankkunden ist die 22 Stellen lange Iban-Nummer noch ungewohnt. Bild: dpa

Vom 1. August an müssen alle Vereine, Unternehmen und Gemeinden mit den langen Iban-Kontonummern arbeiten. Aufwand und Kosten sind groß, einen Zusatznutzen sehen viele noch immer nicht.

          3 Min.

          In Wiesbaden war man besonders flott. Sowohl die Wiesbadener Volksbank als auch die Nassauische Sparkasse sind schon seit einigen Wochen an den einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum angeschlossen. Unternehmen, Vereine und öffentlichen Behörden, die bei den beiden Kreditinstituten ihre Konten führen, können nun nur noch die neuen 22 Stellen langen Iban-Kontonummern benutzen. Wer dafür noch nicht die nötigen Vorkehrungen getroffen oder noch nicht seine Kunden und Mitglieder informiert hat, kann kein Geld mehr von ihnen bekommen. Aber natürlich versichern beide Häuser, dass die Umstellung bei keinem Kunden zu solchen Unpässlichkeiten geführt habe.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Offiziell ist erst der 1.August der Stichtag, zu dem Unternehmen, Vereine und öffentliche Kassen auf Sepa – so die gängige Abkürzung für den einheitlichen Zahlungsverkehr – umgestellt haben müssen. In 34 europäischen Ländern soll dann nach gleichem Muster bargeldlos gezahlt werden, was eine Überweisung von Idstein nach Italien so einfach machen soll wie eine innerhalb Frankfurts. Privatleute können noch bis 2016 mit ihrer herkömmlichen Kontonummer arbeiten. Wer vorher schon die Iban verwenden will, muss auch noch eine Übergangs-Bankleitzahl, den BIC, kennen.

          Eigentlich hatte die Single European Payment Area, wie Sepa in der Langform heißt, für Unternehmen und Vereine schon zum 1.Februar entstehen sollen. Doch der Ministerrat der EU verschob den Termin kurzfristig noch einmal um sechs Monate. Zu viele waren noch nicht bereit. Den Aufwand für die Umstellung der herkömmlichen Kontoverbindung aus Nummer und Bankleitzahl auf die neue Iban-Nummer hatten viele unterschätzt. Schließlich mussten dafür Anträge bei der Bundesbank gestellt und alle Geschäftspartner informiert werden. Viele Unternehmen und Vereine hatten sich lange gar nicht angesprochen gefühlt, weil sie selbst keine Zahlungseingänge aus dem Ausland haben.

          Die neuen Kontonummern und wie sie sich zusammensetzen
          Die neuen Kontonummern und wie sie sich zusammensetzen : Bild: F.A.Z.

          So schlug der hessische Sportbund noch im Januar Alarm, dass gerade einmal ein Drittel der 7500 hessischen Sportvereine bereit für das neue Zahlsystem sei. Kurz vor Toresschluss kamen die Banken dann kaum noch nach mit der Beratung, die Bundesbank musste Sonderschichten einlegen, um die vielen Anfragen abzuarbeiten. Diejenigen, die nicht rechtzeitig fertig gewesen wären, hätten vorerst keine Beiträge mehr einziehen können. Das Gleiche hätte für Unternehmen gegolten, die Zahlungen ihrer Kunden per Lastschrift einziehen – nicht schön, wenn plötzlich kein Geld mehr fließen kann.

          Die meisten Banken und Sparkassen aus der Rhein-Main-Region betonen zwar, dass ihre Kunden selbstredend zum 1.Februar sepabereit gewesen seien – nicht zuletzt, weil sie sie so gut informiert hätten. Doch Altfried Lütkenhaus etwa, Vorstandsmitglied der Frankfurter Sparkasse, hat vor zwei Wochen noch einmal appelliert: „Die letzten Unternehmen, die noch nicht umgestellt haben, sollten sich nun mit Hochdruck den notwendigen Umstellungsarbeiten widmen, sonst gefährden sie ab dem 1.August ihre Liquidität, wenn sie keine Lastschriften mehr einziehen können.“ Gleichwohl versicherte die Fraspa, dass sie mit diesen Kunden im Gespräch sei, um sie bei der rechtzeitigen Umstellung zu beraten. Dass längst nicht alle rechtzeitig fertig waren, zeigt auch eine gerade veröffentlichte Umfrage der Postbank. Jeder dritte Unternehmer gab darin zu, dass der Aufschub doch ganz sinnvoll gewesen sei. Sowohl den Zeitaufwand als auch die Kosten der Sepa-Umstellung hätten sie unterschätzt. Nur 67Prozent der Befragten hätten gesagt, dass sie es tatsächlich zum ursprünglichen Termin auch geschafft hätten, sagt Reiner Radermacher, Bereichsvorstand Geschäfts- und Firmenkunden bei der Postbank. In einer ähnlichen Umfrage der Commerzbank hatten allerdings 92 Prozent der Befragten angegeben, dass sie rechtzeitig fertig gewesen seien.

          Keine Katastrophen zu erwarten

          Die Wiesbadener Volksbank hat schon zum 1.Mai auf Sepa umgestellt. Vorstandsvorsitzender Matthias Hildner sagt, dass die Kundenberater zwischen Februar und Mai nur noch wenige Nachzügler „in die neue Welt“ herüberholen mussten. Inzwischen laufe alles reibungslos. Die Naspa hat Ende Juni den Wechsel vollzogen. „Seitdem läuft alles ohne Probleme auf Sepa“, sagt die Sprecherin.

          Auch die jüngsten Zahlen der Bundesbank sprechen dafür, dass zum 1. August keine Katastrophen zu erwarten sind. „Für die meisten Unternehmen, öffentliche Kassen und Vereine sind Sepa-Zahlungen inzwischen der Normalfall“, berichtete Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Bundesbank Ende Juni. Im Mai seien schon 90 Prozent der Überweisungen in Deutschland über das Sepa-System gelaufen. Bei Lastschriften habe die Quote 82 Prozent betragen. Anfang August erwarte er „möglicherweise noch ein kleines Rumpeln“, hatte Thiele gesagt.

          Sportvereine nutzen Sepa mehrheitlich schon

          Der Nutzen des neuen Zahlungssystems bleibt für die meisten Unternehmer allerdings nach wie vor nicht erkennbar. In der Umfrage der Commerzbank unter 5000 Firmen im Juni hatten 69 Prozent der Befragten angegeben, sie sähen keine Vorteile in der Neuerung. In der Postbank-Umfrage sah nur jedes sechste Unternehmen Vorteile durch Sepa. Dagegen beklagte jede dritte Firma Mehrarbeit, etwa in der Finanzbuchhaltung.

          Unabhängig vom Nutzen scheinen aber auch die meisten hessischen Sportvereine inzwischen bereit für das neue Zahlsystem. Die letzten besorgten Anrufe zu dem Thema lägen schon eine ganze Weile zurück, heißt es beim Sportbund. Und als der Dachverband kürzlich seinerseits die Mitgliedsbeiträge der Vereine eingezogen habe, habe keiner geklagt, dass er kein Geld mehr habe.

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