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Frankfurt-Griesheim : Trotz Insolvenz soll Einkaufszentrum kommen

Griesheimer Galerie im Rohbau Bild: W. Eilmes

Bisher steht nur ein Stahlbeton-Skelett. Aber die Arbeiten auf der City Galerie in Frankfurt-Griesheim sollen wieder anlaufen. Die Aufträge werden ohne Generalunternehmer vergeben.

          2 Min.

          Rossmann geduldet sich. Eigentlich wollte die drittgrößte Drogeriemarktkette in Deutschland noch vor Weihnachten im Einkaufszentrum an der Mainzer Landstraße in Frankfurt-Griesheim eine weitere zu den bislang gut 1260 Verkaufsstellen hinzufügen. Da aber bisher lediglich das Stahlbeton-Skelett des Zentrums das Entrée der Stadt an dieser Stelle ziert, ist dieser Zeitplan Makulatur, wie ein Sprecher des Unternehmen sagte. Die Expansionsabteilung des Drogeriefilialisten ist aber derart überzeugt vom Standort Frankfurt im allgemeinen und in Griesheim im besonderen, dass Rossmann auch ein halbes Jahr Verzögerung hinnimmt, wie der Sprecher sagte.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Zu den Verzögerungen beim Bau des Zentrums, das gelegentlich auch unter dem Namen City-Galerie Griesheim firmiert, ist es gekommen, weil der ursprüngliche Generalunternehmer Euro-Bau-AG aus Erfurt in die Insolvenz gegangen ist. Das Verfahren wurde Mitte Juni in Erfurt eröffnet, wie der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Andreas Schafft, sagt. Die Frage, warum das Unternehmen in die Schieflage geriet, ist derzeit Gegenstand eines Rechtstreits vor dem Frankfurter Landgericht.

          Stahlbeton-Skelett fertig

          Die Euro-Bau-AG wirft dem Geldgeber, der Luxemburger Investmentgesellschaft German Property 50 Sarl, vor, notwendige Bürgschaften nicht geleistet zu haben. Die Luxemburger bestreiten das und vertreten die Auffassung, dass das Erfurter Unternehmen das Projekt ohnedies nicht habe schultern können, wie Schafft weiter sagte. Deshalb habe man Klage beim Landgericht Frankfurt eingereicht. Über den Streitwert wollte der Insolvenzverwalter keine Angaben machen, das Gesamtvolumen des Projektes soll bei zehn Millionen Euro liegen.

          Simon Lawler von der Frankfurter Projekt-Management- und Beratungsfirma Lawler Riik GmbH, die das Projekt an der Mainzer Landstraße für die Luxemburger betreut, äußerte gestern auf Nachfrage, dass es keinen Generalunternehmer mehr gebe und die Aufträge direkt vergeben würden. Lawler kündigte an, dass das Zentrum im dritten Quartal nächsten Jahres fertiggestellt sei. Weitere Auskünfte wollte er gestern nicht geben.

          Eine der Firmen, die bei der Direktvergabe wieder zum Zuge kommen möchte, ist die auf Erd- und Aushubarbeiten spezialisierte Kern GmbH aus Langen, eine Tochter der Sehring Gruppe. Bauleiter Uwe Becker rechnet seinem Haus gute Chancen aus, weil Kern schon seit Oktober 2005 an dem Projekt mitarbeite, die Anforderungen also genau kenne. Sicher ist sich der Baufachmann jedenfalls, dass es ziemlich schnell gehen müsse, weil das fertige Stahlbeton-Skelett nicht allzu lange winterlichen Witterungsbedingungen ausgesetzt sein sollte.

          Turbulenzen um Generalunternehmer

          Die Verzögerungen, die sich durch den Wechsel in der Projektverantwortung ergeben haben, sind jedenfalls noch längst nicht so dramatisch, dass die Stadt Frankfurt einzugreifen hätte, wie Michael Kummer, Leiter der Bauaufsicht, gestern sagte. Bevor eine gültige Baugenehmigung erlösche, könne der Bauherr eine Baustelle bis zu einem Jahr ruhen lassen. Das aber treffe auf das Projekt nicht zu.

          Die Turbulenzen um den ehemaligen Generalunternehmer haben auch die anderen Mieter offenbar nicht von den Projekt abrücken lassen. „Wir wollen diesen Standort auf jeden Fall halten“, hob ein Sprecher von Edeka-Südwest hervor. Diese Entschlossenheit passt zu der strategischen Entscheidung der Gruppe, ihre Präsenz gerade im Rhein-Main-Gebiet deutlich zu verstärken. Die selbe Entschlossenheit findet sich schließlich auch beim Schuh-Filialisten Deichmann, der in dem Zentrum an der Mainzer Landstraße eine 550-Quadratmeter-Filiale eröffnen will.

          Takko und Ernstings Family dabei

          Der Standort sei von einer solchen Güte, dass man auch eine Verzögerung hinnehme. In jedem Fall gehen die Verantwortlichen bei Deichmann davon aus, dass das Zentrum weitergebaut wird. Die im Niedrigpreissegment angesiedelten Kleidungsanbieter Takko und Ernstings Family halten ebenso daran fest, Dependancen in dem Einkaufszentrum eröffnen zu wollen, wie Sprecher der beiden Unternehmen übereinstimmend mitteilten – sofern die Bauarbeiten demnächst weiter laufen.

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