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Trotz Pandemie : Condor fliegt wieder ohne Schutzschirm

Die finanzielle Schieflage ist überwunden: Condor kann den Schutzschirm wieder verlassen (Symbolbild). Bild: dpa

Nach einem turbulenten Jahr kann der Ferienflieger Condor das Schutzschirmverfahren wieder verlassen. Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben umfassend restrukturiert und durch ein striktes Kostensenkungs- und Effizienzprogramm neu aufgestellt.

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          Die Ferienfluggesellschaft Condor hat die finanzielle Schieflage überwunden und das Schutzschirmverfahren nach eigenem Bekunden „als gesundes Unternehmen“ verlassen. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. „Condor lässt mit dem heutigen Tag die wohl herausforderndste Zeit der Unternehmensgeschichte hinter sich und beginnt ein neues Kapitel“, sagte Airline-Chef Ralf Teckentrup.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Condor habe sich im Rahmen des Schutzschirmverfahrens umfassend restrukturiert und durch ein striktes Kostensenkungs- und Effizienzprogramm zukunftsfähig neu aufgestellt. Der Ferienflieger ist umgehend in eine günstigere Unternehmenszentrale nach Neu-Isenburg umgezogen. Mit allen Gewerkschaften hatte das Haus bereits vor Monaten Krisen-Tarifverträge und Vereinbarungen geschlossen, die Flexibilität und Effizienz ermöglichen, und gleichzeitig verantwortungsbewusst die Arbeitsplätze der rund 4200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bis mindestens Dezember nächsten Jahres sichern.

          Unverschuldet in Schieflage

          Die Fluggesellschaft stehe heute in der Pole Position, sobald der Tourismus wieder anläuft“, kommentierte Lucas Flöther, Sachwalter des Schutzschirmverfahrens von Condor, den Abschluss des Verfahrens. Condor sei das erste Unternehmen in der Luftfahrtbranche, das ein Schutzschirmverfahren so erfolgreich durchlaufen habe. Sämtliche Beteiligte hätten alles dafür getan, das Unternehmen zu retten.

          Zunächst hatte das unverschuldet in Schieflage geratene Unternehmen allerdings ein turbulentes Jahr zu überstehen. Im Januar schien die Ferienfluggesellschaft nach Monaten der Unsicherheit gerettet: Die polnische PGL, Mutter der Fluggesellschaft LOT, hatte einen Kaufvertrag unterschrieben. Mit dem Verkaufserlös sollte der Teil eines KfW-Kredits zurückgezahlt werden, den Condor nach der Pleite des britischen Mutterkonzerns Thomas Cook im Herbst brauchte, um über den umsatzschwächeren Winter zu kommen.

          Doch dann kam die Corona-Pandemie. Die polnische Gruppe weigerte sich, den Kauf zu vollziehen, weil die LOT selbst ins Trudeln geraten war. Und wieder mussten die Condorianer, die nicht weniger eng mit ihrer Airline verbunden sind als die Lufthanseaten mit der Kranichlinie, ums Überleben ihrer Fluggesellschaft bangen.
          Doch nach der Zustimmung der EU konnte Condor mit Hilfe zweier Kredite weiterfliegen und sich im Schutzschirmverfahren aus eigener Kraft wieder aus der wirtschaftlichen Notlage befreien.

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