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Tourismus : Mit Hannelore Elsner gegen die Krise

Hoffnung auf zusätzliche Touristen: Hannelore Elsner wirbt für Frankfurt Bild: F.A.Z. - Cornelia Sick

Mit Einfallsreichtum der Krise trotzen: Landauf, landab wirbt jetzt Hannelore Elsner für Reisen nach Frankfurt. Die Hotels können Unterstützung gebrauchen. Die Übernachtungszahlen sinken, die ersten melden Kurzarbeit.

          Das fällt dann dieser Tage doch unter den vielen Plakaten an Straßenkreuzungen auf: An 170 Stellen im Rhein-Main-Gebiet wirbt die Schauspielerin Hannelore Elsner für ein Wochenende in Frankfurt. Übernachtung im Fünf-Sterne-Haus „The Westin Grand“ an der Konstablerwache, dem früheren „Arabella Sheraton Grand Hotel“, Besuch im Tigerpalast, Ausflug mit einem Schiff der Primus-Linie und freie Fahrt mit Bahn und Bus – alles für 98 Euro pro Kopf. „Frankfurter Varieté-Nacht“ nennt sich das Angebot, für das sich die städtische Tourismus und Congress GmbH mit dem Theater von Johnny Klinke, der Hotelkette und noch allerhand weiteren Partnern verbündet hat. Ihr Ziel: mehr Privatreisende für einen Besuch in der Mainmetropole gewinnen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Dabei geht es nicht um Gäste aus der Region. Wer im Rhein-Main-Gebiet wohnt, muss schließlich nicht unbedingt im Hotel übernachten, wenn er sich die Jubiläumsschau des Tigerpalasts ansehen will. Schon seit Dezember hängen Plakate in allen deutschen Großstädten, und sie scheinen zu wirken. 650 dieser 98-Euro-Pakete wurden bereits verkauft, wie es beim Tigerpalast heißt. Und dabei kommt die heiße Phase jetzt erst. Denn das Sonderangebot gilt für Wochenenden von Ende Mai bis Ende Juni, und für Städtereisen entschieden sich die Leute in der Regel kurzfristig.

          Übernachtungszahlen drastisch gesunken

          In der Tourismus und Congress GmbH sind die Hoffnungen groß, mit solchen Paketen aus Übernachtung und kulturellem Angebot den Städtetourismus zu beleben. Für die Kombination mit dem Tigerpalast wird derzeit viel geworben, doch im Angebot der städtischen Gesellschaft ist zum Beispiel auch ein Paket mit einem Besuch in der Darwin-Ausstellung der Schirn. Besonders beliebt soll das Apfelwein-Wochenende sein, einschließlich Verkostung und Stadtrundfahrt mit dem Ebbelwei-Express. Zu tun ist in dieser Hinsicht genug. Denn mit 3,35 Millionen Übernachtungsgästen in Frankfurter Hotels konnte zwar im vergangenen Jahr ein Rekord erzielt werden – doch handelt es sich in der Mehrzahl nicht um Touristen, sondern um Geschäftsreisende. Auf 70 Prozent wird ihr Anteil bei der Tourismus und Congress GmbH geschätzt.

          Hier ist die Schauspielerin auf der Berlinale zu sehen

          Geschäftsreisen scheinen aber in schlechten Zeiten noch eher gestrichen zu werden als private Fahrten. So bekommen denn auch die Frankfurter Hotels die gegenwärtige Rezession längst deutlich zu spüren. Der Übernachtungsrekord 2008 konnte nur dank der überragenden ersten drei Quartale erzielt werden. Seit Oktober sinken die Zahlen drastisch. Im Dezember 2008 wurden 17,6 Prozent weniger Gäste gezählt als im Dezember 2007. Nach den Worten von Eberhard Singer, Chef des IB-Hotels an der Friedberger Warte und Vorsitzender der Hotel- und Gaststättenvereinigung Frankfurt, wurden im ersten Quartal 2009 die Zahlen vom vergangenen Jahr im Durchschnitt um 15 Prozent verfehlt. Das trifft, weil Geschäftsreisende gerne in teuren Hotels schlafen, die Adressen mit vier und fünf Sternen noch mehr als die einfacheren Häuser.

          So hat das Holiday Inn an der Isenburger Schneise in Sachsenhausen wie einige andere Häuser auch bereits Kurzarbeit angemeldet. „Wir haben kein Interesse, unseren Mitarbeiterstamm abzubauen“, sagt ein Sprecherin, die ausdrücklich von einer Interimslösung für die 90 Beschäftigten spricht.

          Eine Nacht in einem Frankfurter Hotel - auch für Frankfurter

          In den Chefetagen der Hotels wird genau beobachtet, wie sich die Frankfurter Wirtschaft entwickelt. Das Messegeschäft etwa gilt in diesem Jahr als Enttäuschung. „Wir hatten uns so auf dieses Jahr gefreut“, sagt der Verbandsvorsitzender Singer. Denn 2009 finden so viele Großveranstaltungen statt wie nur alle sechs Jahre einmal – denn zu den jährlichen Messen kommen noch die im zweijährigen Rhythmus veranstaltete Sanitär- und Heizungsmesse ISH und die ebenfalls nur alle zwei Jahre stattfindende Automobil-Ausstellung hinzu, außerdem die Chemietechnikmesse Achema, für die ein Drei-Jahre-Turnus gilt. Doch die Konsumgütermessen zu Jahresbeginn, Heimtextil, Paperworld und Ambiente, seien „gar nichts“ gewesen, sagt Singer. Die ISH sei zwar besser verlaufen, doch ebenfalls lange nicht so gut wie vor zwei oder vier Jahren.

          So unterstützt der Hotel- und Gaststättenverband die Bemühungen der Tourismus und Congress GmbH, verstärkt Touristen zu locken, um etwas unabhängiger von den Geschäftsreisenden zu werden. Singer freut sich zum Beispiel über die Aufwertung der Dippemess’. Und in der städtischen Gesellschaft wiederum hat man zufrieden registriert, dass sich sogar Bewohner der Mainmetropole dafür gewinnen lassen, eine Nacht in einem Frankfurter Hotel zu verbringen, wenn nur die Konditionen stimmen. Als im Sommer vergangenen Jahres gemeinsam mit dem Verein Cityforum pro Frankfurt unter dem Motto „Gast in der eigenen Stadt“ 1000 Übernachtungen in Luxushotels für je 40 Euro angeboten worden, brach unter der Nachfrage die Homepage zusammen. Binnen einer Stunde waren alle Betten vergeben.

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