https://www.faz.net/-gzg-9rhdd

Thomas Cook : Hessen bietet Condor Unterstützung an

  • Aktualisiert am

Ungewisse Zukunft: Wie soll es mit Condor weitergehen? Bild: EPA

Die Insolvenz von Thomas Cook gefährdet tausende Arbeitsplätze in Hessen. Die Tochtergesellschaft Condor hat beim Bund einen Kredit in Höhe von 200 Millionen Euro beantragt. Auch von der Landesregierung soll nun Hilfe kommen.

          2 Min.

          Die Insolvenz des britischen Thomas-Cook-Konzerns trifft auch die Rhein-Main-Region. Die deutsche Tochtergesellschaft hat ihren Sitz in Oberursel, dort sind 1300 Frauen und Männer beschäftigt. Insgesamt zählt die Deutschlandtochter 3000 Mitarbeiter.

          Der ebenfalls zum Konzern zählende Ferienflieger Condor wiederum hat seinen Sitz in Kelsterbach, die meisten Mitarbeiter arbeiten jedoch am Frankfurter Flughafen in Gateway Gardens. Das Unternehmen hat 4000 Beschäftigte.

          Von Condor waren am Morgen zunächst unterschiedliche Äußerungen zu hören. Zum einen hieß es, die Pleite der Muttergesellschaft treffe den Ferienflieger nicht, zum anderen bestätigte ein Sprecher, dass Condor bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit in Höhe von 200 Millionen Euro beantragt habe. Dies solle Liquiditätsengpässen vorbeugen, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

          Der Ferienflieger hält nach eigenen Angaben den Flugbetrieb aufrecht, „Condor fliegt weiter“, heißt es derzeit auf der Homepage. Condor bedient mit 58 Maschinen von Deutschland aus mehr als 80 Ziele weltweit. Die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, haben den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett eingestellt.

          Man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden, teilte Thomas Cook GmbH am Morgen in Oberursel bei Frankfurt mit. „Das Unternehmen lotet derzeit letzte Optionen aus“, hieß es weiter. Sollten diese Optionen scheitern, sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, auch für die Thomas Cook GmbH und weitere Gesellschaften Insolvenz zu beantragen.

          Trübe Stimmung in der deutschen Zentrale von Thomas Cook in Oberursel bei Frankfurt.

          Die hessische Landesregierung stellt dem in Bedrängnis geratenen Ferienflieger Condor finanzielle Hilfe in Aussicht. „Grundsätzlich sind wir offen, Condor bei der Überbrückung der aktuellen Krise zusammen mit dem Bund behilflich zu sein, etwa durch eine ergänzende Landesbürgschaft“, teilte die schwarz-grüne Landesregierung am Montag in Wiesbaden mit. Die Airline ist durch die Pleite ihrer Mutter, dem britischen Reisekonzern Thomas Cook, in Bedrängnis geraten.

          „Beide sind auch Opfer des Brexit“

          „Natürlich müssen wie bei jedem anderen Unternehmen auch die Voraussetzungen für eine staatliche Hilfe gegeben sein. Das prüfen wir schnellstmöglich, aber mit der gebotenen Sorgfalt“, erklärte die Landesregierung. Es gebe bereits Gespräche mit Condor und mit den zuständigen Stellen beim Bund. Bei den hessischen Ministerien Wirtschaft und Finanzen wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Prüfungen und Gespräche koordiniert.

          „Condor ist durch seine britische Mutter Thomas Cook in eine schwierige Lage gebracht worden. Beide sind auch Opfer des Brexit, der für Unsicherheiten bei Unternehmen wie seinen Kunden führt“, erklärte die Landesregierung mit Blick auf den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

          Die Condor Flugdienst GmbH hat ebenso wie die Lufthansa einen starken Frankfurt-Bezug. Condor startete hier zum Jungfernflug im März 1956. Das Ziel war Jerusalem. Heute unspektakulär, damals ein Abenteuer, denn die Vickers mit zwei 14-Zylinder-Sternmotoren hatte keine Druckkabine, man musste die Alpen also umfliegen. Wie besonders die Reise war, lässt sich am Preis ablesen: Sie kostete 2000 Mark für 14 Tage. Das durchschnittliche Jahresentgelt eines Vollzeitbeschäftigten lag Mitte der Fünfziger bei 4500 Mark.

          Weitere Themen

          Kleine „Josefstadt“ in Sicht

          Neuer Stadtteil für Frankfurt : Kleine „Josefstadt“ in Sicht

          Die Region vermeidet eine Abstimmung über den neuen Frankfurter Stadtteil an der Autobahn 5, ein Kompromissvorschlag wurde abgelehnt. Nun ist die Mainmetropole am Zug, sich gegebenenfalls auch gegen einen Regionalplan durchzusetzen.

          Weitere 40 Millionen Euro Investitionen in Klimaschutz

          Land Hessen : Weitere 40 Millionen Euro Investitionen in Klimaschutz

          Laut Umweltministerin Priska Hinz wird Hessen bis 2023 zusätzlich 40 Millionen Euro in den Klimaschutz investieren, da das Klimapaket der Bundesregierung voraussichtlich nicht ausreichen wird. Für die Umsetzung sind unterschiedliche Maßnahmen vorgesehen.

          Topmeldungen

          In eine neue Zukunft? Das neue SPD-Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

          Neue SPD-Spitze : Zwei Neulinge, viele Helfer

          Die SPD hat eine koalitionskritische Hinterbänklerin und einen Polit-Pensionär an die Spitze gewählt. Aber der Rest der Führung besteht aus Parteiprofis, die überwiegend regieren wollen. Wer sind sie? Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.