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Textilfarbenhersteller : Übernahme von Dystar vor Abschluss

Soll für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag verkauft werden: Dystar mit Sitz in Frankfurt Bild: Frank Röth

Der Wettlauf um die Übernahme des insolventen Frankfurter Textilfarbenherstellers Dystar scheint entschieden zu sein. Wenn der indische Bieter Kiri Dyes den Kaufbetrag an diesem Montag überwiesen haben sollte, „ist das Thema erledigt“, heißt es.

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          Der Wettlauf um die Übernahme des insolventen Frankfurter Textilfarbenherstellers Dystar scheint entschieden zu sein. Und zwar zugunsten der Kiri Dyes and Chemicals Ltd. aus Indien: „Wenn Kiri gezahlt hat, ist das Thema erledigt“, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Rhein-Main-Zeitung. In diesem Fall wäre der chinesische Textilfarbenhersteller Hubai Chuyuan aus dem Rennen. Dies bestätigte Hubai-Berater Rudolf Kubik, der bis vor etwa einem Jahr für Dystar arbeitete. Vertreter von Hubai hatten Mitte Januar die Dystar-Standorte Brunsbüttel, Leverkusen und Ludwigshafen besucht. In Frankfurt stellten sie Betriebsräten des zahlungsunfähigen Unternehmens ihr Konzept vor und gewannen die Arbeitnehmervertreter für sich.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach Angaben ihres Rechtsberaters Zhiyuan Zhang wollten die Chinesen im Anschluss an den Besuch die nächsten Schritte für eine Übernahme vorbereiten. Dazu zählt, die Bankgarantie einzuholen. Eine entsprechende Absichtserklärung der China Citic-Bank soll auch vorliegen. Allerdings benötige Hubai mehr Zeit, erläuterte Kubik. In rund zwei Wochen könne das für die Übernahme nötige Kapital bereitgestellt werden. Zuvor müsse der chinesische Staat den Erwerb von Dystar und den damit verbundenen Kapitalexport genehmigen. „Das dauert normalerweise drei bis vier Monate“, sagte Kubik. Im Fall Dystar gebe es schon ein Schnellverfahren, aber rascher gehe es nicht.

          „Kein Feedback der Insolvenzverwalter“

          Wie der Hubai-Berater weiter sagte, ist der Kontakt zu den Insolvenzverwaltern der mit der Produktion befassten Dystar Textilfarben GmbH & Co. KG und der Vertriebsgesellschaft Dystar Textilfarben GmbH seit der vergangenen Woche eingeschlafen: „Wir haben leider kein Feedback der Insolvenzverwalter mehr.“ Sollte das sogenannte Closing des im Dezember von den Indern unterzeichneten Kaufvertrags heute tatsächlich erfolgen, „sind die Chinesen draußen“, folgerte er.

          Dem Vernehmen nach soll es um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag gehen. Die Insolvenzverwalter dürften heute nicht nur deshalb gespannt auf den Kontoauszug schauen, weil sie die Übernahme der früheren Hoechst-Beteiligung, die in Frankfurt gut 400 Mitarbeiter zählt und Weltmarktführer ist, bis Ende Januar besiegelt haben wollten. Spannung folgt auch aus dem Umstand, dass Kiri im Januar drei Termine zur Vorlage der Finanzierung hat verstreichen lassen.

          Die Forderung von Lanxess

          Doch selbst wenn die Inder das Geld diesmal auf den Tisch legen sollten, bleiben Fragen offen: Dystar produziert in Brunsbüttel und Leverkusen in Anlagen des Chemiekonzerns Lanxess AG. Der laut Lanxess seit 15 Jahren bestehende Pachtvertrag ermöglicht eine „im Wesentlichen mietzinsfreie Nutzung“ – legt aber dem Nutzer die Pflicht auf, für Reinigung oder Abriss aufzukommen, wenn er die Anlagen nicht mehr benötige.

          Kiri hat laut Lanxess angekündigt, nach rund 18 Monaten die Produktion in Brunsbüttel und Leverkusen einzustellen und bis dahin Knowhow und Anlagenteile nach Indien zu überführen. Die Inder wollten deshalb den Pachtvertrag nicht übernehmen – zumal die Abrisskosten auf zehn Millionen Euro geschätzt werden. Kiri wisse, dass es zumindest die Reinigung übernehmen müsse, habe aber bisher kein Konzept vorgelegt. Ohne Rechtsgrundlage kann Lanxess indes die Nutzung der Fabriken „nicht dulden“.

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