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Test : Banken aus der Region schneiden schlecht ab

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Ganz weit unten: Auch wenn es keinen Testsieger gab - die Nassauische Sparkasse schnitt bei dem Banken-Test besonders schlecht ab. Bild: Michael Kretzer

Nach dem Crash der Kapitalmärkte gelobten Geldinstitute Besserung - doch die Kundenberatung ist laut Stiftung Warentest sogar schlechter geworden. Ganz am Ende der Liste: zwei Institute aus Hessen. Der Ruf nach schärferen Kontrollen wird lauter.

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          Die Anlageberatung bei Geldinstituten in Deutschland hat sich laut Stiftung Warentest weiter verschlechtert - allen Beteuerungen der Branche nach der Finanzkrise zum Trotz. Nach Testbesuchen in 21 Banken, Volksbanken und Sparkassen bekamen sechs Institute die negativste Note „mangelhaft“. Ganz am Ende der Liste landeten zwei Institute aus Hessen: auf dem letzten Platz die Volksbank Mittelhessen (Gießen), auf dem vorletzten die Nassauische Sparkasse (Naspa/Wiesbaden).


          Die Note „gut“ wurde gar nicht vergeben, wie die Stiftung am Dienstag in Berlin mitteilte. Das „jämmerliche“ Ergebnis sei noch schlechter als in einer ersten Studie im vergangenen Jahr. Verbraucherschützer forderten mehr Kontrollen.
          „Verantwortlich für die schlechten Noten sind flächendeckende Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz“, sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“. Geldinstitute müssen seit Jahresbeginn ein Beratungsprotokoll erstellen, wenn die Rede auf Wertpapiere kommt.

          Gesetzlich vorgeschriebene Fragen werden häufiger gestellt


          Die Volksbank Mittelhessen, die drittgrößte deutsche Volksbank, erklärte, sie werde mögliche Fehler in der Beratung rasch abstellen. „Fakt ist, dass wir insgesamt bessere Beratungsqualität testiert bekommen, die schlechte Note ist allein auf das Nichtaushändigen von Beratungsprotokollen zurückzuführen“, sagte Volksbank-Sprecher Stefan Spicker der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.
          „Wenn wir da ein Versäumnis haben, müssen und werden wir das abstellen“, betonte Spicker. Allerdings seien zur genauen Bewertung die detaillierten Testergebnisse nötig. Die Finanzaufsicht BaFin habe bei einer Prüfung in diesem Frühjahr keinerlei Beanstandungen zum Umgang der Volksbank Mittelhessen mit Beratungsprotokollen gehabt.


          Nach Angaben der Stiftung Warentest stellten Berater weitere gesetzlich vorgeschrieben Fragen an die Kunden nun häufiger als bei der vorigen Studie. „Trotzdem sind die Banken noch weit von einem guten Ergebnis entfernt“, sagte Tenhagen. Rund ein Drittel der Testkunden seien etwa nicht nach Einkommen, Vermögensverhältnissen oder Ausbildung gefragt worden, was für eine Beratung aber nötig sei. In den meisten Fällen hätten die Berater zudem ein zu riskantes Anlagekonzept empfohlen. Im Test wurde danach gefragt, 35.000 Euro für zehn Jahre anzulegen. Am Ende sollte die Summe auf jeden Fall wieder da sein, auch bei möglichen zwischenzeitlichen Verlusten.

          Kein Testsieger


          Der Ex-Banker Eberhard Beer kritisierte: „Viele Banken versuchen nach wie vor Geschäft um des Geschäfts willen zu machen.“ Der 61- Jährige ist Sprecher der „Alten Hasen“, einem Netzwerk von unabhängigen Bankkaufleuten ab 55 Jahre. „Trotz aller Protokolle und Beipackzettel: Vieles ist für Verbraucher nach wie vor nicht verständlich“, sagte Beer ihn einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. „Wir trauen den Banken nicht mehr.“


          Insgesamt schnitten die untersuchten Geldhäuser schlechter ab als bei einer vergleichbaren Studie im Sommer 2009. Damals bekamen zwei das Urteil „mangelhaft“. Nun bekamen sechs Institute diese schlechteste Bewertung, zwölf die Note „ausreichend“, drei Sparkassen ein „befriedigend“. Ein Testsieger wurde nicht gekürt.


          Die Stiftung Warentest forderte mehr Kontrollen und Sanktionen bei Verstößen. Gefragt sei etwa die Finanzaufsicht BaFin. Der Verbraucherzentrale Bundesverband verlangte: „Ohne klare gesetzliche Vorgaben und effektive Kontrollen durch die Finanzaufsicht wird sich an der Qualität der Anlageberatung durch Banken und Finanzvermittler nichts ändern.“ Die Beratung dürfe nicht mehr von Provisionen getrieben sein.

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