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Tendence in Frankfurt : Fünf entscheidende Messetage

Bild: F.A.Z.

Aussteller aus aller Welt zeigen von Freitag an auf der Frankfurter Herbstmesse Tendence neue Wohnaccessoires und Geschenkartikel. Obwohl sich mehr Anbieter als 2009 angemeldet haben, ist die Ausstellungsfläche kleiner.

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          Die kernigsten Worte hat sich Detlef Braun für die Fragerunde aufgehoben. „Für uns ist die kommende Tendence die wichtigste Tendence – im wahren Wortsinne“, sagt er bei der Auftakt-Pressekonferenz und orakelt: „Die fünf Tage ab Freitag werden schlachtentscheidend sein.“ Die neue Leitung der Frankfurter Herbstmesse werde sich den Verlauf der Veranstaltung ansehen, mit den Ausstellern sprechen – und sich dann überlegen, wie die älteste Konsumgütermesse überhaupt zu positionieren sei. Damit angesichts dieser dramatisch anmutenden Sätze niemand auf dumme Gedanken kommt, fügt der Geschäftsführer der Messe Frankfurt GmbH noch hinzu, die Orderschau sei im Portfolio fest verankert.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zur Erinnerung: Vor Jahresfrist hatte die Tendence einen krachenden Besucherrückgang hinnehmen müssen. Lediglich 50.000 Messegäste waren nach Frankfurt gekommen, etwa ein Fünftel weniger als im Jahr davor. Für dieses Mal erhofft sich die Messe Frankfurt stabile Besucherzahlen, wie Bereichsleiterin Nicolette Naumann sagt. Gemeinsam mit Braun, der die Zuständigkeit für die Herbstmesse von dem im Juli in Pension gegangenen Michael Peters geerbt hat, und dem für die Autozulieferermesse Automechanika tätigen Stephan Kurzawski bildet sie das neue Trio an der Spitze der Herbstmesse.

          Rolle rückwärts beim Termin

          Doch nicht nur die Führungsspitze ist neu, sondern auch der Termin, beinahe zumindest. Nachdem Aussteller und Besucher im vergangenen Juli zur Tendence eingeladen worden waren, hat die Messegesellschaft die Veranstaltung in den August verlegt. Also in jenen Monat, in dem diese Fachmesse schon früher einmal abgehalten worden war. Braun verwies zur Begründung dieser Rolle rückwärts auf eine Umfrage unter Anbietern einerseits und Einkäufern andererseits: Zwei Drittel von ihnen hätten sich für den Augusttermin ausgesprochen. Wer Geschenkartikel und Wohnaccessoires anbiete, habe im Spätsommer mehr Klarheit über seine Bestellmöglichkeiten als noch im Juli. Dies gilt besonders für die kleineren Anbieter, wie ein Sprecher der Messe im Gespräch hinzu fügte.

          Vor allem Wohnaccessoires und Geschenkartikel werden auf der Herbstmesse Tendence in Frankfurt gezeigt

          Dessen ungeachtet hat sich ein früherer Order-Rhythmus, den ältere Umfragen unter Besuchern nahegelegt haben, nicht eingestellt, wie Braun weiter sagte. Dies wiederum habe auch mit der Wirtschaftskrise 2009 zu tun. Nun gelte es, die Tendence „weiter zu stabilisieren. Denn erst dann ist langfristig auch wieder an Wachstum zu denken“.

          Ein Drittel mehr Chinesen

          Immerhin scheint der Abwärtstrend bei den Ausstellerzahlen gestoppt: Nachdem die Tendence vor Jahresfrist 2050 Anbieter verzeichnet hatte, haben sich diesmal 2130 angemeldet. Das sind jedoch immer noch gut 1000 weniger als vor vier Jahren. Auch präsentieren sich weniger deutsche Aussteller als noch 2009 den Einkäufern, sie machen aber nach wie vor die mit weitem Abstand größte Gruppe aus. Dahinter folgen Anbieter aus China und Hongkong, deren Zahl im Vergleich zum vergangenen Jahr um gut ein Drittel nach oben geschnellt ist. Rang drei nimmt Indien ein, das mit 213 Unternehmen vertreten ist, ein Plus von sieben Prozent. Auf niedrigem Niveau mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der schwedischen Anbieter.

          Anders als 2009 findet sich kein Aussteller aus Nordkorea mehr auf der Liste, Gleiches gilt für Chile oder Ghana, das zuletzt noch mit zwei Unternehmen vertreten war. Dafür sind Burkina Faso, Russland, Südafrika, Slowenien und Uganda, die vor Jahresfrist nicht zugegen waren, mit jeweils einem Aussteller dabei. Braun hob hervor, allgemein keinen Kunden an eine andere Messeplattform verloren zu haben. Die Frankfurter Herbstmesse als bedeutendste Schau ihrer Art in der zweiten Jahreshälfte werde vielmehr gebraucht und angenommen.

          6600 Quadratmeter weniger belegt

          Trotz der insgesamt höheren Zahl an Ausstellern belegt die Tendence diesmal aber 6600 Quadratmeter weniger als im Jahr der Krise. Der durchschnittliche Stand misst knapp 34 Quadratmeter nach 40 Quadratmetern zuvor. Dieses Minus sei dem Wegfall der ehedem speziell für Einkäufer von Kaufhäusern und Handelsketten organisierte Schau „Collectione“ geschuldet; die dort ausstellenden Unternehmen hätten größere Flächen gebucht als andere Anbieter. Davon abgesehen relativiert sich das Minus bei der Ausstellungsfläche im Rückspeigel betrachtet aber ohnehin: Knapp 34 Quadratmeter entsprechen in etwa dem Wert von 2007, wie Braun weiter sagte.

          Um Fachbesucher werben auch Sonderschauen während der Tendence. Dies gilt etwa für die „Talents“ genannten Jungdesigner im Messeförderprogramm oder auch die Präsentation „Der kleine Prinz“.

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