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Tausch von Mark in Euro : Bei Reichsmark passt auch die Bundesbank

  • -Aktualisiert am

Die Bundesbank tauscht weiter Mark in Euro um - und so mancher Händler akzeptiert auch noch die alte Währung Bild: ddp

Seit knapp acht Jahren sind Mark und Pfennig offiziell durch Euro und Cent abgelöst worden. Doch noch immer horten ungezählte Menschen Scheine und Münzen der alten Währung - und die Bundesbank tauscht diese weiter um.

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          „Nee, Reichsmark nehmen wir nicht mehr“, sagt der Bundesbank-Mitarbeiter schmunzelnd. Mit dem Zeigefinger schiebt er die angelaufene, fast schwarze Münze zurück. An dem Schalter in der Filiale an der Frankfurter Taunusanlage hat sich eine Schlange gebildet. In aller Ruhe holt der ältere Herr weitere weiße Tupperdöschen aus seiner schweren Ledertasche und stellt sie auf den Tresen. Zum Vorschein kommt eine beeindruckende Sammlung funkelnder Silberlinge: alles 10-D-Mark-Gedenkmünzen. Auf einer ist das Brandenburger Tor abgebildet, auf einer anderen ist „50 Jahre Deutsche Mark“ zu lesen. Münzen im Wert von 3895,44 Mark legt der 80 Jahre alte Bad Homburger auf den Tisch – 1991,71 Euro bekommt er raus. Noch immer werden in der Frankfurter Filiale täglich etwa 40 000 Mark in Euro umgetauscht. Im Monat August zum Beispiel sind exakt 830 904,15 Mark in Tüten, Beuteln, Aktentaschen oder Dosen hierhingetragen worden.

          „Montag ist unser Stoßtag. Beim Aufräumen am Wochenende im Keller oder auf dem Dachboden scheinen viele Menschen auf D-Mark-Reserven zu stoßen“, sagt Volker Kaiser, stellvertretender Kassenleiter an der Taunusanlage. Die Flughafenanbindung Frankfurts sorge zudem dafür, dass die Filiale einen überdurchschnittlich hohen Anteil von 5,6 Prozent am Gesamtumtauschvolumen habe. So kommen laut Kaiser viele Kunden aus Israel, Kanada und Australien, die früher die Deutsche Mark als ideale Zweitwährung erwählt hatten und große Beträge als Anlageform in ihren Safes lagerten. Von einem Wert von 30 000 Mark an müssen die Bankangestellten laut Geldwäschegesetz den Ausweis des Kunden sehen und den Hintergrund erfragen.

          Womöglich mehr erwartet

          Doch die großen Tauschgeschäfte sind nicht die Regel. Typischer ist da schon der Fall einer Frau aus Maintal, die am späten Vormittag die Schalterhalle betritt. 350 Mark in Scheinen habe sie zu Hause gefunden, zwei Hunderter, drei Fünfziger, erzählt sie. „Nach dem Tod meines Mannes habe ich fünf Jahre nicht mehr in das alte Album reingeschaut.“ Zwischen zwei hinteren Seite habe sie dann das Geld gefunden. Nun gibt es zum festen Umtauschkurs (1,95583 Mark für einen Euro) 178, 95 Euro heraus.

          Die D-Mark-Denkmal ist in Bad Godesberg - als Teil eines Brunnens - abgelichtet worden

          Nun ist der Herr mit der roten Jacke an der Reihe, in dessen Jutebeutel es schon so typisch geklimpert hat. „Irgendwann muss man das Zeug ja mal loswerden“, sagt er. „Jetzt werde ich den Schotter mal hier lassen.“ Der altersschwache Beutel landet auf dem Tresen, die Markstücke und Kupferpfennige dann in der Zählmaschine – eine von den drei Apparaten in der Taunusanlage ist weiterhin für D-Mark reserviert. Knapp 18 Euro erhält der Herr in der roten Jacke. Seine säuerliche Miene scheint auszudrücken: Da hätte ich mehr erwartet.

          Niemand weiß, in wie vielen Tresoren und Schließfächern, Büchern und Sesseln noch D-Mark schlummern. Klar ist aber: Zum 30. April dieses Jahres standen hierzulande noch Banknoten im Wert von 6,75 Milliarden Mark aus. Bei den Münzen ist der Rückfluss geringer. Im Jahr 2000 waren Münzen im Wert von 16,05 Milliarden Mark im Umlauf – zum 30. April standen noch immer 44 Prozent (7,02 Milliarden Mark) aus. Das freut den deutschen Finanzminister, denn jeder Umtausch mindert den Gewinn der Bundesbank. Doch die Deutschen müssen ja auch keine Eile haben. Im Gegensatz zu anderen Euro-Ländern gibt es hierzulande keine zeitliche Frist für den kostenlosen Umtausch. Die meisten Münzen werden nie mehr auftauchen, glaubt Kaiser. „Bei den Münzen sind die Menschen naturgemäß nicht so sensibel wie bei Banknoten.“ Nicht alle alten Banknoten sind indes noch in einem guten Zustand.

          Zerbröselte D-Mark

          Volker Kaiser weiß von vielen Beispielen aus dem ehemaligen Jugoslawien zu berichten, in denen Menschen vor oder während ihrer Flucht D-Mark an sicheren Orten vergraben hätten. Diese Menschen würden dann mit regelrecht zerbröseltem Geld zur Bundesbank kommen. Dieser Fälle nimmt sich dann eine Bundesbank-Fachstelle in Mainz an. „Es ist erstaunlich, was die noch alles rekonstruieren können“, sagt Kaiser.

          Die Dame aus Oberursel, die nun die Schalterhalle betritt, ist eine gute Bekannte des Frankfurter Bankpersonals. Die blonde Frau kommt alle drei Monate her, die Pförtner lassen sie schon kostenlos in die Tiefgarage. In ihrem Haushaltswarengeschäft Rompel & Söhne können die Kunden bis heute mit Mark bezahlen. Seit drei bis vier Jahren seien es immer noch um die 2500 Mark, die sie hier in Frankfurt jedes Mal eintausche.

          Wegen des alten Herrn mit den Gedenkmünzen ist längst ein zweiter Schalter für den Markumtausch geöffnet worden. Umständlich packt er die leeren Tupperdosen wieder in die Ledertasche und grüßt zum Abschied: „Ach ja“, fügt er an, „ ich habe noch ein paar Alben mit Briefmarken zu Hause. Wissen Sie, wo ich die loswerden kann?“

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