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Tarifwahl : Ökostrom am besten mit Gütesiegel

Bild: F.A.Z.

Grüner Strom wird oft zugekauft. Damit sich der Energiemix zugunsten von Strom aus Wasser und Wind tatsächlich verändert, müssen Verbraucher den richtigen Tarif wählen. Das kostet nicht mehr.

          2 Min.

          An Angeboten mangelt es nicht. Wer beim Preisvergleichsportal Verivox unter einer Frankfurter Postleitzahl die Suche nach Tarifen für Strom aus regenerativen Quellen startet, bekommt eine Liste mit mehr als 80 Angeboten ausgespuckt. Das Ergebnis zeigt: Dank Rabatt und Neukundenbonus ist ein Ökostromtarif sogar deutlich günstiger zu bekommen als ein Tarif mit konventionell erzeugtem Strom. Bis zu 280 Euro Ersparnis sind drin im Vergleich zum verbreiteten Mainova-Classic-Tarif - bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden und der Bereitschaft, im Voraus zu zahlen. Davon raten Verbraucherschützer allerdings ab. Doch auch ohne Vorauskasse kann eine Familie im Jahr 210 Euro sparen (siehe Tabelle).

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weitaus schwieriger als der Vergleich der Preise ist der der Qualität des angebotenen Stroms. Ökostrom ist nämlich nicht gleich Ökostrom. Ähnlich wie bei Biolebensmitteln gibt es auch bei Ökostrom Gütesiegel und Zertifikate mit mehr und weniger Aussagekraft. Keinen guten Ruf bei Umweltschützern genießt Ökostrom, der mit Recs-Zertifikaten gehandelt wird. In diesem Fall kauft ein deutsches Unternehmen etwa in Norwegen Zertifikate für Strom aus Wasserkraft, nicht jedoch den Strom selbst, und veredelt damit seinen konventionell erzeugten Strom in Deutschland. An der Zusammensetzung des Strommixes, für den Energieexperten gern das Bild eines Sees verwenden, der aus verschiedenen Quellen gespeist wird, ändert dieser Ökostrom freilich nichts.

          Grüner Strom Label oder...

          Dafür sorgen nur Tarife, die Preisaufschläge in den Bau neuer Anlagen für Wind- und Wasserkraft stecken. Dem Energie-See, um im Bilde zu bleiben, wird dadurch mehr grüner Strom zugeführt, die Zusammensetzung verändert sich langfristig. Verbraucher- wie Umweltschützer empfehlen daher, einen Tarif mit entsprechendem Gütesiegel zu wählen. Zu den anerkannten Siegeln gehören vor allem das Grüner Strom Label (GSL) und das OK-Power-Gütesiegel. Dies deshalb, weil Anbieter dieses Stroms gewährleisten, dass sie einen Teil des Geldes der Stromkunden in neue regenerative Energieproduktion investieren, wie Hans Weinreuter, Energiereferent bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, erklärt (siehe Info-Kasten).

          Die Mehrzahl der Ökostromtarife, auch der günstigsten bei Verivox, sind allerdings TÜV-zeritifziert, wobei der Nutzer des Portals nicht ersehen kann, um welches der TÜV-Zertifikate-Varianten es sich handelt. Grundsätzlich erlaubt das Label, dass 50 Prozent des Stroms aus solchen Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen (KWK) kommt, die mit Kohle und Gas betrieben werden. Diese Tarife seien jedoch nur ein Nischenprodukt, heißt es auf Anfrage beim TÜV-Süd. Grundsätzlich gelten KWK-Anlagen als umweltfreundlich, weil sie die Abwärme des Kraftwerks zum Heizen verwenden.

          ...Grüner Strom Label Gold

          Auffällig bei der Verivox-Recherche ist, dass von 86 angezeigten Tarifen nur einer mit dem Grüner Strom Label Gold (GLG) zertifiziert ist: Naturstrom von der Naturstrom AG. Immerhin ist auch dieser Tarif noch 45 Euro günstiger als der Tarif des Grundversorgers Mainova.

          In der Ökostrom-Liste Ecotopten des Öko-Instituts (www.ecotopten.de), die Energiebrater Weinreuter Verbrauchern empfiehlt - Ökostromtarife auf Portalen wie Verivox seien zu oberflächlich und ungenau -, sind es fünf von 15 Anbietern, sechs haben das Label vom TÜV-Nord, acht das OK-Power-Label. Die Liste ist allerdings nicht aktuell. Nach Angaben von Weinreuter entscheiden sich nach wie vor 40 Prozent der Haushalte für das teure Modell des Grundversorgertarifs. "Diese 40 Prozent könnten bei einem vernünftigen Ökoangebot Geld sparen."

          Zu erwarten ist, dass das Interesse der Verbraucher an Ökostrom infolge der Reaktor-Katastrophe nach den Erdbeben und dem Tsunami in Japan steigen wird. "Die Zahl der Besucher unserer Seite ist seit Freitag deutlich angestiegen", sagt ein Verivox-Sprecher.

          Am grünsten, grüner, grün

          Grüner Strom Label (GSL): Das strengste unter den Ökostrom-Gütesiegeln, was die Energiequellen anbelangt, wurde von verschiedenen Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden ins Leben gerufen. Es gibt zwei Ausführungen: Silber und Gold. Gold erlaubt ausschließlich erneuerbare Energiequellen oder Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen (KWK) ohne fossile Brennstoffe, bei Silber darf die Hälfte aus KWK-Anlagen mit Kohle und Gas betrieben sein. Der im Strompreis enthaltene Förderbetrag fließt nach den Kriterienvorgaben ausschließlich in den Ausbau regenerativer Energien. Tarife mit diesem Label sind in der Regel höher als die der örtlichen Grundversorger.

          OK Power: Das Gütesiegel wird vom Öko-Institut in Zusammenarbeit mit dem WWF Deutschland und der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vergeben. OK-Power-Produkte sollen einen zusätzlichen Umweltnutzen garantieren. Maximal 50 Prozent des Stroms dürfen aus gasbetriebenen KWK kommen. Dies ist nach Angaben des Öko-Institus zurzeit aber bei keinem der zertifizierten Tarife der Fall. Um einen Anreiz zum Bau neuer umweltfreundlicher Anlagen zu schaffen, muss etwa mindestens etwa ein Drittel des Stroms aus Anlagen kommen, die nicht älter als sechs Jahre alt sind. Strom aus Wasserkraft stammt vor allem aus sanierten Anlagen.

          TÜV-Siegel: Das Siegel des Technischen Überwachungsvereins kennzeichnet den größten Teil der Ökostrom-Tarife. Es gibt eine Basisrichtlinie, an die sich der TÜV Nord hält, und vier Varianten des TÜV Süd, bei denen in zwei Fällen (UE01 und UE02) auch 50 Prozent Strombezug aus KWK-Anlagen mit fossilen Brennstoffen erlaubt sind. Für Verbraucher ist es schwer zu erkennen, um welche Variante es sich handelt. Konkrete Auflagen für den Zubau neuer Anlagen macht der Tüv nicht. (hoff.)

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