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Tarifkonflikt : Weltweit im Kostenwettbewerb

  • -Aktualisiert am

Menschliche Minderheit: Bei Conti machen das meiste Maschinen Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Metall- und Elektroindustrie kämpft mit hohen Rohstoff- und Energiepreisen, der Wettbewerb ist scharf. An den Frankfurter Standorten von Conti und Diehl hält man die IG-Metall-Forderungen im Tarifkonflikt für zu hoch.

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          „Der IG-Metall-Vorschlag für die neue Tarifrunde ist für uns nicht wettbewerbsfähig“, sagt Rainer Hetzer, Leiter der Personalabteilung der Chassis & Safety Division der Continental AG. Die Division produziert in Frankfurt hydraulisch-elektronische Bremssysteme, die beispielsweise in Antiblockiersystemen zu finden sind. In der Produktionshalle würden heute 99 Prozent der Arbeit automatisch erledigt, erklärt Werksleiter Paul Schneider.

          Auf Transportbändern fahren Einzelteile der Bremssysteme in Maschinen rein, werden mit einem „pfft“ angesaugt, gedreht, zusammengefügt und wieder auf das Transportband gelegt. Zwischen den Maschinenstraßen bahnt sich ein orangeblinkendes, fahrerloses Transportsystem seinen Weg, lautlos, wie schwebend. Trotz des hohen Automatisierungsgrades arbeiten 800 Mitarbeiter in der Produktion, erläutert Schneider. Nebenan in der Forschung und Entwicklung seien noch einmal 2000 Mitarbeiter beschäftigt.

          Fachkräftemangel

          „An allen Standorten und in allen sechs Divisionen gibt es derzeit rund 1000 offene Stellen“, sagt Personalchef Hetzer. Einige hundert davon im Rhein-Main-Gebiet. Den Fachkräftemangel bekomme auch er zu spüren. Continental sei ein Unternehmen, das weltweit im Wettbewerb stehe, der Trend gehe immer weiter dahin, dass Aufträge weltweit vergeben würden. „In naher Zukunft werden 40 Prozent der Großaufträge in Asien vergeben.“

          Die nächste Tarifrunde müsse also vor allem dafür sorgen, dass Deutschland mit seinen Löhnen und seiner Arbeitszeit international wettbewerbsfähig bleibe, findet Hetzer. Die Personalzusatzkosten seien zu hoch und die Wochenarbeitszeiten zu kurz. Die Preisreduzierungen gegenüber den Kunden des Unternehmens lägen jährlich bei rund fünf Prozent, das werde erwartet. Auch die Energie- und Rohstoffpreise seien in den vergangenen Jahren um diesen Anteil gestiegen. „Um Jahr für Jahr auf den gleichen Output zu kommen, müssen wir unsere Kosten also um etwa zehn Prozent senken“, rechnet Hetzer vor.

          Auch Diehl Aerospace, ein weiteres Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, sieht sich in Zukunft mit großen Herausforderungen konfrontiert. Besonders wichtig sei der Wechselkurs zwischen Dollar und Euro, erläutert Manfred Kennel, Sprecher der Geschäftsführung. 70 Prozent des Geschäftes würden in Dollar abgewickelt. Der Kurs habe sich kontinuierlich zu Lasten des Unternehmens entwickelt. Dies wirke sich direkt auf den Umsatz und langfristig auf die Wettbewerbsfähigkeit aus.

          Systeme für Flugzeug-Cockpits

          Das Unternehmen mit Sitz in Überlingen produziert am mitarbeiterstärksten Standort Frankfurt mit 550 Beschäftigten vor allem Systeme für Flugzeug-Cockpits. Kunden sind Großunternehmen wie Airbus und Boeing. „Das Türsystem für den Airbus 380 ist ein wichtiger Schwerpunkt“, sagt Gerhard Weber, Standortleiter von Diehl Aerospace in Frankfurt. Rund eine halbe Million Euro sei ein solches System, das die 16 Türen des Großflugzeugs steuert, wert. Bis zu 800 Systeme sollen im Jahr in Frankfurt hergestellt werden. Die Konkurrenten von Diehl Aerospace säßen vor allem in Amerika, sagt Weber. Die Technik beherrschten fast alle, der Wettbewerb laufe über die Kosten. „Darum können wir keinen Lohnabschluss akzeptieren, der uns in eine noch schlechtere Wettbewerbsposition bringt“, sagt Weber im Hinblick auf den Dollarkurs. Die von der IG Metall geforderten acht Prozent seien eindeutig zu hoch.

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