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„Sweatworking“ : Schweißband statt Krawatte

  • -Aktualisiert am

Erst schwitzen, dann arbeiten: Nach dem Training gehen die Teilnehmer ins Büro – und verwalten 15 Milliarden Euro. Bild: Gilli, Franziska

Ein Fachvortrag im Fitnessstudio, Ausgleichstraining im Möbelhaus – wenn Unternehmen sich sportlich geben, ist die Kreativität groß. „Sweatworking“ nennt sich das Ganze.

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          Dienstagmorgen, 8 Uhr. Das Einkaufszentrum My Zeil schläft noch. Nur oben unter dem Glaskuppeldach brummt schon das Leben. Im Club von Fitness First sind viele Geräte belegt. In einem nur mit Schwarzlicht beleuchtetem Raum sitzen 25 Frauen und Männer auf Spinninggeräten, so heißen hier die Heimtrainer. Die meisten strampeln schon, obwohl der frühere Tour-de-France-Fahrer Marcel Wüst das Programm noch gar nicht angefangen hat.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Hier sitzen 15 Milliarden Euro auf den Rädern“, sagt Karsten Hollasch nicht ohne Stolz, der in der Beratungsgesellschaft Deloitte die Gruppe Sport Business und die Transaktionsberatung leitet. Denn der Fitnesskurs zu früher Stunde ist keine normale Radel-Runde, wie sie der Fitnessclub jeden Tag anbietet. Es handelt sich um eine Kundenveranstaltung von Deloitte. Hollasch und seine Kollegen haben Fondsmanager und Finanzinvestoren aus der ganzen Stadt eingeladen.

          30 Prozent des Umsatzes durch Unternehmen

          „Sweatworking“ nennt sich das Event, das sich Deloitte und die Frankfurter Kette Fitness First ausgedacht haben. Statt eine weitere Abendveranstaltung in den vollen Kalender der Finanzjongleure zu setzen, wollen die beiden Unternehmen verbinden, was viele Manager gerne machen (Sport), mit dem, was zum Geschäft gehört (Netzwerken). Und um es geschäftlicher wirken zu lassen, halten Deloitte-Manager nach dem Training bei leichter Sportlerkost noch einen Vortrag darüber, wie man einen Letter of Intent – also eine erste unverbindliche Absichtserklärung vor einer Übernahme – an ein Unternehmen schreibt. Um 10 Uhr können alle im Büro sein und haben ihr Sportpensum schon erfüllt. Die Teilnehmer sind Kunden und Mitarbeiter von Deloitte. „Für uns ist das eine super Möglichkeit, die Geschäftspartner auf einer ganz anderen Ebene kennenzulernen, nicht nur im Anzug und in der Bürowelt“, sagt Hollasch.

          Auch der Studiobetreiber profitiert von der Kooperation. „Solche Multiplikatoren sind für uns natürlich eine sehr wichtige Zielgruppe“, sagt Fitness-First-Geschäftsführer Stefan Tilk. „Die gehen von hier ins Büro und erzählen da von uns.“ Die Zusammenarbeit mit Unternehmen wird für den Marktführer im deutschen Fitnessmarkt immer wichtiger. Mehr als 30 Prozent des Umsatzes werden laut Tilk inzwischen über Kooperationen mit Unternehmen wie der Deutschen Bahn, Fraport und Deutscher Lufthansa gemacht.

          Personal-Trainer für Ikea

          Das kann unterschiedlich aussehen. Die klassische Variante, die auch andere Studios bieten, ist der Rabatt auf die Mitgliedsbeiträge für Mitarbeiter. Oft übernehmen aber auch die Unternehmen die Beiträge ihrer Angestellten zum Teil oder sogar ganz. Fitness First versucht über Gesundheitstage im Unternehmen und Mitteilungen im Intranet, sich bekannt zu machen. Oder die Kette lässt nachts von der Putzkolonne Gutscheine auf den Bürostühlen verteilen. Denn auch solche Zuweisungen wollen steuerlich optimiert sein, wie Tilk betont – ein Zuschuss zum Monatsbeitrag gilt als geldwerter Vorteil, Gutscheine sind Sachgeschenke.

          Die Fitnesskette mit Sitz an der Hanauer Landstraße hat eine eigene Abteilung, die sich um neue Ideen in dieser Hinsicht kümmert. In einem Stahlwerk im Ruhrgebiet hat das Sport-Unternehmen den gesamten Fitnessraum ausgestattet und betreibt ihn nun. Zu Ikea hat die Kette einmal eine Armada von Personal-Trainern entsandt, die zusammen mit den Verkäufern in dem Möbelhaus zu ihren Tätigkeiten passende Fitnessübungen ausgearbeitet hat. Und während einer Tagung in Berlin wurden abends für die Teilnehmer Fitnesskurse angeboten. „Das ist doch mal was anderes, als abends immer nur essen und Wein trinken“, findet Tilk.

          Die Teilnehmer des Deloitte-Sweatworkings jedenfalls sind hinterher ganz angetan. „Guter Ausgleich zum Job, und man lernt spannende Leute kennen“, findet Karsten Eibes von Beyond Capital Partners. Dass die Veranstaltung morgens sei, komme Kollegen mit Familie entgegen. Nächstes Mal will Deloitte im Herbst zum Sweatworken laden. Dann steht Boxen mit Regina Halmich auf dem Programm.

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