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„Dragons-Father“ Sven Martin : Das ist der Vater der „Game of Thrones“-Drachen

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Nach dem Studium arbeitete Martin zunächst frei als 3D-Artist und Compositor, also jemand, der in der Postproduktion eines Films Bilder zusammensetzt, danach vier Jahre bei Elektrofilm in Stuttgart. Es war sein erster Supervisor-Job. 2008 bot ihm Thilo Kuther, der Pixomondo sieben Jahre früher gegründet hatte, eine Stelle in Frankfurt an. Dessen Passion für Spezialeffekte made in Germany überzeugte Martin. „Von Deutschland aus an Hollywood-Filmen zu arbeiten ist klasse“, sagt er. „Früher musste man weg.“ Für ihn sei es jedoch die perfekte Lösung, in der Region zu arbeiten, in der die Familie lebe – er hat eine Frau und eine vier Jahre alte Tochter –, und nur „zu besonderen Anlässen“ nach Amerika zu fliegen. Frankfurts schnelles Internet mache das Arbeiten an digitalen Großprojekten möglich. Während das Stuttgarter Pixomondo-Studio Umgebungen, zum Beispiel Burgen, für „Game of Thrones“ erschaffen hat, kümmerte sich Frankfurt um die Drachen.

Gefragter Spezialist: Sven Martin arbeitete auch schon mit Steven Spielberg.

Ein beruflicher Höhepunkt sei die Arbeit mit Steven Spielberg bei „Bridge of Spies“ gewesen. „Ich war die ganze Zeit am Set mit dabei, in Potsdam-Babelsberg und New York“, sagt Martin. Es war seine Möglichkeit, einmal dem Kultregisseur persönlich zu begegnen. Ein weiterer Anlass, in Amerika zu arbeiten, war der von Spielberg produzierte Science-Fiction-Film „Super 8“ aus dem Jahr 2011. Darin dreht eine Gruppe von Teenagern mit einer Super-8-Kamera selbst einen Film und wird nachts Zeuge eines Zugunglücks. Dafür ist er nur mit einem kleinen Team, zu acht, nach Los Angeles geflogen und hat mit Jeffrey Jacob Abrams und Industrial Light & Magic gearbeitet. Die Firma sei für Martin ein Vorbild gewesen, „ein Pionier im digitalen Zeitalter“, vor allem wegen der Effekte für „Star Wars“- und Spielberg-Filme. Daher war „Super 8“ ein „Herzensprojekt“. In Los Angeles saß Martins Team mit Abrams in dessen Büro auf der Couch und führte eine Sequenz vor, die fast ohne Veränderungen abgenommen wurde. Das kleine Team ermöglichte viel künstlerische Freiheit. Entscheidend sei doch, sagt Martin, wie viel Einfluss man auf das finale Produkt habe.

Kreativ im Team und digital

Und wie kreativ kann er als Supervisor, als ein Projektmanager, sein? „Ich versuche mir das zu erhalten“, sagt Martin. Er male und zeichne gern. Und ab und zu macht er noch selbst Konzeptzeichnungen. Martin zeigt einen seiner frühen Entwürfe. Ein Drache thront über einer Ruine, Feuer tropft ihm wie Speichel aus dem geschlossenen Maul. Doch Martin betont, dass Kreativität nur im Team funktioniere, „das ist der Kern, warum ich das gern tue“.

Die Arbeit habe sich verändert: Da das meiste digital ablaufe, seien die Wege viel kürzer. „Für ,Hugo Cabret‘ haben wir eine Woche vor Release noch Sachen abgegeben.“ Das Fantasydrama von Martin Scorsese, das von einem kleinen Waisenjungen handelt, der im Gewölbe des Pariser Bahnhofs Montparnasse lebt, kam im November 2011 in die Kinos, lief aber schon vor Fertigstellung auf dem New Yorker Film Festival. Eine Seltenheit. Die Filme werden meist digital an die Kinos ausgeliefert. Der Vorteil daran ist, dass Fehler auch schnell behoben werden können: „Der berühmte Starbucks-Becher von Emilia Clarke alias Daenerys Targaryen ließ sich so von einem Tag auf den anderen korrigieren.“ Als die Folge online lief, hatten Zuschauer den Kaffeebecher entdeckt, der klar aus dem Mittelalter-Setting von „Game of Thrones“ herausstach.

War der Weg zum Drachenvater vorgezeichnet? Schon „Ritterschlag“, Martins Abschlussfilm an der Filmakademie, der auch auf Youtube zu sehen ist, handelt von Drachen: Ein Vaterdrache zeigt seinem Sohn, wie er angreifende Ritter abwehren kann. Trotz seines Faibles für visuelle Effekte rät Martin aber, „so viel wie möglich real zu drehen“, als Basis und für das Gefühl eines Films. Sein persönlicher Liebling ist „Stand By Me“ von Rob Reiner aus dem Jahr 1986. In dem amerikanischen Abenteuerfilm machen sich vier Jungen auf die Suche nach einer Leiche. Den könne Martin immer wieder gucken – ein Film ganz ohne visuelle Effekte.

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