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Energiepreise : Supermarkt-Betreiber gegen früheren Ladenschluss

Bis spätabends geöffnet: Im Mini-Tegut am Hanauer Hauptbahnhof (unten) können Kunden rund um die Uhr einkaufen. Bild: Sandra Schildwächter

Um Energie zu sparen, sollten laut Tegut die Geschäfte spätestens um 20 Uhr schließen müssen. Konkurrenten lehnen ­das ab: Der Stromverbrauch werde dadurch kaum gesenkt, rechnen sie vor.

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          Es ist deutlich nach 20 Uhr, als die junge Frau aus dem Discounter-Supermarkt im Frankfurter Nord­end kommt, die Tasche gefüllt mit Obst, Frischkäse und Bagels. Warum sie um diese Uhrzeit noch einkauft? Sie war nach Feierabend noch mit Freunden essen, berichtet sie, jetzt sei sie auf dem Heimweg und kaufe ihr Essen für morgen ein. Ginge es nach Tegut-Chef Thomas Gutberlet, dann könnte sie das bald nicht mehr. Der Chef der Supermarktkette hat jüngst dafür plädiert, dass Geschäfte nur noch bis 20 Uhr öffnen sollten, um Strom zu sparen, aber auch wegen des Fachkräftemangels. Und die junge Frau müsste dann früher einkaufen.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
          Sara Wagener
          Volontärin

          Bis 22, 23 oder gar 24 Uhr in den Supermarkt gehen zu können, daran sind die meisten Kunden, vor allem in größeren Städten, gewöhnt. Im Moment haben die meisten Supermärkte in Frankfurt bis 22 Uhr offen, egal zu welcher Kette sie gehören. Einige Rewe-Filialen schließen erst um Mitternacht. Auch die Tegut-Märkte machen erst zwischen 21 und 23 Uhr die Türen zu, kaum einer von ihnen schließt schon um 20 Uhr. Möglich ist dies seit 2006, als die Ladenschlusszeiten föderalisiert und von den Bundesländern liberalisiert wurden. Bis dahin mussten Geschäfte laut Bundesgesetz spätestens um 20 Uhr schließen. „Wir fordern frühere Öffnungszeiten schon seit Langem“, sagt der hessische Verdi-Gewerkschafter Horst Gobrecht. Die Rückkehr zu 20 Uhr sei „überfällig“.

          Kürzere Öffnungszeiten umstritten

          Die Lebensmittelhändler in der Region dagegen wollen bislang nicht an ihren Öffnungszeiten rütteln. Ihr Argument: Das spare kaum Strom. Die Edeka-Filialen Scheck-in Center und Haller in Frankfurt zum Beispiel geben an, dass bei ihnen ein Großteil der Energie für die Kühlung benötigt werde, und die müsse ohnehin rund um die Uhr laufen. Ein Rewe-Sprecher rechnet vor, dass Kühlanlagen mehr als die Hälfte des Energiebedarfs eines Marktes ausmachten. Um zu sparen, werde nun beispielsweise die Abwärme der Kühlung zum Heizen genutzt. Edeka Haller will eins von zwei Kühlhäusern ganz abschalten, um Energie zu sparen. Außerdem seien die Angestellten dazu aufgefordert, die Türen schneller zu schließen.

          In der Kaiserstrasse/Weserstrasse hat ein neuer REWE Markt eröffnet. Das Besondere; es ist ein REWE TO GO, also ein grosser Kiosk mit Bäcker, Cafe, und kleinem Laden in einem. Mit den verlängerten Öffnungszeiten, werden speziell Laufkundschaft und Partygänger im Bahnhofsviertel, aber auch Sonntagseinkäufer in Not angesprochen. Aussenansicht des Ladens, aufgenommen am Donnerstag, den 17.11.2016
          In der Kaiserstrasse/Weserstrasse hat ein neuer REWE Markt eröffnet. Das Besondere; es ist ein REWE TO GO, also ein grosser Kiosk mit Bäcker, Cafe, und kleinem Laden in einem. Mit den verlängerten Öffnungszeiten, werden speziell Laufkundschaft und Partygänger im Bahnhofsviertel, aber auch Sonntagseinkäufer in Not angesprochen. Aussenansicht des Ladens, aufgenommen am Donnerstag, den 17.11.2016 : Bild: Maximilian von Lachner

          Die Edeka-Gruppe mit ihrer Discountermarke Netto und der Rewe-Konzern (Penny, Nahkauf) sind die größten Supermarktketten in Deutschland. Zusammen mit Aldi und Lidl/Kaufland sind sie für rund 70 Prozent des Umsatzes im Lebensmitteleinzelhandel verantwortlich.

          Laut Tegut könne das Unternehmen, das nach eigener Aussage einen einstelligen Marktanteil in Deutschland hat, durch kürzere Öffnungszeiten immerhin jeden Monat Energie im „unteren dreistelligen Bereich an Megawattstunden“ einsparen. Laut Berechnung des Energieversorgers ENBW könnte man mit 100 Megawattstunden Strom fünf Millionen Stunden lang aktiv am Laptop arbeiten. Beim Handelsverband Hessen kann man die Argumentation des Tegut-Chefs daher sogar nachvollziehen: Die Energiekosten seien im Einzelhandel seit Beginn des Jahres durchschnittlich um knapp 150 Prozent gestiegen, sagt Geschäftsführer Sven Rohde.

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