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Technischer Wandel : Digitalisierung gefährdet vor allem Jobs in der Produktion

Paket-Drohne der Deutschen Post: Ersetzt sie bald den Paketzusteller? Bild: dpa

Laute einer Studie könnten in Hessen gut 310.000 Arbeitnehmer schon heute weitgehend durch Computer ersetzt werden. Doch nicht alle Berufsgruppen sind gleich stark betroffen.

          In Hessen arbeiten gut 310.000 Männer und Frauen in Berufen, in denen mehr als 70 Prozent der spezifischen Tätigkeiten schon heute von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden könnten. Anders ausgedrückt, werden in diesen Jobs für weniger als ein Drittel der zu erledigenden Aufgaben tatsächlich noch Menschen gebraucht. Das ist ein Ergebnis der jüngsten Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Auftrag der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. Die gestern vorgestellte Studie mit dem Titel „Digitalisierung der Arbeitswelt – Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Hessen“ spricht in diesem Fall von einem hohen Maß an Ersetzbarkeit.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Dabei sind nach Angaben von Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion, zwangsläufig die Berufe in der Produktion besonders betroffen. Ein Irrtum sei es allerdings, wenn man annehme, dass nur diejenigen unter den Arbeitnehmern tangiert seien, die Helfertätigkeiten in diesen Unternehmen ausübten. Vielmehr zeige die Studie, dass auch Fachkräfte in einem Großteil ihrer Tätigkeit zumindest theoretisch durch Computer und von ihnen gesteuerte Maschinen ersetzt werden können. Zugleich weist Martin darauf hin, dass alle Wellen der Automatisierung und Industrialisierung die Tätigkeiten der Beschäftigten verändert hätten. Es gehe immer darum, vorausschauend durch Weiterbildung neue Funktionen zu erschließen, in denen die Menschen ihre besonderen Fähigkeiten einsetzen könnten.

          Welche Berufe weniger betroffen sind

          Laut der Untersuchung sind selbst in den Berufen der Unternehmensführung und -organisation sowie in IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen die spezifischen Tätigkeiten heute schon zu 40 bis 50 Prozent durch Computer und computergesteuerte Maschinen zu leisten. Am wenigsten in Gefahr, zumindest partiell auf diese Weise ersetzt zu werden, sind dagegen Beschäftigte in den sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen, Sicherheitsberufen, Reinigungsberufen sowie in medizinischen und anderen Gesundheitsberufen, wie die Regionaldirektion weiter wissen lässt. Derzeit verdienen in Hessen gut 1,07 Millionen Männer und Frauen in Berufen ihren Lebensunterhalt, die in der Studie der Kategorie „mittlere Ersetzbarkeit“ zugeordnet werden. Dabei handelt es sich um Jobs, in denen zwischen 30 und 70 Prozent der spezifischen Tätigkeiten schon heute durch Computer und von diesen gesteuerten Geräten erledigt werden könnten.

          Rund eine Million der alles in allem 2,39 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hessen arbeiten schließlich in solchen Berufen, in denen lediglich bis zu 30 Prozent der jeweils berufsbezogenen Tätigkeiten theoretisch von Rechnern und daran angeschlossenen Automaten übernommen werden könnten. Wie schnell und umfassend die Möglichkeiten der Digitalisierung tatsächlich genutzt werden, hängt Martin zufolge vor allem von der Größe des jeweiligen Unternehmens ab. Denn um auf eine maximal digitalisierte Produktion umzustellen, müsse erst einmal viel investiert werden. Dies könnten kleinere Betriebe in aller Regel nicht so leicht bewältigen wie große Unternehmen.

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