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Studie : Mindestlohn trifft Hessen wenig

Uneinheitliche Auswirkungen des Mindestlohns: Die Stelle einer hessischen Reinigungskraft ist laut Studie weniger gefährdet als in den neuen Bundesländern. Bild: dpa

Die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro gefährdet in Hessen weniger Arbeitsplätze als anderswo. Eine Studie kommt zu dem Schluss, dass vor allem in den neuen Bundesländern Stellen wegfallen könnten.

          Die Einführung des Mindestlohns mit Beginn des neuen Jahres gefährdet in Hessen weitaus weniger Arbeitsplätze als in den neuen Bundesländern. Eine Studie von zwei Wissenschaftlern aus Berlin und Magdeburg, die am Mittwoch von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft vorgestellt wurde, kommt zwar zum Ergebnis, dass in ganz Deutschland 570.000 Stellen bedroht sind. Doch während der Beschäftigungsabbau in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 4,4 Prozent betragen könnte, würde er mit einem Minus von maximal 1,3 Prozent in Hessen deutlich geringer ausfallen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          In der Studie wird angenommen, dass höhere Löhne nicht in jedem Fall dazu führen, dass die dadurch entstehenden Kosten entweder vom Unternehmer übernommen oder auf dessen Kundschaft abgewälzt werden. Die Magdeburger Wissenschaftler rechnen vielmehr damit, dass zum Beispiel bei einer Erhöhung des Stundenlohns von fünf auf 8,50 Euro ungefähr 30 Prozent der Stellen wegfallen, weil die Arbeitsplätze sich nicht mehr rentieren. Wurden bisher schon acht Euro gezahlt, so führt nach dem Rechenmodell die Erhöhung auf 8,50 Euro lediglich zu einem Abbau von etwa vier Prozent der Stellen.

          Lohnniveau in Hessen vergleichsweise hoch

          Für Hessen ist es günstig, dass in diesem Bundesland bisher schon vergleichsweise hohe Löhne gezahlt werden, mithin die Anpassung an den Mindestlohn moderater ausfällt als anderswo. Der Studie zufolge verdienen in Hessen nur 7,8 Prozent der Arbeitnehmer weniger als 8,50 Euro die Stunde, während es zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern 21,4 Prozent sind. Das erklärt auch die Vorhersage, dass der Stellenabbau in Hessen kleiner ausfallen wird.

          Allerdings sind das nur Durchschnittswerte. Nach den vorgelegten Zahlen verdienen in Hessen von den Beschäftigten mit einem Hochschulabschluss zwar gerade einmal 0,5 Prozent weniger als 8,50 Euro die Stunde, bei den Arbeitnehmern ohne jeden Berufsabschluss sind es hingegen 16,2 Prozent und bei denen, die eine Lehre absolviert, aber nicht studiert haben, immer noch 4,8 Prozent. Entsprechend unterschiedlich groß ist für die verschiedenen Gruppen die Gefahr, dass der Arbeitsplatz durch die Einführung des Mindestlohns wegfällt.

          Gliedert man den Arbeitsmarkt wiederum nach Vollzeitbeschäftigten und geringfügig Beschäftigten, so zeigt sich der Studie zufolge, dass in der ersten Gruppe lediglich maximal 0,3 Prozent mit einem Stellenverlust rechnen müssen, in der zweiten jedoch bis zu 8,3 Prozent. Die Autoren der Studie sind Ronnie Schöb von der Freien Universität Berlin und Andreas Knabe aus Magdeburg.

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