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„Wir sind wie ein Start-up“ : Stromversorger will selbst Rechenzentren betreiben

Aufbauhelfer: Volker Ludwig, seit Jahren als Manager in der Datacenter-Branche unterwegs, leitet die neue Mainova-Tochter Bild: Mainova

Bislang baut die Frankfurter Mainova für Rechenzentren das Stromnetz aus. Nun will der Energieversorger mit eigenen Data-Centern Geld verdienen.

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          Das erste öffentliche Lebenszeichen des Unternehmens hat gleich ein Raunen durch die Szene gehen lassen: Der Frankfurter Energieversorger Mainova hat sich um ein neues Tochterunternehmen und einen prominenten Mitarbeiter aus der Rechenzentrumsbranche verstärkt – um künftig selbst auf diesem Markt mitzumischen. In etwa einem Jahr will die Mainova den Bauantrag für ihr erstes eigenes Rechenzentrum vorlegen.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mainova Webhouse Management GmbH heißt die zum Jahresbeginn gegründete Unternehmung, ihr Geschäftsführer ist Volker Ludwig. Die konkrete Strategie ist noch in Arbeit. „Wir sind wie ein Start-up“, sagt Ludwig, der für den Anfang einen direkten Mitarbeiter hat. In diesem Neuanfang liege für ihn persönlich der Reiz seines neuen Jobs.

          Bisher war Ludwig andere Dimensionen gewöhnt. Der 41 Jahre alte gebürtige Hanauer hat 2001 als Assistent im Marketing des niederländischen Rechenzentrumbetreibers Interxion angefangen und war zuletzt für die Vertriebs- und Marketingaktivität von E-Shelter und dessen Dachkonzern NTT Global Data in Europa zuständig. In seine Amtszeit fällt der Ausbau des größten Frankfurter Datacenters in Rödelheim und der Bau des E-Shelter-Campus im nahen Hattersheim.

          „Infrastrukturgeber Nummer eins“

          Diesen Erfahrungsschatz will sich die Mainova zunutze machen. Der Konzern, dessen Anteile zu 75 Prozent im Besitz der Stadtwerke Frankfurt sind, sieht sich in der Region als „Infrastrukturgeber Nummer eins“, wie ein Sprecher sagt. Die Unternehmensstrategie werde geleitet von der Frage „Was wünscht der Kunde?“ Das seien nach wie vor Strom, Gas und Wasser, neu hinzu kämen nun die Grundbedürfnisse der Smart City, also der digital vernetzten Stadt. Die Mainova hat bereits ein stadtweites Daten-Funknetz aufgebaut, der Einstieg ins Colocation-Geschäft, also in die Vermietung von Stellplätzen für Server in einem Datacenter-Gebäude, sei nun der nächste Schritt.

          Die Chancen stehen gut, dass Volker Ludwig die neue Tochter zügig zum Erfolg führen kann. Die Branche gilt als hochprofitabel, neue Rechenzentren sind meist schon vermietet, bevor überhaupt die Bagger rollen. Und die Datenmenge wächst weiter an, entsprechend hoch ist der Bedarf von Telekommunikationsanbietern, Internetkonzernen und anderen Unternehmen nach Kapazitäten direkt am Internetknoten Frankfurt. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot und wird es noch für Jahre tun“, sagt Ludwig. Zudem bringt die Mainova ein wichtiges Startkapital mit: Sie verfügt über eigene Grundstücke, auf denen sie bauen kann. Ludwig will dazu noch nichts sagen, dem Vernehmen nach könnte das erste Mainova Webhouse im Ostend entstehen.

          Dass nun auch die Mainova von Frankfurts Status als deutscher Datenhauptstadt profitieren will, wird nicht allen gefallen. Kritiker sehen in den Datacentern stromfressende, unansehnliche Gebäude, in denen wenig Arbeitsplätze geschaffen werden und deren Betreiber so hohe Renditen einfahren, dass sie im Wettbewerb um Baugrundstücke jeden klassischen Gewerbebetrieb ausstechen können. Aktuell entwickeln das Planungs- und das Wirtschaftsdezernat einen Rahmenplan, um die Rechenzentren an bestimmten Orten in der Stadt zu konzentrieren.

          Dennoch gibt sich Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) rundweg begeistert von der Neugründung: „Es war allein die Entscheidung des Mainova-Vorstandes, ich finde sie mutig und richtig.“ Mit eigenen Rechenzentren sammle die Mainova Erfahrungen, um die Bedürfnisse der Kunden besser zu verstehen, die sie mit Stromlieferungen und ihrer Tochter NRM-Netzdienste ja weiterhin bedienen wird. Es sei klar geregelt, dass die Mainova Webhouse Management GmbH nicht anders behandelt werden dürfe als andere Betreiber. Den Eindruck, dass der Einstieg der zum großen Teil stadteigenen Aktiengesellschaft den freien Markt verzerren könnte, hat Frank nicht.

          Neuartige Service-Pakete

          „Dass die Mainova selbst zum Betreiber wird, wird die Branche enger zusammenbringen“, ist Frank überzeugt. Er hofft durchaus, dass Mainova Webhouse dem ohnehin schon starken Digitalstandort weiter auf die Sprünge hilft: Sie könne mit Innovationen vorangehen, besonders raum- und energiesparende, aber auch architektonisch ansprechende Rechenzentren bauen. Würde sie auf diese Weise zum Vorbild, „wäre dies ein großer Vorteil für die Stadt“. Das sei wichtiger als der Zuschuss für die Stadtkasse, der im Erfolgsfall zu erwarten wäre. 2019 hatte die Mainova 144Millionen Euro Vorsteuergewinn zugunsten ihres Haupteigners ausgewiesen.

          Zu Franks Vorstellungen passen die Vorstellungen von Geschäftsführer Ludwig. Er habe etliche Ideen, will neue Klimatechnologien ausprobieren. „Effizienz und Flexibilität könnten Themen sein, mit denen wir uns gegen die anderen absetzen.“ Außerdem plant Ludwig andere Servicepakete als die Unternehmen, für die er bisher tätig war. „Manche Kunden haben so viel eigenes Know-How, dass sie gar nicht alle Service-Leistungen mitbuchen wollen.“ Welche Kunden, ob eher mittelständische Industriebetriebe oder doch die großen Cloudbetreiber, ins Mainova Webhouse einziehen sollen, stehe noch nicht fest. Etwa ein Jahr, so kündigt er an, werde es brauchen, Geschäftsmodell und Pläne bis zum Bauantrag voran zu treiben.

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