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Euro Finance Week : Bank-Chefs warnen vor Untergangsstimmung

Bei der 25. Euro Finance Week diskutieren Finanzexperten die Zukunft der Branche mit (v.l.) Roland Koch, Klaus-Peter Müller, Wolfgang Kirsch und Otmar Issing. Bild: Michael Braunschädel [F.A.Z.-Recht

Auf der 25. Euro Finance Week dreht sich alles um Krisen und deren Bewältigung. Dabei sind die Banker optimistischer, als man befürchten musste.

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          Es gibt beeindruckende Zahlen rund um die Euro Finance Week. Zum Beispiel diese: 60 000 Liter Kaffee sind ausgeschenkt worden, seit die Bankenkonferenz, die seit Montag zum 25. Mal veranstaltet wird und noch bis Freitag andauert, ins Leben gerufen wurde. Das berichtet zumindest der Veranstalter, die dfv Euro Finance Group. Das liegt aber sicher weniger daran, dass die Themen so langweilig waren, dass sich die Teilnehmer hätten mit Kaffee wach halten müssen. Denn in dem Vierteljahrhundert seit Gründung der renommierten Konferenzwoche ist am Finanzplatz eine Menge passiert: die Euro-Einführung 1999, die Dotcom-Blase im Jahr 2000, der 11. September 2001, die Lehman-Pleite mit der anschließenden Finanzkrise 2008, der Brexit 2016, Corona 2020.

          Daniel Schleidt
          Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das eindrucksvollste Bild, wie schnell sich die Welt verändert, liefert der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter KfW-Bank, Stefan Wintels: Er hält ein altes Nokia-Handy nach oben, wie es vor 25 Jahren Stand der modernsten Technik war. Für Wintels sind solche Merkmale eine Mahnung, „wie rasant der Wandel ist“. Vor 25 Jahren, erinnert auch die Staatssekretärin im Bundesfinanziministerium, Luise Hölscher, habe die Inflationsrate noch unter einem Prozent gelegen, habe die Europäische Zentralbank erst in den Startlöchern gestanden und der russische Finanzminister angesichts der Krise des Rubels versprochen, Russland werde sich näher an den Westen anlehnen. „Heute kann man sich all das kaum mehr vorstellen.“

          Erinnerungen: Die Euro Finance Week blickt auf frühere Jahre zurück, als Petra Roth noch Oberbürgermeisterin und Josef Ackermann Deutsche Bank-Chef waren.
          Erinnerungen: Die Euro Finance Week blickt auf frühere Jahre zurück, als Petra Roth noch Oberbürgermeisterin und Josef Ackermann Deutsche Bank-Chef waren. : Bild: Wolfgang Eilmes

          Die Euro Finance Week hat stets die Krisen ihrer Zeit beleuchtet, das beweist ein Blick in die Programme der vergangenen 25 Jahre. Doch die aktuelle Situation der Volkswirtschaft erscheint komplexer und undurchsichtiger als alles, was in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten in der Branche passiert ist.

          Banken noch nicht im Krisenmodus

          Das findet auch Lutz Diederichs, der seit 30 Jahren im Geschäft und heute Deutschlandchef der französischen Großbank BNP Paribas ist, die in Frankfurt ihren Deutschland-Sitz hat. „Demografie, Covid, Klima, Lieferkettenprobleme, Inflation und, und, und“ – die Untergangsszenarien, die derzeit vor allem für die deutsche Wirtschaft gemalt würden, seien auf die Vielfalt und Komplexität der Herausforderungen zurückzuführen. Doch entgegen der großen Sorgen, so Diederichs, seien die Banken noch nicht im Krisenmodus, im Gegenteil: Die Geldhäuser in Deutschland profitieren in seinen Augen von der momentanen Zinswende relativ stärker als ihre europäischen Mitbewerber, weil die Einlagen hierzulande höher sind. „Niemand muss sich Gedanken um die deutschen Banken machen.“

          Auch der Co-Vorstandschef der DZ Bank, Cornelius Riese, warnt vor übertrieben schlechter Stimmung. Mal wieder werde Deutschland als kranker Mann Europas bezeichnet; doch angesichts der Widerstands- und Anpassungsfähigkeit vor allem des deutschen Mittelstands werde sich der ein oder andere noch wundern, „wie schnell der kranke Mann wieder laufen kann“, so Riese. Die Finanzbranche sei stabil, „die Lage ist besser als die Stimmung“, erklärt auch Commerzbank-Finanzchefin Bettina Orlopp.

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