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Start-ups beschweren sich : Bürokratie bremst Gründer aus

Fokussiert: Viele Gründer lassen sich in Co-working Spaces nieder – und profitieren vom dortigen Austausch. Bild: Daniel Vogl

Junge Unternehmen in der Rhein-Main-Region fühlen sich von der Flut gesetzlicher Auflagen behindert. Doch das ist nicht die einzige Hürde für Start-ups.

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          Das Wochenende war hinüber, und zwar komplett. Arne und Joel Schäufele hatten eigentlich andere Dinge vor: an ihrem neuen Produkt arbeiten, Kunden akquirieren, was man als Junggründer eben so macht. Doch stattdessen gehörten Samstag und Sonntag fünf Buchstaben: DSGVO, oder in lang: Datenschutzgrundverordnung. „Wir haben uns das ganze Wochenende um die Ohren geschlagen, um hier durchzusteigen“, erzählt Arne Schäufele.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im März vergangenen Jahres haben die Brüder zusammen mit zwei Freunden das Start-up Connfair gegründet, das eine Plattform zur Organisation von Messen und Konferenzen sein soll und sich im ersten Schritt mit den Themen Ticketing und Einlasskontrollen am Markt positioniert hat. Doch statt sich damit zu befassen, das Produkt bekannter zu machen, besser als die Konkurrenz zu sein und das Portfolio weiterzuentwickeln, müssen die vier Jungunternehmer sich immer wieder mit Themen beschäftigen, „für die wir eigentlich keine Zeit haben“, wie Schäufele sagt.

          Tim Hesse kennt das Problem. Er ist verantwortlich für das Privat- und Unternehmerkundengeschäft in der Marktregion Mitte der Commerzbank, zu der auch Hessen zählt. „Viele Gründer in Deutschland verschwenden zu viel Zeit mit bürokratischen Vorgaben“, sagt Hesse. Eine Studie der Frankfurter Großbank unter 3000 Gründern, von denen 100 in der Rhein-Main-Region beheimatet sind, bestätigt diesen Eindruck. Demnach ist die Bürokratie die größte Hürde bei Gründungen in Deutschland: Bundesweit gaben 45 Prozent Regulierung und gesetzliche Vorgaben als Hindernis an, in Rhein-Main waren es 36 Prozent. Gestern wurde die Studie vorgestellt. Arne Schäufele versteht, warum Verordnungen wie die DSGVO wichtig sind, „aber wir fühlen uns als Gründer vom Gesetzgeber alleingelassen“. Vor der eigenen Gründung habe er gedacht, ein Team aus einem Entwickler und einem Betriebswirt sei ideal, um ein neues Unternehmen erfolgreich zu machen. Doch inzwischen ist er überzeugt, dass jede junge Firma aufgrund der Vielfalt bürokratischer Auflagen auch einen Anwalt brauche. „Diese Entwicklung finde ich schwierig.“

          Firmengründung in acht Minuten

          Die Commerzbank will dieses Problem aufgreifen und Gründern künftig stärker als Berater denn nur als Finanzierungspartner zur Seite stehen, wie Hesse erläutert. An 330 Standorten bundesweit, an denen Unternehmerkunden beraten würden, gebe es nun auch speziell ausgebildete Gründungsexperten. Diese sollen zwar nicht die Funktion von Unternehmensberatern einnehmen, aber auch deutlich über den klassischen Bankansatz hinauswirken. So sollen Gründern wichtige Kontakte zum Beispiel zu Investoren, zu Mittelständlern oder zu Betreibern von Co-working Spaces vermittelt werden, um das Neugeschäft in Gang zu bringen. Zudem arbeitet die Commerzbank in Rhein-Main auch mit Dienstleistern wie dem Unternehmen Firma.de zusammen, das jungen Firmen hilft, bürokratische Dinge zu erledigen. Die Bank übernehme dafür einen Teil der Kosten, sagt Hesse.

          Reinhold Scheuss, der bei dem Wiesbadener Beratungshaus für die Unternehmensentwicklung verantwortlich ist, hat in den vergangenen Jahren mit vielen Start-ups zu tun gehabt, der bürokratische Aufwand sei als Hürde immer wieder aufgetaucht. Die Politik müsse dringend dafür sorgen, dass jungen Unternehmern weniger Steine in den Weg gelegt würden, findet er und verweist zum Beispiel auf Estland, wo eine Firmengründung innerhalb von acht Minuten digital möglich sei. Die Commerzbank-Studie offenbart aber noch mehr Aspekte, weshalb viele Gründungen scheitern, etwa die Frage der Finanzierung. Neun von zehn neuen Betrieben starten allein mit den Ersparnissen ihrer Gründer, ein Viertel davon hat als Startkapital weniger als 20.000 Euro zur Verfügung.

          So ähnlich erging es auch Connfair. Anfangs gingen die vier Gründer, die zuvor in sicheren Positionen in großen Konzernen wie SAP und KPMG angestellt waren, nur mit Eigenkapital ins Rennen. Als der Antrag für ein Startgeld der Förderbank KfW scheiterte, habe man einen Kredit von der Commerzbank erhalten. Nun sei Seed-Finanzierung, also die Beschaffung von Geld in einer frühen Phase von Unternehmen, nicht das Kerngeschäft der Commerzbank, erklärt Hesse. „In diesem Fall jedoch hat alles gepasst.“ Dass unter den vier Gründern von Connfair keine Frau ist, bestätigt auch einen Trend der Commerzbank-Studie. Demnach sind in der Rhein-Main-Region vier von fünf Gründern männlich. Arnd Schäufele findet das schade. Seine Freundin habe gesagt, Frauen seien vermutlich weniger risikobereit, berichtet der Unternehmer. Commerzbank-Manager Hesse findet den Befund gefährlich. „Hier geht unserem Land unglaublich viel volkswirtschaftliches Potential verloren.“

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