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Start-up mit Szenedrink : Weinschorle mit Hipsterbart

  • -Aktualisiert am

Haben die richtige Mischung: Annik Milstein und Dominic Zetzsche auf Kisten ihrer Getränkemarke Schorlefranz Bild: Maximilian von Lachner

Mit dem richtigen Marketing wird ein Getränkeklassiker zum Szenedrink, die Gründer von Schorlefranz haben es bewiesen. Ihre Produkte stehen deutschlandweit und in Österreich in den Supermarktregalen.

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          Man nehme einen spritzigen Weißwein, vermenge ihn mit Mineralwasser – und erhält eine Weinschorle. Dass sich auf diesem Klassiker ein Start-up aufbauen lässt, mag überraschen, aber der ausgebildete Winzer Dominic Zetzsche und seine Lebensgefährtin, die Marketing-Fachfrau Annik Milstein, haben es im Jahr 2016 versucht und in Gießen das Unternehmen Schorlefranz gegründet. Damit lagen sie im Trend und waren anfänglich einer der täglich mehr werdenden Getränkehersteller, inzwischen stehen ihre Produkte aber deutschlandweit und auch in Österreich in Supermarktregalen und auf Getränkekarten.

          Die Idee, aus Weinschorle ein Geschäftsmodell zu machen, kam Zetzsche, als er noch auf Weinfesten ausgeholfen hat. „Jeder wollte eine andere Mischung“, der eine mehr Wasser, der andere weniger. Stattdessen eine Mischung zu haben, die eine Mehrheit der Kunden anspricht, das wär’s, dachte Zetzsche. Dem Paar war allerdings klar, wenn schon das Getränk nicht innovativ ist, „dann müssen wir das Design richtig cool aufziehen“, so Zetzsche.

          Die Leute sollten wissen, was drin ist, daher war Schorle bei der Namensfindung gesetzt. Aus Firlefanz wurde dann irgendwann der Franz, später auch die Franzi für die Roséschorle. Beim Logo half ein Schulfreund Milsteins. Cornelius Uerlichs kreierte einen Typ mit Pudelmütze und prickelndem Vollbart, der seither viele Flaschen von Schorle­franz ziert. „Allerdings konnten wir Cornelius gar nicht bezahlen“, so Milstein. „Okay, dann mache ich mit“, konterte Uerlichs. Seither sind sie ein Dreierteam in der Geschäftsführung.

          Verträge mit fünf Weingütern aus Rheinhessen, Franken und der Pfalz

          Ihr Zielpublikum, so hatten es die Gründer erwartet, werde zwischen 18 und 30 Jahre alt sein. Dabei ist es nicht geblieben. „Es haben auch schon Altersheime bei uns gekauft“, erzählt Milstein. Im Rhein-Main-Gebiet konzentrieren sie ihren Vertrieb aber auf Szenelokale und Kioske wie das YokYok („Kunde der ersten Stunde“) und angesagte Wasserhäuschen. Der Wein für die Schorle, ein Cuvee aus Müller-Thurgau und Sauvignon Blanc, kommt von einem Winzer, der keine 100 Kilometer vom Unternehmenssitz entfernt die Reben anbaut.

          Mit fünf Weingütern aus Rheinhessen, Franken und der Pfalz – unter anderem auch mit Zetzsches ehemaligem Ausbildungsbetrieb – hat Schorlefranz Verträge abgeschlossen. Das Ziel sei, den Geschmack der einzelnen Schorle-Sorten immer gleichbleibend anbieten zu können. Zu 100 Prozent sei das aber nicht möglich, schließlich handelt es sich hier um ein Naturprodukt.

          In der Gründungsphase haben die Unternehmer den Wein regelmäßig selbst mit dem Pkw abgeholt und zur Weiterverarbeitung nach Butzbach gebracht. „Schon verrückt, was man alles selbst gemacht hat“, sinniert das Gründer-Paar. Sie seien damals im Gießener Land durch die Gastronomie getingelt, seien auf Festivals unterwegs gewesen und hätten die Leute direkt angesprochen. Erst später, zu Beginn der Corona-Krise, haben sie ihren Onlineshop aufgebaut. „Seitdem können wir davon leben.“

          Mehr als 30 Mitarbeiter

          Längst gibt es nicht nur Schorle unter dem Namen Franz. 2018 kam Glühfranz auf den Markt, verschiedene Glühwein-Mischungen, mit und ohne Alkohol, die inzwischen zu den Bestsellern zählen. Aber nicht alles lief gut. Die Mischung aus Cold Brew Coffee und Tonic Water hatten die Hessen in Zürich entdeckt, verkostet und für gut befunden. Doch ihre eigene Kreation des Mixgetränks war nicht erfolgreich. „Es war eine Erfahrung wert“, sagen sie heute. Bessere Erfahrungen haben sie mit Getränkepaketen gemacht, etwa für eine Feuerzangenbowle. Zudem wuchs das Sortiment um Sekt, Wein und Limonaden, Gelees und Aufstriche. Dazu werden mit dem Firmenlogo bedruckte Weingläser, Taschen oder Shirts im Internet-Verkauf angeboten.

          Seit den Anfängen ist eine Menge passiert: Das Paar hat seitdem zwei Kinder bekommen. Den jüngsten Familienzuwachs, der in diesem Jahr auf die Welt gekommen ist, schuckelt Zetzsche im Tragetuch. Aus dem Trio wurde eine Belegschaft von etwa 35 Mitarbeitern, die zum großen Teil in Teilzeit arbeiten. Der Firmensitz ist im vierten Stock eines historischen Fabrikgebäudes in Gießen und bietet noch Raum für neue Mitarbeiter, die nach Aussage der Geschäftsführer nicht so leicht zu finden sind.

          Dennoch glauben sie fest an weiteres Wachstum in der Zukunft? Ideen dafür hat Zetzsche, der in Berlin geboren ist, reichlich. „Das Geschäft wird sich nicht unbedingt auf Wein konzen­trieren“, sagt er. Er erzählt von Trüffelrisotto, Punsch und einem weiteren Glühwein. Ganz sicher wollten sie das alkoholfreie Sortiment ausbauen. Wie viel sich damit verdienen lässt, wollen Zetzsche und Milstein nicht offenlegen. „Aber so viel können wir sagen: Bis jetzt konnten wir unseren Umsatz jedes Jahr um ein Vielfaches steigern.“

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