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Nachwuchs im Digital-Sektor : Ferienlager für Programmierer von morgen

  • -Aktualisiert am

„Kinderleicht“? Im Robo-Studio können Schüler während der Ferien kindgerecht Programmieren lernen. Bild: Frank Röth

Klassische Ferienlager sind out. Jetzt können Kinder in der freien Zeit etwas lernen – und zwar Programmieren! Das Start-up „Robo-Studio“ macht Kinder fit für die digitale Zukunft.

          3 Min.

          Große Ideen entstehen häufig zu Hause. Geradezu legendär sind die Gründungsgeschichten von Apple und Amazon, die beide in Garagen anfingen. Doch um die digitale Welt mit großen Ideen zu erobern, braucht es Nachwuchs, der programmieren kann. Der Unterricht an vielen Schulen kann die Jugend – vor allem Mädchen – für Informatik oft wenig begeistern oder setzt zu spät an. Robo-Studio, ein Start-up aus Frankfurt, macht diese Lücke zum Geschäftsmodell. Ein beiges Einfamilienhaus in Sachsenhausen: Metalltor, niedriger Zaun, grüne Hecke. Nur ein Schild über dem Torbogen weist darauf hin, dass hier 2017 Robo-Studio gegründet wurde. Kannika und Detlev Barthel, die seit mehr als 30 Jahren verheiratet sind, wollen Kindern die Welt der Informatik und Robotik spielerisch näherbringen. Das gehe schon bei Fünfjährigen.

          Das Haus der Familie Barthel ist in den Schulferien zu einem Informatik-Camp geworden. Im einstigen Wohnzimmer bauen Grundschüler noch an einem Lego-Roboter mit roten Leuchtaugen und Rädern als Füßen. Im Wintergarten, der zur Spielfläche umfunktioniert worden ist, programmieren andere schon die Bewegungen ihres Roboters. Auf einer Tischplatte soll der selbstgebaute Miniroboter Anweisungen ausführen. Wenn die Sensoren des Roboters unter sich die Farbe Weiß erkennen, muss er gegensteuern, bis er wieder auf der vorgezeichneten schwarzen Linie über den Tisch fährt. Möglich ist das durch eine einfache, visuelle Programmiersprache: Die Kinder schauen auf einen großen Bildschirm, auf dem statt kryptischer Textbefehle eine Anleitung mit Bildern zu sehen ist.

          Existenzgründer des Robo-Studios: Kannika und Detlev Barthel
          Existenzgründer des Robo-Studios: Kannika und Detlev Barthel : Bild: Wolfgang Eilmes

          Etwa 25 Kinder toben seit 8.30 Uhr in mehreren Stockwerken des Hauses, aufgeteilt nach Altersgruppen. Die Kurse seien sehr gut besucht, sagt Detlev Barthel. Am Anfang, vor etwa zwei Jahren, sah es anders aus. „Wir haben Kurse mit zwei Kindern gestartet, weil wir didaktische Erfahrung sammeln mussten“, sagt Detlev Barthel. Der 61 Jahre alte Diplomphysiker mit einem Faible für Lego-Roboter hat sich mit Youtube-Tutorials das Programmieren selbst beigebracht. Gleichzeitig wuchs die Idee, mit seinem Interesse Geld zu verdienen und Kurse anzubieten. „Wir haben von Anfang an schwarze Zahlen geschrieben“, sagt Barthel, der ein T-Shirt von einer Robotik-Meisterschaft in Offenbach trägt. Der Grund dafür ist, dass die Barthels die Kurse zu Hause anbieten – oder direkt in Schulen zu Zweit- bis Viertklässlern gehen.

          Auch Blinzeln muss programmiert werden

          Robo-Studio ist ein Familienunternehmen: Ehefrau Kannika, 61 Jahre alt, studierte Gemmologin, führt die Geschäfte, ihre drei Söhne helfen aus, indem sie Java-Kurse für Kinder von 12 Jahren an geben. Ab und zu helfen sie der Oma beim Kochen aus. Tatsächlich wirkt das Sommercamp wie ein Hort, zu Mittag werden die Kinder gruppenweise mit Essen versorgt. Es gibt Pita mit Hähnchengeschnetzeltem oder mit Tofu für dreißig hungrige Bäuche. 260 Euro kostet ein fünftägiger Ferienkurs. Diese gehen täglich von 8.30 bis 15.30 Uhr.

          Roboter mit Rollen: Die Kinder durften selbst daran arbeiten.
          Roboter mit Rollen: Die Kinder durften selbst daran arbeiten. : Bild: Wolfgang Eilmes

          Die Familie hat ihren Keller zu Unterrichtsräumen ausgebaut. In einem der Räume steht ein Schokoladendrucker, der das Prinzip des 3D-Drucks veranschaulichen soll. Im Nebenraum sitzen acht Jungen und Mädchen, die nicht älter als 13 Jahre alt sind, im Java-Kurs. „Zeig mal dein Update“, sagt ein Junge zu seinem Nachbarn. „Versuch 20 statt 2000“, sagt ein Mädchen. Ein unwissender Beobachter kommt kaum hinterher.

          „Es ist nicht so schwer“, sagt Barthel und lacht, „sondern nur eine Gewöhnungssache. Du hast Deutsch gelernt, du hast Englisch gelernt, und dann lernst du eben noch eine Programmiersprache.“ Die Kinder sollen innerhalb von einer Woche unter Anleitung lernen, ein digitales Aquarium mitsamt Lebewesen und Pflanzen zu erschaffen. Die Kinder geben Befehle ein. Fische ploppen auf, sie wechseln plötzlich ihre Schwimmrichtung und prallen von den Rändern der 2D-Fläche ab. Selbst das Blinzeln der Fische und Frösche will programmiert sein. Ekaterina Sacharova unterrichtet die Kinder im Untergeschoss. Sie ist Studentin für Kommunikationsdesign und Elektronische Medien an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

          Sacharova gibt in ihren Computer einen Code ein, der auf dem Bildschirm an der Wand erscheint. Die Schüler tippen ihn auf den Laptops nach. Die Idee mit dem digitalen Aquarium kam von ihr. Das Robo-Studio trifft den Zeitgeist: 95 Prozent der Jugendlichen in Deutschland besitzen ein Smartphone. Nur die wenigsten aber können programmieren. Außerdem ist jede dritte Schule bislang ohne W-Lan-Anschluss. Im Februar hat die Bundesregierung den Digitalpakt verabschiedet. Mehr als fünf Milliarden Euro stellt die Regierung für W-Lan, Computer und digitale Lerninhalte zur Verfügung. Je Schüler stehen heruntergerechnet nur 100 Euro jährlich bereit. Solange die Ausgaben für digitale Bildung so gering ausfallen, liegt es vor allem an Unternehmen wie Robo-Studio, sich um den digitalen Nachwuchs zu kümmern.

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