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Start-Up aus Hofheim : Auf Glückssuche im Internet

  • -Aktualisiert am

Macht das Glück zum Geschäft: der Unternehmer Denis Martin Bild: Lando Hass

Mit dem Internetportal Hapily hat der Unternehmer Denis Martin eine Online-Glücksakademie gegründet. Hier können Nutzer ganz pragmatisch ihr persönliches Glück finden.

          2 Min.

          Die Suche nach dem persönlichen Glück treibt Menschen seit Jahrhunderten an, Philosophen haben es immer wieder ganz unterschiedlich interpretiert. Manchem reicht die Abwesenheit größerer Katastrophen schon zum persönlichen Glück, andere suchen ihr Leben lang nach immer mehr davon. Der Hofheimer Unternehmer Denis Martin hat nun eine Online-Glücksakademie gegründet, mit deren Hilfe Menschen die Suche nach dem eigenen Glück ganz pragmatisch angehen können. Auf der Internetseite von Hapily kann man zunächst einen kostenlosen Glückstest machen, der alle Lebensbereiche vom Beruf über Familie, Freundschaften, Partnerschaft und Sexualität, Gesundheit und Spiritualität ausleuchtet.

          Algorithmen werten das Ergebnis aus und verschicken das Ergebnis als E-Mail zusammen mit Coaching Tipps. Kostenpflichtig wird das Ganze, wenn man den Kern des Unternehmens bucht, einen Online-Kurs in acht Modulen oder ein ganz individuelles persönliches Coaching. Zwischen 250 Euro (Online-Kurs zum Frühbucher-Preis) und vierstelligen Summen für ein individuelles Coaching-Paket sind dafür fällig.

          „Ich bin selbst ein gutes Beispiel dafür, dass man jahrelang in seinem Beruf unglücklich sein kann“, sagt Martin. Er sei lange Zeit den falschen Zielen hinterhergelaufen. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft hat er zunächst bei einem Traditions-Hersteller von Luxusautos gearbeitet, später auch als Manager und Co-Gründer ganz unterschiedlicher Start-ups. „Ich habe mich immer wieder neu von spannenden Geschäftsideen verleiten lassen.“ Bis ein Burnout und eine längere depressive Phase ihn zum Umdenken brachten und er selbst ein Coaching in Anspruch nahm.

          „Das Unternehmer-Gen in mir“

          Fortan habe er gewusst, dass er diese Erfahrung weitergeben wollte, berichtet Denis Martin. Er machte eine Coaching-Ausbildung bei einem etablierten Institut in München und sich als Coach selbständig. „Ich wollte das wissenschaftlich angehen und nicht nur zwei Bücher lesen, um mich dann als Coach zu feiern.“ Die Berufsbezeichnung sei schließlich nicht geschützt. Als er den Unternehmer Marcus Börner, einen Freund aus Hofheimer Schultagen, in Berlin wiedertraf, der selbst ein Reisebuch über Glücksvorstellungen in den verschiedenen Teilen der Welt geschrieben hat, ließ er sich davon überzeugen, „das Unternehmer-Gen in mir“ wieder zu wecken. Die Idee zu Hapily war geboren, Börner ist Co-Gründer und Anteilseigner, Denis Martin Gründer, Mitinhaber und Geschäftsführer.

          „Natürlich gehen eher Menschen auf unsere Seite, die grundsätzlich ein Defizit verspüren, nicht die rundum Zufriedenen“, sagt er. Seit Mitte Mai ist die Seite freigeschaltet, seither haben schon mehrere tausend Menschen den unverbindlichen Glückstest gemacht. „Es gibt Online sonst keinen Test, der so umfangreich ist“, behauptet der Gründer, selbst der Harvard-Glückstest (basierend auf der Harvard Studie zum Thema) sei weniger komplex. Die Freischaltung des Online-Pakets startet Mitte Juli, eine Mischung aus Selbststudium und einmal wöchentlicher Videotelefonie mit persönlichem Austausch in überschaubaren acht Modulen.

          Auch Einzelcoachings werden über Videotelefonie angeboten, Klienten und die verschiedenen Coaches seien in ganz Deutschland verstreut. Nach dem Online-Kurs sei man nicht automatisch für den Rest des Lebens glücklich, man müsse die eigenen Ansprüche immer ehrlich hinterfragen. „Glück ist nicht statisch, sondern ein dynamischer Prozess.“

          Das Thema Coaching ist längst salonfähig geworden. „Die Menschen gestehen sich heute eher eine gewisse Grundbedürftigkeit ein“, erläutert Martin. „Es gibt aber eine deutliche Abgrenzung zwischen Coaching und Psychotherapie, denn wir arbeiten auf keinen Fall mit pathologischen Fällen.“ Dass das Glücklichsein immer schwerer werde, kann er bestätigen. „Wir sollen makellos schön sein, schlank sowieso, Beruf, Partnerschaft und Kinder hundertprozentig vereinbaren.

          Ständig werden wir mit vermeintlichen Idealbildern konfrontiert und laufen diesen dann verzweifelt hinterher.“ Jeder müsse aber lernen, sein eigenes Ich zu finden, seinen persönlichen Glückslevel nach einer Art „innerer Inventur“. Und wann ist der 37 Jahre alte Gründer selbst glücklich? „Wenn ich im Flow bin und Ruhe habe. Glück bedeutet für mich, mein authentisches Ich zu leben und jeden Tag mit dem Gefühl aufzustehen, etwas Sinnvolles zu tun.“

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