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Standort-Konflikt : Binding braucht Frankfurt

Brauerei sieht sich durch neues Wohn- und Mischgebiet bedroht: Binding in Frankfurt Bild: Frank Röth

Die Binding Brauerei sieht ihren Stammsitz bedroht. Binding, Henninger oder Schöfferhofer könnten auch anderswo gebraut werden - sie sind keine Herkunftsbezeichnung. Eine andere Frage ist, ob Binding und Henninger sich von Frankfurt nicht entfremden würden.

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          Die Radeberger Gruppe mit Sitz in Frankfurt-Sachsenhausen baut für mehr als 20 Millionen Euro eine neue Braustätte. Nicht in ihrer Heimatstadt – sondern in Nürnberg. Am Sachsenhäuser Berg hatte das Unternehmen, das vor 2004 Binding-Brauerei AG hieß, noch bis vor wenigen Wochen seinen Betrieb ausbauen wollen. Doch nun ist von dieser Großinvestition keine Rede mehr.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Gegensatz zur Stadt Frankfurt sieht Radeberger den Plan, rund um den benachbarten Henninger Turm Büros und Wohnungen zu bauen, als Bedrohung für die Zukunft der Brauerei an, da sich Lärmschutzvorgaben zu Lasten des auf Hochtouren laufenden Betriebs ändern. Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer warnt schon vor einer „brauereifreien Zone“ in einem Viertel, in dem es einst zahlreiche Brauereien gab.

          Biermarkt seit Jahren rückläufig

          Ungeachtet der Frage, ob Radeberger um ein Gelände abseits von Wohnungen pokern will, ist eines erwiesen: Großbrauereien sind nicht in Stein gemeißelt. So haben sich in Sachsenhausen nicht nur Hausbrauer verabschiedet. Seit dem Erwerb der Henninger-Bräu zum Jahresende 2001 braut Binding Marken des früheren Konkurrenten mit. Der Henninger-Betrieb am Hainer Weg ist abgerissen – zugunsten neuer Wohnungen und Büros.

          Dass die Binding die Henninger-Biere ohne Schwierigkeiten produzieren kann, liegt an freien Kapazitäten. Diese sind wiederum dem seit Jahren rückläufigen Biermarkt geschuldet. 2007 gingen die Verkäufe um mehr als drei Prozent zurück, für dieses Jahr geht Kallmeyer von einem Rückgang um vier Prozent aus.

          Angesichts dessen kann es nicht verwundern, wenn Kallmeyer meint, ein Neubau einer Brauerei wäre ein mutiger Schritt. Diesen geht Radeberger in Nürnberg mit der Tochter Tucher auch nur, weil dem Unternehmen das Brauereigelände nicht gehört und der Eigentümer für das Areal anderes im Sinn hat als Bier.

          Frankfurt - Standort des Herzens

          Und was wird, falls die Stadt Frankfurt die Bedenken bei Radeberger nicht entkräften kann? Frankfurt sei der Standort des Herzens, versichert Kallmeyer. Radeberger zahlt ein bis zwei Millionen Euro Gewerbesteuer im Jahr, wie er sagt. Nur: Binding, Henninger, Schöfferhofer und Clausthaler könnten auch anderswo gebraut werden – sie sind keine Herkunftsbezeichnung. Kapazitäten dürften sich im Konzern finden lassen. Eine andere Frage ist, ob Binding und Henninger sich von Frankfurt nicht entfremden würden. Gerade hessische Konkurrenten dürften sich die Gelegenheit, dies auszunutzen, nicht entgehen lassen.

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