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Stadt lebt vom Verkehr : Frankfurt und das Auto

Bühnenreif: Kanzlerin Merkel hat die Internationale Automobil-Ausstellung eröffnet, für die Frankfurt zur Heimat geworden ist. Jedenfalls bisher Bild: dpa

Keine Großstadt hat ihr Schicksal derart mit dem Auto verknüpft wie Frankfurt. Die Stadt macht aber Politik gegen das Auto. Es gilt, zu Maß und Mitte zurückzufinden und zu bewahren, was Frankfurt ausmacht.

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          Keine Großstadt hat ihr Schicksal derart mit dem Auto verknüpft wie Frankfurt. Die Mainmetropole ist der Einpendlerort Nummer eins in Deutschland, sie schwillt tagsüber zur Millionenstadt an, und wie die Bahngleise sind auch die Einfall- und Durchgangsstraßen die Lebensadern dieser Großstadt, die ihre Existenz ohnedies nur dem Verkehr verdankt, ihrer zentralen Lage nämlich.

          So fügt es sich, dass diese Stadt auch zur Heimat der gerade eröffneten Internationalen Automobil-Ausstellung geworden ist. Eine der stärksten Industrien Deutschlands in der Wirtschaftsmetropole des Landes: das passt. Insofern ist mit größter Sorge zu betrachten, wenn sich diese Branche selbst beschädigt und zudem beschädigt wird, wie es auch alarmierend ist, wenn Frankfurt leichtfertig seine Erreichbarkeit mit dem nach wie vor wichtigsten aller Verkehrsmittel zu opfern beginnt.

          Diskurs mit ihren Kritikern geöffnet

          Wie sich Mobilität im Zeitalter des Klimaschutzes wandeln soll, muss die Gesellschaft aber natürlich erörtern. Schon deshalb hat die IAA weiter ihre Berechtigung. Die Automobilbranche hat sich dem Diskurs mit ihren Kritikern in einer Weise geöffnet, von der sich die Banker eine Scheibe abschneiden könnten, die in der Finanzkrise schlicht abtauchten.

          Dass das Stadtoberhaupt erstmals nicht während der IAA-Eröffnung sprechen durfte, ist schon insofern bedauerlich, als Peter Feldmann (SPD) zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Messe ist. Er hätte dem Verband mit guten Argumenten zureden können, dass die IAA eine Fortsetzung findet – und eben nicht nur als Leistungsschau, sondern gerade auch als ein Ort des Diskurses.

          Maß und Mitte

          Denn auch dafür steht Frankfurt: dass die Stadt oft ein Labor der Zukunft gewesen ist. Das gilt auch für die Frage des innerstädtischen Verkehrs. Mit dem IHK-Präsidenten Ulrich Caspar hat erstmals jemand eine Gegenposition zur gegenwärtigen Verkehrspolitik bezogen und daran erinnert, dass eine Abkehr vom täglich tausendfach genutzten Auto großen Schaden anrichten kann.

          Vergangene Woche haben die Kammer und 15 weitere Organisationen, darunter so unterschiedliche wie der ADAC und der VCD, einen Masterplan Verkehr gefordert. Es wäre klug, würde die Stadtregierung, die bei diesem Thema zunehmend überfordert wirkt, darauf eingehen. Es gilt, zu Maß und Mitte zurückzufinden und zu bewahren, was Frankfurt ausmacht: eine Stadt, die vom Verkehr lebt.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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