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Spielcasinos : Das Ende des Croupiers

Aussterbende Spezies? Weibliche Croupiers
          2 Min.

          Abseits der großen Diskussionen um die Tarife im öffentlichen Dienst hat sich die Gewerkschaft Verdi gestern in Wiesbaden eines in der Öffentlichkeit sonst eher wenig beachteten Themas angenommen: Der tiefgreifenden Veränderung in der Welt der Spielbanken und ihrer Auswirkungen auf die Croupiers. Und da gibt es anscheinend durchaus Beunruhigendes zu vermelden: etwa die Sache mit der Trinkgeldtaste.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dazu muß man wissen: Croupiers in Spielbanken leben traditionell nicht von einem festen Salär, sondern von dem Trinkgeld, das ihnen glückliche Gewinner nach einer ungeschriebenen Benimmregel mit den Worten „fürs Personal“ in Form von Jetons zukommen lassen. Diese Tradition wollte man auch beibehalten, als die Wiesbadener Spielbank vor zwei Jahren als erste in Deutschland mit Online-Roulette im Internet begann.

          Aber: „Die Trinkgeldtaste, die man im Internetauftritt eingebaut hat, wird kaum bedient“, klagt Bernhard Stracke, der Spielbankenexperte von Verdi. Wenn die Menschen zuhause im Wohnzimmer ohne soziale Kontrolle Roulette spielten, sei die Versuchung offenbar groß, die Runde „fürs Personal“ einfach zu überspringen. Leittragende seien die Croupiers.

          „Den Fehler nicht wiederholen“

          Die Gewerkschaft befürchtet überdies einen tiefgreifenden Strukturwandel in der Branche. Viele Spielbanken stünden in den Startlöchern, es den Wiesbadenern gleich zu tun und ins Internet zu gehen. Besonders konkret seien die Vorstöße in Niedersachsen. „Wir wollen nicht den Fehler wiederholen, den wir gemacht haben, als in den siebziger Jahren das Automatenspiel in die Spielcasinos einzog“, sagt Stracke. Damals habe das niemand ernst genommen, obwohl es gewaltige Auswirkungen auf die Branche gehabt habe.

          In Wiesbaden gebe heute es 218 Spielbankmitarbeiter. Von denen seien 105 Croupiers im klassischen Spielbetrieb und 15 im Automatenspiel - obwohl mit den Automaten längst mehr Umsatz gemacht werde als mit dem klassischen Spiel. Das Internetspiel brauche noch weniger Personal: Mit einem Dutzend Mitarbeitern könnte man im Grunde erledigen, was heute mehrere Hundert Beschäftigte im Automatenspiel in ganz Deutschland täten. Als Folge befürchtet Verdi den Verlust von Hunderten von Arbeitsplätzen.

          Stellenabbau in den Spielbanken hat es Verdi zufolge auch in den vergangenen Jahren schon gegeben. Etwa 6500 Beschäftigte gebe es derzeit in den 80 deutschen Spielbanken. In der Regel seien die Arbeitsplätze „sozialverträglich“ abgebaut worden. Betriebsbedingte Kündigungen habe es nur in einem Fall gegeben: der Spielbank in Mainz, die 28 Mitarbeitern oder 25 Prozent der Belegschaft gekündigt habe. Mehrere Spielbanken waren in Schwierigkeiten geraten. Die Zahl der Roulettespieler ist wohl insgesamt eher rückläufig. Die Institution in Westerland auf Sylt stand schon vor der Schließung, in Bad Pyrmont und Hittfeld konzentrierte man sich ganz auf das Automatenspiel.

          Zum „Zocken“ verlocken

          Als eine grundsätzliche Gefahr für eine vernünftige Spielbankenpolitik sieht Stracke die hohen Erträge, die jedes Land aus seinen Spielbanken zieht - die Konzessionäre müssen mehr als 90 Prozent abführen. Die Gesamtsumme, um die es dabei in Deutschland gehe, liege knapp unter einer Milliarde Euro im Jahr. In den vergangenen Jahren hätten deshalb viele Länder neue Spielbanken aufgemacht, zum Teil sogar gezielt an den Landesgrenzen, um ein Abfließen von Erträgen zu verhindern. Auf diese Weise sei die Zahl der Spielbanken seit den achtziger Jahren von 15 auf 80 gestiegen.

          Im Internet ist bis jetzt nur Wiesbaden legal tätig, dort dürfen eigentlich auch nur Hessen spielen. Rund 2000 ausländische Anbieter im Netz sollen jedoch zum „Zocken“ verlocken. Das ist zwar nicht erlaubt, kann aber offenbar schwer kontrolliert werden. In Wiesbaden überträgt man das Roulette mit einer Kamera vom echten Spielsaal ins Internet. Betriebsrat und Unternehmensleitung streiten gerade über eine zweite Kamera - sogar vor Gericht.

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