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Sparkassen : Verhaltener Stolz in der Region

In guter Verfassung: Die Sparkassen der Region. Bild: AP

Die Manager der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute haben Oberwasser. Jahrelang mussten sie sich der Kritik erwehren, die Häuser verzerrten den Wettbewerb, weil den Politikern in den Verwaltungsräten die Rendite egal sei.

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          So also klingt es, wenn ein Funktionär rundherum zufrieden ist. „Die stabilisierende Wirkung der Sparkassen auf unsere Volkswirtschaft ist unumstritten“, verkündete Gerhard Grandke kürzlich. „Sparkassen gelten eben nicht mehr als Auslaufmodell oder als antiquiert.“ Und nicht ihr eigenes Geschäftsmodell werde hinterfragt, fügte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen an, sondern das der großen Banken. „Deshalb ist es kein Zufall, dass Sparkassen zuletzt deutliche Vertrauenszuwächse verbuchen konnten.“

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          So und ähnlich ist es in diesem Frühjahr landauf, landab zu hören. Die Manager der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute haben Oberwasser. Jahrelang mussten sie sich der Kritik erwehren, die Häuser in Trägerschaft von Städten und Landkreisen verzerrten den Wettbewerb, weil den Politikern in den Verwaltungsräten die Rendite egal sei – anders als den Aktionären der Großbanken, weshalb die Sparkassen mit günstigeren Konditionen auf Kundenfang gehen könnten. Namentlich der frühere Chef der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, blies zum Sturm. Als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken kritisierte er über Jahre die Wettbewerbsvorteile der Sparkassen; gerne hätte die Commerzbank die Frankfurter Sparkasse übernommen, als 2005 für das schwer angeschlagene Haus dringend ein solventer Eigentümer gesucht wurde.

          Die Klage über die Sparkassen ist verstummt

          Doch das war in einem anderen Zeitalter. Zwischenzeitlich musste die Commerzbank selbst in aller Eile vom Bund gerettet werden, und seitdem wird es der Konkurrenz heimgezahlt. Kaum ein Auftritt eines Sparkassendirektors in der Region vergeht ohne ein Klagelied darüber, dass die Commerzbank für das Einrichten eines Girokontos ein Begrüßungsgeld in Höhe von 50 Euro zahlt. Wettbewerbsvorteil dank Staatshaftung – so nennt Grandke das. In der Kurzversion: unfair.

          Tatsächlich ist angesichts der Milliardenlöcher, die sich anderswo in der Finanzkrise auftaten, die Klage über die Sparkassen verstummt. Ganz so stabil, wie es Grandke darstellt, ist ihr Geschäft allerdings keineswegs. Die Nassauische Sparkasse hat in der Finanzkrise keinen Brandherd ausgelassen; bei Lehman, der IKB und in Island verlor sie 2008 zusammen 59 Millionen Euro, was in etwa dem entsprach, was das Haus im ganzen Jahr im Geschäft mit seinen Kunden verdient hatte. Das Ergebnis der Frankfurter Sparkasse wurde 2009 mit 39 Millionen Euro durch Kulanzzahlungen an Kunden belastet, denen die Anlageberater Lehman-Zertifikate, die inzwischen nahezu wertlos sind, angedreht hatten.

          Alles, nur keine Experimente mehr

          Schon in den Jahren zuvor hatten vor allem diese beiden Großsparkassen im Rhein-Main-Gebiet die Ausflüge in das ganz große Geschäft teuer bezahlt. Die regionalen Kreditinstitute leiden durchweg darunter, dass es in Rhein-Main an einem breiten industriell geprägten Mittelstand fehlt, der regelmäßig für neue Werkshallen oder Maschinen Darlehen benötigte. Wohin also mit den Millioneneinlagen der Kunden? Bei der Frankfurter Sparkasse wurde die Kreditvergabe in den neunziger Jahren leichtsinnig – sogar ein griechisches Fährschiff wurde finanziert –, bei der Nassauischen Sparkasse misslang der Ausflug ins Kapitalmarktgeschäft mit einer Tochtergesellschaft in Dublin. Die Frankfurter wurden schließlich 2005 an die Landesbank Hessen-Thüringen verkauft, die Naspa Dublin übernahm 2009 der Sparkassenverband, um sein Wiesbadener Mitgliedsinstitut zu retten.

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