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„Screwfix“ in Offenbach eröffnet : Der etwas andere Baumarkt aus Großbritannien

Neuer Dreh: Die Screwfix-Baumärkte aus Großbritannien, die es nun auch in Rhein-Main gibt, versprechen viel Beratung, Qualität und Zeitersparnis. Bild: Kretzer, Michael

Unter Baumärkten tobt in Deutschland ein größerer Kampf als sonst irgendwo. Der britische Branchen-Riese Kingfisher will auf dem größten Markt in Europa mitmischen und hat seinen ersten Screwfix-Markt eröffnet – in Rhein-Main.

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          Es ist nicht der erste Versuch des britischen Kingfisher-Konzerns, auf dem deutschen Hand- und Heimwerkermarkt Fuß zu fassen. Doch das Engagement der Briten bei Hornbach (Slogan: „Mach’ es zu Deinem Projekt“) endete im Frühjahr, als sich für die Unternehmerfamilie Hornbach nach 13 Jahren die Gelegenheit bot, den britischen Investor wieder loszuwerden – gegen eine Zahlung von 100 Millionen Euro allerdings. Geld genug dürfte der größte europäische Baumarktbetreiber also in der Kriegskasse haben für den neuen Anlauf mit seinen Screwfix-Märkten. Mit vier Dependancen sind die Briten nun in Deutschland an den Start gegangen. Drei davon haben sie im Rhein-Main-Gebiet eröffnet, in Offenbach, Dreieich und Hanau. Der vierte ist in Koblenz angesiedelt. Offenbach beherbergt außerdem die Deutschlandzentrale. Alles in allem beschäftigt Screwfix zurzeit 100 Mitarbeiter in Deutschland: 40 in der Zentrale, 60 in den Märkten. In Großbritannien hält sich die Kette seit 15 Jahren erfolgreich am Markt.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Warum der Beginn gerade in Rhein-Main? Die zentrale Lage der Metropolregion mit der guten Verkehrsanbindung inklusive Flughafen sei ideal, sagt Bernd Hilscher, General Manager von Screwfix Deutschland. Ein Zeitrahmen für eine weitere Expansion sei noch nicht zu nennen. Auch nicht, ob man, quasi Zug um Zug, aus der Region heraus nach allen Seiten wachsen oder in weiteren Ballungszentren neue Satelliten eröffnen werde.

          Schrauben direkt an die Baustelle liefern lassen

          Einmal eben noch eine Baumarktkette eröffnen reicht nicht, um in einer derart umkämpften und intensiv beackerten Branche wie dem deutschen Hand- und Heimwerkermarkt rentabel zu sein, das weiß man auch bei Screwfix. Aber die Briten glauben, dass sie mit einem Konzept, das sich vom üblichen Baumarkt grundlegend unterscheidet, in eine lukrative Lücke stoßen und sie gewinnbringend besetzen können.

          Die Briten bieten ihre Werkzeuge, Schrauben und Elektrogeräte im Internet, im gedruckten Katalog und direkt an den Verkaufstheken der Filialen an. Der Kunde kann die Waren via Rechner, Handy oder Tablet ordern und sie sich beispielsweise direkt an die Baustelle liefern lassen, was für Handwerker einen wichtigen Zeitgewinn bedeutet, wie Hilscher sagt. Bestellungen kann man sich aber auch per Express und von 40 Euro an sogar gratis nach Hause schicken lassen. Was montags bis donnerstags bis 19 Uhr online bestellt werde, komme noch am nächsten Tag an, verspricht Screwfix. Wenn man die online gewählte Ware lieber selbst abholt, soll sie innerhalb von Minuten an der Theke des gewünschten Marktes bereitliegen.

          Screwfix-Märkte sind kleiner als Hornbach, Obi und Bauhaus

          Und schließlich kann der Kunde natürlich, wie bei der Konkurrenz auch, in einem der Märkte einkaufen. Allerdings wird er dabei rasch feststellen, dass sich Screwfix tatsächlich grundlegend vom üblichen Baumarkt unterscheidet, denn die Märkte sind viel, viel kleiner als die von Hornbach, Obi und Bauhaus. Dort können es durchaus mehr als 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche sein. Die gerade eröffneten Screwfix-Märkte kommen hingegen mit 600 bis 1000 Quadratmeter aus. Es finden sich zwar auch Regale mit Waren. Im Mittelpunkt steht aber eine Theke, hinter der professionelle Handwerker und Heimwerker Screwfix-Mitarbeiter vor sich haben. Sie drücken ihnen entweder das schon elektronisch Georderte sofort in die Hand, oder sie beraten die Kunden und holen anschließend das gewünschte Material oder Werkzeug aus dem Lager.

          Screwfix ist ein bisschen eine Mischung aus Amazon und dem Eisenwarenladen der Großväter, in denen der Fachmann hinter der Theke mit Rat und Werkzeug zur Seite stand, um die richtige Lösung für eine handwerkliche Aufgabe zu finden. Dieses Versprechen der Briten könnte tatsächlich manche Hand- und Heimwerker ansprechen, die es leid sind, in gewöhnlichen Baumärkten zeitraubend einem der raren Mitarbeiter hinterherzujagen oder wirr durch die Regalreihen zu irren. „Bei uns läuft der Mitarbeiter, nicht der Kunde“, verspricht Screwfix-Manager Hilscher.

          Er identifiziert zwei Hauptgruppen als Kunden, die professionellen Handwerker und die Heimwerker mit einem eher fortgeschrittenen Anspruch. Die Handwerker will Screwfix schneller und komfortabler als gewöhnliche Märkte mit allem versorgen, was sie brauchen, um ihre Arbeit zu erledigen. Außerdem verspricht Screwfix eine im Vergleich zur Konkurrenz höhere Qualität beispielsweise bei Werkzeug und Maschinen. Davon profitieren könne auch der ambitionierte Heimwerker, dem bei Screwfix Profiwerkzeug angeboten werde, an das er ansonsten womöglich gar nicht herankomme, wirbt Hilscher für sein Haus.

          Was man in dem Markt falsch machen kann, in den die Briten nun mit Screwfix und ihrem neuen Konzept eingestiegen sind, das konnte man zuletzt am Ende der Baumärkte von Praktiker und schließlich auch der Max-Bahr-Märkte studieren. Inzwischen ist klar, dass eine Discountstrategie bei Baumärkten auf Dauer nicht funktioniert. Der Praktiker-Spruch „20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung“ ist zwar bis heute im Gedächtnis der Kunden hängengeblieben. Zu mehr Umsatz und vor allem Gewinn hat die Strategie aber gerade nicht geführt, im Gegenteil. Denn alsbald warteten die Kunden stur auf die nächste 20-Prozent-auf-alles-Runde, bevor sie überhaupt in die Praktiker-Märkte kamen. An Tagen ohne dieses Signale herrschte Leere bei Praktiker. Screwfix nimmt zwar für sich in Anspruch, konkurrenzfähige Preise zu bieten. Die Botschaft der Briten lautet aber eher: Beratung, Qualität und Zeitersparnis sind geil, nicht Geiz.

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