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Speer-Entwurf : Schwebende Konzernzentrale

Blickfang: Zentrale der MHK Group in Dreieich Bild: Frank Röth

Die MHK Gruppe hat in Dreieich ihre neue Europazentrale eröffnet. Der von Albert Speer entworfene Bau beeindruckt nicht nur den hessischen Ministerpräsidenten.

          Der Neubau am nördlichen Ortseingang des Dreieicher Stadtteils Sprendlingen zieht unwillkürlich die Blicke auf sich. Gläsern und transparent präsentiert sich das markante Gebäude in einer weiträumig angelegten Parkanlage, dem sogenannten MHK Campus. Ein Drittel des Hauses scheint in der Luft zu schweben: Ein 112 Meter langer viergeschossiger Riegel ruht auf einem wesentlich kürzeren zweigeschossigen Sockel und ragt nach Süden hin weit darüber hinaus. Man kann nur ahnen, welche statischen Herausforderungen das Frankfurter Architekturbüro Albert Speer und Partner gemeinsam mit den beteiligten Firmen zu bewältigen hatte.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für die Stadt und den Kreis Offenbach.

          1980 hatte der heute 67 Jahre alte Hans Strothoff den Einkaufs- und Vermarktungsverbund in Frankfurt gegründet, inzwischen erwirtschaften seine insgesamt 27.900 Mitarbeiter und rund 3000 Handelspartnern einen Jahresumsatz von 5,5Milliarden Euro. Das Unternehmen ist in Deutschland und sechs weiteren europäischen Ländern zu finden. 1990 hatte der Konzern nach zehn Jahren in Frankfurt seinen Sitz nach Dreieich verlegt. Auch unter Beachtung des Steuergeheimnisses darf vermutet werden, dass die Stadt im Landkreis Offenbach mit diesem Umzug im Hinblick auf ihre Gewerbesteuereinnahmen nicht schlecht gefahren ist. 440 Menschen beschäftigt die MHK Group allein in Dreieich. Sie dürften auch den Einkommensteueranteil, der bei der Stadt verbleibt, in die Höhe klettern lassen.

          Von allen Seiten Komplimente

          Gerade hat die MHK Group, nach zweieinhalb Jahren Planung und Bau, an der Frankfurter Straße in Dreieich ihre neue Europazentrale eröffnet – und dabei von allen Seiten Komplimente für die außergewöhnliche Konstruktion bekommen. Von einem „spektakulären Wurf“ sprach etwa Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vor mehr als 350 Gästen. Das Gebäude sei Ausdruck von Selbstbewusstsein, Erfolg und Zuversicht. Der FDP-Bundesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Christian Lindner, hob hervor, dass auf dem Gebäude die Flagge der Europäischen Union wehe. Dies sei ein „klares Bekenntnis zu Europa“ in einer Zeit, in der sich die Fliehkräfte hier deutlich verstärkt hätten.

          Der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Hans Strothoff, bezeichnete den Neubau als „Wahrzeichen unseres Aufstiegs zur erfolgreichsten Verbundgruppe unserer Branche“. Strothoff erinnerte an das Wirken von Albert Speer, der im September vergangenen Jahres starb und den Abschluss des Projekts nicht mehr erleben konnte.

          65.000 Quadratmeter großer Campus

          In der Vergangenheit waren die Mitarbeiter in Dreieich auf drei Gebäude verteilt, was die interne Kommunikation und Information erschwerte. Künftig arbeiten sie unter einem Dach. In der neuen Zentrale habe man ein modernes Arbeitsumfeld für die Beschäftigten geschaffen, das für Zufriedenheit und Identifikation sorgen solle, hob Strothoff hervor. Zum 65.000 Quadratmeter großen Campus gehören das Schulungs-, Bildungs- und Kulturzentrum „Area3“ und ein Parkhaus mit etwa 380Stellplätzen. Auf einem weiteren Grundstück könnte noch ein Hotel entstehen. Früher befanden sich auf dem Areal ein Bauunternehmen und ein Baumarkt. Bislang nicht geplant ist, dass die vom Firmenchef gegründete Strothoff International School dorthin umzieht. Die Privatschule werde im Haus des Lebenslangen Lernens in Dreieich bleiben, heißt es aus dem Konzern.

          Strothoff könne auf seine unternehmerische Leistung stolz sein, hob gestern Bouffier hervor. Die MHK Group sei ein Beispiel für Hessen, mit dem man gut werben könne. Hessen sei ein starkes Land und verdiene „nicht Moll, sondern Dur, und zwar mit voller Kapelle“. Lindner warb um Vertrauen für die Unternehmen, warnte vor Bürokratismus, der die unternehmerische Freiheit einschränke, und wandte sich gegen eine in Deutschland geführte Debatte, Unternehmen stärker zu belasten. Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) hob hervor, dass Strothoff sich in Dreieich auch für soziale Projekte engagiere, die dem Gemeinwesen und dem Image der Stadt dienten. Strothoff sei dafür nicht selten auch gescholten worden. Er habe in seinem Bekenntnis zu Dreieich aber nie nachgelassen.

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