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Schwälbchen auf Rekordniveau : Die Milch macht’s an der Börse

Führt Schwälbchen: Günter Berz-List Bild: dpa

Der Mittelständler Schwälbchen ist als Molkerei an der Börse ein Exot. Doch die Aktie kommt derzeit groß heraus. Obwohl die Prognose nicht glänzend ausgefallen ist. Hinzu kommt noch ein Häkchen.

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          Wenn an der Börse die Zukunft gehandelt wird, dann blickt Günter Berz-List mit seiner Belegschaft einer angenehmen Zukunft entgegen. Denn die Aktie der von ihm geführten mittelständischen Schwälbchen-Molkerei glänzt auf dem Börsenparkett in Frankfurt stärker als so mancher Großkonzern. Da mag der Betreiber der Börse auch ein Drittel mehr wert sein als der Produzent von Milch und Joghurt, Ayran und kaffeehaltigem Caffreddo: Die im Untertaunus ansässige Schwälbchen Molkerei Jakob Berz AG hängt selbst den erfolgreichen Frankfurter Dax-Konzern ab.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Binnen Jahresfrist steht ein Kursplus von 44 Prozent zu Buche. Und nicht nur das: Die Molkerei-Aktie befindet sich auf Rekordniveau. Jawohl.

          Umsatz und Ertrag magerer

          Die Frage ist nur: Wieso haussiert der Titel überhaupt? In seinem Halbjahresbericht spricht Vorstand Berz-List von einer „nur bedingt zufriedenstellenden Ertragslage“ und verweist auf den im Branchenvergleich hohen Erzeugerpreis, den sein Haus den anliefernden Landwirten zahlt. Nach dieser Lesart schöpften die Milchbauern den Rahm ab – wobei der Bauernverband zuletzt angesichts des allgemeinen Milchpreisniveaus nicht eben jubelte.

          Der Rohertrag von Schwälbchen erschien vor diesem Hintergrund keineswegs als erste Sahne. Vielmehr sank er binnen Jahresfrist von knapp 13,9 Millionen Euro auf fast 13,4 Millionen Euro. Der Umsatz gab um 5,5 Prozent auf knapp 47 Millionen Euro nach.

          SCHWAELBCHEN MOLKERE.O.N.

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          Der Halbjahresüberschuss fiel ebenfalls magerer aus: Unter dem Strich stand ein Profit von etwas mehr als einer Million Euro. Vor einem Jahr waren es noch 1,58 Millionen Euro gewesen. Für das Gesamtjahr sagte Berz-List zuletzt ein Umsatzminus voraus. „Bei einer günstigen Witterung in der verbleibenden Absatzsaison kann beim Ergebnis noch etwas aufgeholt werden“, gibt er aber zu bedenken. Ob das so kommt, müssen die verbleibenden Wochen zeigen.

          Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,1

          Derweil kann sich vor allem Berz-Lists Familie über den Kursanstieg freuen, der zu der guten Performance des Branchenindexes Stoxx Food & Beverages Europe passt; der hat ein Jahresplus von gut einem Viertel zu stehen. Die Familie des Schwälbchen-Chefs hält vier von fünf Anteilen. Bei den Kleinanlegern liegen insgesamt 15 Prozent. In der Folge wird die – mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,1 in etwa fair bewertete – Aktie aber sehr selten gehandelt.

          Das liegt auch daran, dass die Nachfrage das Angebot im Zweifel einfach übersteigt und der Markt für Schwälbchen-Aktien sehr, sehr eng ist. Die Familienaktionäre verkaufen ihre Anteile nicht, ehemalige Mitarbeiter und Bauern in der Regel ebenso wenig, wie Berz-List berichtet. Das habe mit der Verbundenheit mit dem Unternehmen zu tun.

          Die mangelnde Liquidität in der Aktie muss die Aktionäre allerdings nicht jucken. Kursplus ist Kursplus.

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