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Schulranzen : Auf die Passform kommt es an

Rücken-Schule: Schwere Ranzen belasten die Bandscheiben und führen zu einer schiefen Körperhaltung Bild: AP

Tolle Farben, aufregende Motive - das gefällt den Kindern. Ein Schulranzen muss aber vor allem eines: gut sitzen, sonst nimmt der Rücken Schaden.

          Viele Tränen hat die Verkäuferin bei Papier Krämer in Frankfurt schon erlebt. Etwa bei dem kleinen Mädchen, das sich auf ein rosafarbenes Modell mit Schmetterlingen eingeschossen hatte. Und dann mussten Mutter und Verkäuferin bedauernd feststellen, dass der Schulranzen nicht richtig sitzt.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Solche Erkenntnisse freilich seien eher selten der Fall, sagt Dieter Breithecker, Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltung und Bewegungsförderung in Wiesbaden. "Die größte Sorge der Eltern ist, dass der Ranzen für ihr Kind zu schwer ist, auf einen gut sitzenden Ranzen wird zu selten geachtet."

          Auf jeden Fall Probe tragen

          Die Arbeitsgemeinschaft hat daher einen Ratgeber zusammengestellt. Danach sollte ein Schulranzen höchstens 1,3 Kilogramm Eigengewicht haben und mit breiten und gut gepolsterten Tragegurten ausgestattet sein, die den Druck auf die Schultern großflächig verteilen. Wichtig ist, dass das Rückenteil körpergerecht geformt ist und an mehreren Stellen anliegt. Es sollte nicht zu hart gepolstert und druckstabil sein. In jedem Fall sollte das Kind den Ranzen im Geschäft Probe tragen, rät die Arbeitsgemeinschaft.

          Die rückengerechte Form ist vor allem für Kinder im Grundschulalter von Belang, da die Knochen in diesem Alter noch weich und anfällig sind. Außerdem besitzen Grundschulkinder nicht die Muskelkraft wie ältere Schüler. Lieber eine Nummer kleiner, meinen daher die Bewegungsfachleute aus Wiesbaden, zumal den Löwenanteil am Schulranzengewicht der Inhalt ausmacht. Sieben Kilogramm und mehr seien keine Seltenheit.

          Optimal: Nicht mehr als 15 Prozent des Körpergewichts

          Als Grundregel gilt laut Arbeitsgemeinschaft: 15 Prozent des Körpergewichts sollten auf Dauer nicht überschritten werden. Das wären bei einem Kind, das 30 Kilogramm schwer ist, maximal 4,5 Kilo für die Schultasche. Alles, was deutlich darüber hinausgeht, führt zu Haltungsänderungen und kann sich auf lange Sicht nachteilig auf die Rückengesundheit auswirken, sagt Sportwissenschaftler Breithecker mit Bezug auf entsprechende Studien.

          Gängige Modelle sind allen voran die Scout-Ranzen des Marktführers Sternjakob sowie Ranzen von McNeill, Der-Die-Das oder 4You. Es gibt die farbigen und oft mit Dinosauriern, Piraten und anderen bekannten Figuren verzierten Taschen in Fachgeschäften wie Leder Stoll oder Papier Krämer in Frankfurt ebenso wie in den Taschenabteilungen der Kaufhäuser. Beliebt ist auch der Fabrikverkauf von Sternjakob in Frankenthal.

          Die Hersteller bieten Modelle leer oder bereits mit Federmäppchen und anderen Accessoires gefüllt an. Im leeren Zustand beginnen die Preise bei rund 110 Euro und gehen bei limitierten Modellreihen rauf bis zu 240 Euro und mehr.

          Funktionalität und Sicherheit im Test

          Bei einem Test der Stiftung Warentest im vergangenen Jahr hatten zwei Scouts für 120 Euro, der Easy II und Maxi, abermals am besten abgeschlossen, gefolgt vom Samsonite-Modell Sammy (109 Euro). Dabei legten die Tester nicht nur Wert auf Funktionalität, sondern auch auf Sicherheit. Abgestraft wurden in dem Test Modelle (McNeill Ergo-Light Compact, Step by Step von Hama), die sich nicht an die DIN-Vorschrift 58124 hielten, wonach Vorder- und Seitenteile der Schulranzen zu einem bestimmten Prozentsatz reflektierende und fluoreszierende Materialien aufweisen müssen.

          Mit Sorge sieht Sportwissenschaftler Breithecker, dass viele Eltern aus Angst, die Schulranzen seien zu schwer, ihre Kinder, vor allem Erstklässler, mit dem Auto zur Schule fahren oder die Taschen selbst tragen. "Damit nehmen sie den Kindern wichtige Trainingsanreize für Muskeln und Knochen", sagt der Sportwissenschaftler.

          Nicht die richtige Lösung: Trolleys und seitlich getragene Rucksäcke

          Auch glaubten viele Eltern irrtümlicherweise, ein Trolley sei die richtige Lösung. Doch das Ziehen und die dauerhafte Verdrehung der Wirbelsäule führen laut Breithecker zu Fehlbelastungen, zumal Kinder die Trolleys beim Treppensteigen mühsam anheben müssen. Die Folge ist eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule. Gleiches gilt für Rucksäcke, die in Mittel- und Oberstufe angesagt sind und gern seitlich getragen werden - oder so tief, dass der Oberkörper nach vorne gebeugt werden muss. Das geht auf Dauer ebenfalls auf den Rücken.

          Gerade für ältere Schüler bleibt die Industrie nach Meinung Breitheckers bisher attraktive und rückengerechte Modelle schuldig. Da muss man schon eigene Wege gehen, so wie etwa Hannah Bornheim aus Hofheim: Die zehn Jahre alte Schülerin hat die Ranzen ihrer Mitschülerinnen kritisch getestet und für unpassend befunden. Stattdessen packt sie ihre Hefte und Bücher in einen Wanderrucksack.

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