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Weinhandel in Krisenzeiten : Schöne, neue Weinwelt

  • -Aktualisiert am

Ein Sortiment, das Kaufanreize schafft: Ludwig von Kapff-Weinlager in Eltville. Bild: Frank Röth

Beim Wein geht es wie bei jedem Genussmittel nicht in erster Linie um den Preis. Da darf es dann wenigstens im Glas ein wenig „krachen“. Das ist ein Hoffnungsschimmer für einen gesättigten Markt.

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          Wenn die Bürger in diesem Jahr Weihnachten im kleinen Kreis zu Hause feiern müssen und es an Silvester auf der Straße nicht krachen lassen dürfen, dann gehört für die allermeisten wenigstens ein gutes Glas Wein oder Sekt auf den Tisch. Für drei Viertel der Bürger sind gutes Essen und Trinken an diesen Tagen unverzichtbar. Diese Botschaft hören vor allem die Winzer gern, die unter dem Strich besser als die Gastronomen durch die Krise steuern. Vor allem jene Erzeuger, die viele treue Privatkunden haben und die überdies im Internet aktive Verkäufer sind. Nie zuvor haben sie so viele Weinkisten gepackt wie in diesem Jahr. Das half, Verluste im Gastronomiegeschäft zu kompensieren.

          Die Pandemie wirkt als Katalysator vieler Veränderungsprozesse auch in der Weinbranche. Allerdings weniger wegen des neuen deutschen Weingesetzes, das zwar mitten in der Krise verabschiedet wurde, das aber alles andere als ein großer Wurf ist und das sein hehres Ziel einer Stärkung der deutschen Weinwirtschaft deutlich verfehlen dürfte. Die Pandemie hat vielmehr die Digitalisierung der Weinbranche, die im zu Ende gehenden Jahr auf ihre großen Messen und Präsentationen verzichten musste, stark befördert. Webshops wurden aus dem Boden gestampft, Internet-Weinproben organisiert, digitale Weinbars eröffnet, Talkshows zum Thema Wein initiiert.

          Kaufanreize und Kundenbingung

          Der Weinfachhandel, der schon vor der Krise dem immensen Konkurrenzdruck durch die immer mehr Weinkompetenz anhäufenden Supermärkte und Discounter ausgesetzt war, steht nicht erst seit der Corona-Pandemie mit dem Rücken zur Wand. In Eltville lässt sich nun besichtigen, wie eine kluge, innovative Vernetzung des stationären Handels mit dem boomenden Internetverkauf unter Einsatz modernster Technik aussehen könnte und wie junge, technikaffine Weinfreunde vielleicht überzeugt werden können. Beispielsweise wenn beim Plazieren einer Weinflasche auf Station direkt ein Sommelier beginnt, per Video den Wein fachkundig zu beschreiben. Oder wenn das Smartphone des Käufers nach dem Scannen des QR-Codes einer Flasche nicht nur weiterführende Infos zum Wein bietet, sondern auch eine unkomplizierte Bestellmöglichkeit für die Lieferung nach Hause.

          In einem gesättigten Weinmarkt, der Wachstum nur noch über Verdrängung zulässt, könnte das ein Weg für den Fachhandel sein, denn der Erfolg setzt Kaufanreize und Kundenbindung voraus. Und nicht zuletzt geht es um die Überzeugungsarbeit, dass es beim Wein – wie bei jedem Genussmittel – in erster Linie nicht um den günstigsten Preis, sondern um Qualität und Geschmack geht. Gerade auch zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel. Da darf es dann wenigstens im Glas ein wenig „krachen“.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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