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Die IAA als Jobbörse : Schnitzeljagd für Nachwuchskräfte

  • -Aktualisiert am

Auf der IAA halten Aussteller die Augen nach Nachwuchskräften offen: Darunter auch Porsche. Das Unternehmen will die Produktion des „Taycan“ sichern. Bild: Reuters

Viele Unternehmen nutzen die IAA, um Nachwuchskräfte anzuwerben. Doch es mangelt an Bewerbern. Um diese anzulocken, lassen sich die Aussteller einiges einfallen.

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          Wer den gelben Würfel findet, hat die Gewissheit, richtig zu sein. Zumindest dann, wenn die betreffende Person auf der Suche nach Jobmöglichkeiten ist und an der „IAA Career Rallye“ – einer mobilen Schnitzeljagd mit Quiz-Fragen und der Chance, Kontakte zu knüpfen – teilnimmt. Sieben Aussteller haben diesen Würfel an ihren Ständen positioniert, darunter Daimler, Volkswagen und Rheinmetall Automotive. Beim Zulieferer aus Neckarsulm steht er am Rand des Tresens, hinter dem zwei Frauen die Besucher empfangen. „Täglich kommen ungefähr vier, fünf Rallye-Teilnehmer hier her“, sagt eine der beiden, ergänzt aber sogleich: „Wir haben allerdings auch viele Interessenten, die unabhängig davon zu uns kommen.“ Denn viele Unternehmen nutzen die IAA nicht nur, um ihre Produkte zu bewerben und zu verkaufen. Sondern auch, um Fachkräfte zu finden.

          Porsche etwa setzt auf eine Kombination von öffentlichkeitswirksamen, kurzen Vorträgen und einer persönlichen Beratung. „Wir suchen Leute in der IT-Branche und im Bereich der Elektromobilität“, sagt Svenja Wagner. Sie arbeitet im Personalmarketing von Porsche und spricht auf einer Bühne über den Bedarf an Nachwuchskräften. „Aktuell haben wir 1000 offene Stellen.“ Die kleine Tribüne, auf die Wagner blickt, ist spärlich besetzt. Doch oben am Geländer stehen augenscheinlich interessierte Personen. „Wir freuen uns über begeisterte Talente, auch an unserem Stand dort hinten“, ergänzt sie, dreht sich kurz um und zeigt in die Richtung des Schalters, an dem einer ihrer Kollegen die Interessenten berät, in diesem Moment einen jungen Mann.

          „Die Zielgruppe sind Studenten, die sich hier über eine Karriere, das Umfeld und Praktika informieren können“, sagt er. Die Resonanz sei positiv. „Es sind permanent Leute da, die Fragen haben.“ Besonderen Personalbedarf erfordere aktuell die Produktion des Modells „Taycan“. „Da wurden Stellen aufgebaut, um die Produktion zu gewährleisten.“

          Studenten dürfen mitmachen

          In derselben Halle, nur einige Meter entfernt, setzt Volkswagen auf ein ähnliches Konzept. Auch der Konzern aus Wolfsburg ist mit einem sogenannten Recruiting-Team vor Ort. Doch es kommen nicht nur Studenten, sondern auch Eltern. Ein Vater, dessen Sohn kurz vor dem Abitur steht, informiert sich nach möglichen Berufschancen im Anschluss an den Schulabschluss. Inwieweit sich das Recruiting auf der IAA für Volkswagen lohnt, kann eine Konzernsprecherin jedoch nicht beurteilen. Besonders groß sei allerdings auch bei VW – wie in der gesamten Automobilbranche – der Bedarf an IT-Fachleuten. „2000 offene Stellen haben wir hier.“

          Continental sucht ebenfalls nach Personal. Wie viele Posten der Reifenhersteller besetzen kann oder will, lasse sich nicht exakt beziffern, sagt eine Sprecherin. Allerdings vertraut der Konzern mit der Eventreihe „Fiction to Science“ einer eigenen Methode, um potentielle Mitarbeiter anzulocken. Schon zum zweiten Mal in Folge veranstaltet das Unternehmen auf der IAA in diesem Rahmen einen Hackathon, bei dem Soft- und Hardware-Entwickler zusammen kommen. Studenten, die sich zuvor beworben haben, arbeiten dort an E-Mobilitäts-Lösungen und Projekten zum autonomen Fahren. „Zusammen mit erfahrenen Kollegen“, sagt Andrea Lorenz, Mitarbeiterin aus dem Personalmarketing. „So können sie sich direkt mit unseren Experten austauschen.“

          Auf der Suche nach neuem Personal ist indes auch der Zoll, der erstmals einen eigenen Stand auf der IAA hat. Das klingt zunächst ein wenig kurios, doch es gibt einen Zusammenhang. „Wir zeigen hier beispielsweise gefälschte Autoteile“, sagt Sprecherin Isabell Gillmann. Gleichzeitig versuche man, junge Menschen für eine Karriere beim Zoll zu begeistern, etwa mit einer Ausbildung und einem dualen Studium. „Wir bieten sichere Arbeitsplätze, außerdem wird die Ausbildung finanziert“, erläutert Gillmann. Ein gelber Würfel ziert den Stand des Zoll übrigens nicht. Dennoch kommen genügend Interessenten vorbei. Wie bei VW „auch ältere, die sich für Kinder und Verwandte informieren“, sagt Gillmann.

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